Auto

Transformer

Der Lamborghini Aventador bleibt eine einzigartige Erscheinung.
 In der neuesten Version wird das Biest fast handlich.

Von David Schnapp

Lamborghini Aventador S Bild: David Schnapp

Supersportwagen wie der Lamborghini Aventador haben eine Ausstrahlung, der man sich schwer entziehen kann. Nicht als Fahrer und auch nicht als Zuschauer. Meine Reise mit dem neuesten Modell, dem Aventador S, beginnt in dessen Heimat Sant’Agata Bolognese, und nach der langen Anfahrt habe ich erst mal Hunger. Meine Frage nach einem guten Restaurant in der Gegend wird in einem kleinen Lebensmittelgeschäft nicht nur beantwortet, man nimmt für mich auch gleich die Reservation vor und eskortiert mich in einem vorausfahrenden Wagen zum Lokal, wo der Wirt schon bereitsteht und mir anzeigt, den Wagen an den Strassenrand zu stellen. Eine Visitenkarte des Restaurants unter dem Scheibenwischer regelt schliesslich alle rechtlichen Fragen – die italienische Lösung.

Jeder Gang ein Ereignis

Der Aventador S sieht nicht nur aus wie ein Wesen aus «Transformers», er verändert tatsächlich auch seinen Fahrer und bringt ihn ins Gespräch. An dem Auto ist nichts bescheiden: von der knallgelben Farbe bis zum 6,5 Liter grossen V12-Saugmotor, der bei normaler bis zügiger Fahrweise 16 bis 20 Liter Super Plus auf 100 Kilometer verbrennt. So unterhalte ich mich auf italienischen Raststätten mit begeisterten Tankwarten, werde um Fotos gebeten, und auf der Autobahn kommt es öfters vor, dass ein Kleintransporter oder ein Fiat Tipo sehr nah aufschliesst, um ein paar Sekunden Videomaterial aufzuzeichnen.

Der Lamborghini summt, singt, schreit, brüllt – am liebsten war mir aber jenes Geräusch, das man am ehesten als summendes Gurgeln beschreiben könnte und das knapp unterhalb von 3000 Umdrehungen entsteht, wenn man behutsam beschleunigt. Das ist irgendwann so vertraut wie die rustikalen Vorgänge im automatisierten Schaltgetriebe: Jeder Gang ist ein Ereignis, je nach Fahrsituation geht ein ziemlicher Ruck durch das Auto, wenn man schaltet.

Neu ist im Aventador S ein weiteres Fahrprogramm, es heisst Ego (kein Witz!) und erlaubt die individuelle Einstellung von Lenkung, ­Federung und Ansprechverhalten. Die bekannten Fahrprogramme Strada, Sport und Corsa bleiben. Die wichtigste Änderung ist aber die neue Hinterachslenkung, die bei tiefem Tempo die Räder entgegengesetzt einschlagen lässt, um den Wagen handlicher zu machen, und sie bei höherer Geschwindigkeit parallel lenkt, um die Kurvenstabilität zu erhöhen. Das verleitet mich dazu, aus jeder ­Autobahnauf- oder -abfahrt das Maximum an G-Kräften herauszuholen, und ich staune ­jedes Mal von neuem. Der Grenzbereich des ­eigenen Mutes beginnt sehr viel früher als jener dieses Autos. Und bei nasser Fahrbahn ist der Aventador S so leicht durch den Regen zu fahren wie ein Porsche Cayenne. Wie von allem hat der Transformer auch von Traktion mehr als genug.


Lamborghini Aventador S


Leistung: 740 PS/544 kW,
Hubraum: 6498 ccm

Höchstgeschwindigkeit: 350 km/h,
Preis: Fr. 430 000.–

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