Auto

Immer wenn es regnet

Der schönste Spass-Wagen der Saison ist der Alfa Romeo Giulia 
Quadrifoglio mit 510 PS und Heckantrieb.

Von David Schnapp

Alfa Romeo Giulia QV

Unser Start war zugegebenermassen nicht ideal. Als ich den in dem typischen verführerischen Alfa-Rot lackierten Testwagen entgegennahm, regnete es und war ungefähr fünf Grad kalt – ein typischer Maitag in Zeiten der Klimaerwärmung vermutlich. Auf die 19-Zoll-Felgen meines Alfa Romeo Giulia Quadrifoglio Verde war eine Semi-Slick-Mischbereifung von Pirelli aufgezogen, 245/35 vorne und 285/30 hinten. Das wäre die ideale Voraussetzung gewesen für einen trockenen, halbwarmen Tag auf der Rennstrecke. Auf nassem städtischem Asphalt hingegen ist diese sportlich ausgelegte Konfiguration mit Vorsicht zu geniessen.

Es galt also, sich in Geduld zu üben, und gerade das macht einem die Giulia in ihrer bislang schärfsten Ausbaustufe gar nicht so einfach. ­Alles an dem Auto ruft nach Beschleunigung. Ein Druck auf den roten Startknopf am zurückhaltend gestalteten Lenkrad, und der V6-Doppelturbobenziner erwacht mit einer herausfordernden, laut röhrenden Fanfare zum Leben. Eingepasst in den gutsitzenden Carbon-Leder-­Alcantara-Sitz, in der rechten Hand den Hebel für die Sechsgang-Handschaltung, möchte ich jetzt eigentlich Gas geben. Aber die Reifen müssten erst auf Temperatur gebracht werden, und das ist bei Fünf-Grad-Regen gar nicht so einfach.

Und dann ist es eben so: Wie jedes Testauto ist auch dieses bloss eine Gebrauchsleihgabe. Diese wie Altpapier zu behandeln und mal zu versuchen, wie weit man gehen könnte, scheint mir nicht angebracht. Das sehen nicht alle so, dem Vernehmen nach überschätzt sich hin und wieder ein Giulia-Fahrer. Dabei gibt es keinen Zweifel, es gibt in dieser Saison kein zweites Fahrzeug, das mehr puren Spass an der Beschleunigung verspricht als die Quadrifoglio-Verde-Version: 510 PS, 600 Nm Dreh­moment, Heckantrieb, Handschaltung. Je nach Fahrmodus wird das adaptive Fahrwerk härter, und in der Einstellung «Race» werden nicht nur die Auspuffklappen geöffnet, sondern vor allem auch das ESP gelockert. Wer’s kann, könnte jetzt mit etwas Platz und Anlauf den Alfa quer durch die Kurven drehen lassen, aber auf öffentlichen Strassen ver­bietet einem der gesunde Menschenverstand eine solche Fahrweise.

Später, bei trockenem, wärmerem Wetter, macht die Giulia richtig Fahrfreude. Die präzise Lenkung, die optionalen Keramikbremsen, die massive Leistung schon bei tiefer Drehzahl – das alles macht grossen Spass. Immer wenn es regnete, liess ich den Alfa aber in der Garage: nicht unbedingt, weil es sich um ein Schönwetterauto handelt, sondern eher, weil ich zum Glück eine Alternative hatte, die weniger Nervenkitzel versprach. Autos wie die Giulia QV sind Diven, sie sind dann am besten, wenn man ihnen die ganze Aufmerksamkeit widmen kann.


Alfa Romeo Giulia QV
Leistung: 510 PS/375 kW, Hubraum: 2891 ccm
Höchstgeschwindigkeit: 307 km/h
Preis: Fr. 87 000.–; Testauto: Fr. 101 050.–

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