Auto

Der rasende Gentleman

Der Aston Martin DB11 ist der wohl beste Gran Turismo, wenn man das Leistungs-Schönheits-Exklusivitäts-Verhältnis betrachtet.

Von David Schnapp

Aston Martin DB11

In der Liga der begehrenswerten Autos spielt Aston Martin fast seit je ganz oben mit. Ein DB5 aus den 1960er Jahren ist ein unverkennbarer, legendärer Charakter, und der neueste DB11 ist das heute schon – und wird es wohl lange bleiben. Dieses Auto ist der wichtigste Aston Martin seit langem, er ist der Wegweiser in die Zukunft der geschichtsträchtigen Marke.

Im Vergleich mit dem bisherigen DB9 ist der DB11 ein komplett neues Auto, und nach ein paar Tagen, die ich in seiner üppigen ­Lederwelt verbracht habe, lässt sich feststellen: Die Briten haben alles richtiggemacht. Erstens die äussere Erscheinung: Der DB11 ist unverkennbar ein Aston Martin, aber die ­Linien wurden geschärft und in eine hoch­ästhetische muskulöse Form gegossen, eine Mischung aus Athletik und Eleganz.

In 3,9 Sekunden von null auf hundert

Zweitens der Antrieb: Statt des bisherigen V12-Saugmotors mit 5,9 Litern Hubraum gibt es nun einen Zwölfzylinder mit Doppelturbo und noch 5,2 Litern Volumen. Damit wird ­eine hochstehende Kultur der Mühelosigkeit gepflegt, oder, wie der Brite sagt: der effortlessness. Ohne physisches oder akustisches Auf­hebens eilt der Gran Turismo in 3,9 Sekunden auf hundert und würde bis 321 Stundenkilometer weiterfahren. Allein: Meistens fehlt ­einem dafür der Mut und der Raum.

Und drittens die Inneneinrichtung: Das ­moderne, funktionale Cockpit ist sichtbar mit Mercedes-Teilen bestückt, was dem ­Aston Martin aber keinesfalls schadet – im Gegenteil!

Präzise wie ein Jedi-Lichtschwert

In sorgfältiger Planung habe ich mir eine ­Route zurechtgelegt, die zunächst über eine deutsche Autobahn Richtung Tübingen führt, wo der Gentleman-Wagen den Raser in mir ­zufriedenstellt. Mit zwei Tasten am Lenkrad lassen sich Dämpfung und Motorkennlinie ­separat in drei Stufen verstellen. Selbst in der Position «Sport+» verliert der DB11 nie seine Haltung, wird aber straff und dynamisch. Bei 250 Stundenkilometern ist es am Steuer immer noch angenehm ruhig und unaufgeregt, schnelle lange Kurven nimmt der Aston mit der humorvollen Gelassenheit eines bekannten britischen Geheimagenten.

Später dann fahre ich über die wunder­baren Landstrassen des Schwarzwalds zurück, und der DB11 klingt (auf Wunsch) kernig, aber nie vorlaut, in der Dämpfereinstellung «GT» wirkt er erstaunlich komfortabel, um gleich danach wieder scharf und präzise wie das Lichtschwert eines Jedi-Ritters durch enge Kurven zu ziehen. Kurz, einen besseren Gran Turismo mit mehr Stil zu diesem Preis gibt es in dieser Leistungsklasse kaum.


Aston Martin DB11

Leistung: 608 PS/447 kW, Hubraum: 5204 ccm

Höchstgeschwindigkeit: 321 km/h

Preis: Fr. 217 800.–, Testwagen: Fr. 261 320.–

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