Auto

Hüben und drüben

Porsche kann mehr, als tolle Sportwagen bauen: Der Macan GTS ist 
ein gelungenes Reisefahrzeug mit Bodenfreiheit.

Von David Schnapp

Porsche Macan GTS

Es soll ja immer noch Leute geben, die es Porsche bis heute nicht verziehen haben, dass der Autobauer irgendwann vor vielen Jahren angefangen hat, sein Portfolio zu erweitern – mit einer Limousine, einem grossen und einem kleineren Geländewagen. Natürlich ist ein 911er eine Ikone des Automobilbaus, aber dass man seine Kompetenz in einem breiteren Produktangebot zum Ausdruck bringt, halte ich für ­einen legitimen unternehmerischen Vorgang.Am Ende kommt es ja vor allem auf das Resultat an – und darauf, ob es für ein neues Produkt auch eine Kundschaft gibt. Im Falle des letzten neuen Porsche-Modells, des SUV Macan, das auf Basis des Audi Q5 gebaut wird, scheint der Erfolg dem Hersteller recht zu geben: Im Jahr 2016 war der Macan mit 1795 Stück das meistver­kaufte Porsche-Modell in der Schweiz, und auch im ersten Monat des laufenden Jahres führt der nach dem indonesischen Wort für «Tiger» benannte Wagen die Verkaufsstatistik an.

Ich hatte die Gelegenheit, den Macan in seiner schärfsten Ausbauvariante als GTS in zwei sehr unterschiedlichen Ausgangslagen, quasi hüben und drüben, zu fahren: zum einen während einiger goldener Herbsttage durch Los Angeles und Kalifornien und dann bei Schnee und Kälte im Engadin. Und dieser Porsche passt eigentlich immer. Auf dem Highway ist er bequem, bietet eine angenehme Übersicht und fährt sich ziemlich entspannt. Fährt man bei einem prominenten Restaurant wie dem «Spago» von Wolfgang Puck in Beverly Hills vor oder bei einem netten Hotel wie dem ­«Giardino Mountain» in Champfèr-St. Moritz, ist man mit dem Macan gewissermassen immer passend gekleidet. Nicht zu bescheiden, aber auch nicht übertrieben. Der Portier nickt vielleicht leise anerkennend, und als Fahrer steigt man aus mit dem guten Gefühl, ein weiteres Ziel auf angenehme Art erreicht zu haben.

Gegenwert: ausserordentlich gut

Natürlich kann man Porsche kritisieren, für die Preispolitik zum Beispiel, die so sportlich ist wie ein 911 Turbo. Aber der Gegenwert, den zum Beispiel so ein Macan GTS bietet, ist halt auch ausserordentlich gut. Da ist einmal der Platz, die Verarbeitung, die Haptik des Leders, der Tasten und anderen Regler im Innenraum. «Das ist einfach gut», sagt mein Beifahrer, der sich mit Autos auskennt. Und dann natürlich das Fahrzeug im Wortsinn. Ein Knopfdruck («Sport»), und aus dem leise brummelnden SUV wird ein kernig röhrender Dynamiker. Auf dem Weg über den Julier kann die Elektronik zwar Gewicht und Bauart des Macan nicht ganz wegregeln, aber es ist schon erstaunlich, wie schön er sich in die Kurve legt und dann hinausbeschleunigt. Die 360 PS des V6-Biturbo-
Motors und die 500 Nm, welche schon bei 1650 Umdrehungen pro Minute anliegen, genügen in solchen Momenten schon vollauf für das kleine Lächeln im Gesicht des Fahrers.

Kurz, mit dem Macan bin ich bisher immer gut gefahren: in die Berge, über Schnee, auf dem Highway oder sogar durch die Wüste (siehe Weltwoche Nr. 16/14). Viel mehr kann man von ­einem talentierten Reisefahrzeug nun wirklich nicht erwarten.


Porsche Macan GTS
Leistung: 360 PS/265 kW, Hubraum: 2997 ccm
Höchstgeschwindigkeit: 256 km/h
Preis: Fr. 89 800.–, Testauto: Fr. 106 210.–

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