Auto

Schwarz im Anzug

Rolls-Royce geht auf die dunkle Seite: Ein Tag mit dem Wraith Black Badge in Berlin.

Von David Schnapp

Rolls-Royce Wraith Black Badge

Einen Rolls-Royce zu fahren, bedeutet ja nicht in erster Linie, dass man sich für ein bestimmtes Auto entschieden hat, weil es einen bequem von A nach B zu bringen vermag. Es ist richtig, dass ein Rolls-Royce zwar schön, komfortabel, kraftvoll und luxuriös ist. Gleichzeitig ist er zu gross, zu unhandlich, und er ist so diskret wie ein Pelzmantel im veganen Restaurant.

Man fährt also einen Rolls-Royce, weil man es kann und weil er eine Art ultimative Belohnung darstellt. Die endgültige Gewissheit, dass man es geschafft hat. Die Strassenschiffe aus Goodwood, England, sind für ihre Besitzer ein persönliches Statement, fast alle Fahrzeuge werden individualisiert mit Leder, Farben, Emblemen und so weiter. Einen Rolls-Royce zu fahren, ist also Ausdruck einer Lebenseinstellung, englisch lifestyle, und dieser Idee folgt die neue Sonderserie Black Badge, die nun für die beiden Modelle Ghost und Wraith angeboten wird.

Der Geist von Muhammad Ali

Die Autos sehen nun aus wie schwarze Anzüge von einem sehr guten Schneider; sie seien im Geiste von Männern entstanden, die die Welt verändern wollten, heisst es nicht ganz ohne ­Pathos bei Rolls-Royce: Malcolm Campbell, ­Howard Hughes, Keith Moon, Yves Saint Laurent, Muhammad Ali und Charles Rolls. Ein Black Badge soll nicht nur ein Auto sein, sondern auch ein starkes Gefühl. Kürzlich wurde ich eingeladen, davon eine Ahnung zu erhalten – während 24 Stunden in Berlin.

Ausgehend vom schicken hideaway-Hotel «Das Stue» direkt am Zoo, fuhr ich mit dem Wraith zunächst in Richtung Süden. Die Studenten-, Beamten- und Lobbyisten-Stadt Berlin ist für einen Rolls-Royce nicht gerade das natürliche Habitat: Die Fahrt in die Lücke muss man sich mit der schieren Wirkung der Masse erkämpfen, freiwillig lässt einem niemand den Vortritt. Dazu Baustellen im Multipack – der Flughafen ist längst nicht das einzige Vor­haben, das in der Hauptstadt noch nicht­fertiggestellt ist. Aber dann: Autobahn ohne Tempolimit, der vielleicht wichtigste Beitrag Deutschlands an die freie Welt. Da kann der Wraith mit seinem famosen Luftfederfahrwerk und dem mächtigen Zwölfyzlinder-Aggregat buchstäblich aus dem Vollen schöpfen. Selten fährt man oberhalb von 200 km/h so souverän, elegant und mühelos.

Die Black-Badge-Modelle unterscheiden sich übrigens von anderen Wraiths oder Ghosts durch eine hochglänzend schwarzlackierte «Spirit of Ecstasy» auf dem dunkel schimmernden Kühlergrill, spezielle Felgen aus Carbon­faser und Aluminium und natürlich einer ­tiefschwarzen Lackierung. Beim Wraith gibt es zur Leistung von 632 PS noch etwas mehr Drehmoment obendrauf, plus 70 Newtonmeter genau. Wenn man schon einen Bonus für die ­eigene Lebensleistung kauft, darf es auch etwas mehr sein.


Rolls-Royce Wraith Black Badge
Leistung: 632 PS (465 kW); Hubraum: 6592 ccm
Höchstgeschwindigkeit: 250 km/h
Preis: Fr. 412 500.–

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