Intern

Wer erstmals während des Filmfestivals in Locarno unterwegs ist, wird über die vielen ­nationalen Politiker, Spitzenbeamten und SRG-Kader staunen, die einem in den engen Gassen über den Weg laufen. Nirgends kommt die Liaison von Kultur und Politik dermassen zum Ausdruck wie an dem wunderbaren ­Ferienort im Tessin. Aber wie läuft das Zu­sammenspiel genau ab? Anlässlich der 70. Ausgabe des Festivals hat Kulturredaktor Rico Bandle während vier Tagen möglichst viele Empfänge und Partys besucht. An den üppigen, meist von Bundesämtern und staatsnahen Betrieben gesponserten Buffets findet ein für beide Seiten attraktiver Tauschhandel statt: Politiker erhalten etwas Film-Glamour und Aufmerksamkeit, die Filmbranche sichert sich die für sie überlebenswichtigen Subven­tionen. Seite 20


Es gibt wohl keine zweite deutsche Stadt, die den Geist des untergegangenen Preussen mehr atmet als Potsdam. Sie war die wichtigste Garnisonsstadt der Hohenzollern, und hier steht das architektonische Kleinod Schloss Sanssouci. Architektonisch weniger gut gelungen war das Stadtschloss der Dynastie, weshalb es wohl kein grosser Verlust gewesen ist, dass die DDR-Machthaber die im Krieg zerstörten Reste abgerissen haben. Der Neuaufbau nach der Wiedervereinigung ist nun ebenso authentisch wie die Disney-Version von Neuschwanstein. Heute ist hier der Landtag von Brandenburg untergebracht. Ein Abgeordneter passt besonders gut hin: Alexander Gauland, der Spitzenkandidat der Alternative für Deutschland. Denn mit seinem Habitus des englischen Landedelmanns könnte er auch als preussischer Junker durchgehen. Redaktor Wolfgang Koydl hat sich mit dem 76-jährigen Politiker unterhalten. Seite 44


Ist es in einer globalisierten Welt möglich, ein Land völlig von der Aussenwelt abzuschotten? 25 Millionen Menschen von allen Informa­tionsflüssen abzuschneiden? Ja, es ist möglich. In Nordkorea. Unser Reporter Klaus Zaugg wollte es nicht glauben. Aber ein einfacher Test vor Ort hat ihn überzeugt, dass es funktioniert: Bei jeder Gelegenheit hat er nach Roger Federer gefragt. Bei zufälligen Begegnungen mit Hilfe des Übersetzers, im Hotel oder im Restaurant. Roger Federer? Niemand hat den Namen je ­gehört. Aber umgekehrt gibt es kein anderes Land, über das wir so wenige verlässliche Informationen haben und das so sehr als Inbegriff des Bösen gilt. Wie ist Nordkorea wirklich? Die Eindrücke nach einer zehntägigen Reise sind verwirrend, aufwühlend, verstörend. Eines ist Zaugg klargeworden: Wir werden diesem Land nicht gerecht, wenn wir es einfach pauschal als «böse» bezeichnen. Seite 46


Die Kurdische Arbeiterpartei, kurz PKK, ist in Deutschland verboten. So weit geht die Schweiz nicht. Doch der Nachrichtendienst des Bundes stuft das Potenzial der PKK als bedrohlich ein. Was also tun, wenn Bilder auftauchen, die einen amtierenden Nationalrat zeigen, der vor einer PKK-Fahne referiert? Die journalistische Sorgfaltspflicht gebietet es, nachzufragen. SP-Nationalrat und Gewerkschafter Corrado Pardini, um den es geht, bestätigt: «Die Bilder sind echt.» Aber er findet, die von unbekannter Seite in ­Umlauf gebrachten Aufnahmen seien nicht der Rede wert, völlig irrelevant. Diverse schriftliche und mündliche Protestrufe Pardinis haben René Zeller nicht davon abgehalten, den fragwürdigen Auftritt des unzimperlichen Unia-Gewerkschafters zu thematisieren. Seite 27

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