Auto

Frühling in Grün

Kaum steigen die Temperaturen leicht, nimmt man den Sportwagen 
wieder aus der Garage: zum Beispiel den McLaren 570GT.

Von David Schnapp

McLaren 570GT

Alles spricht von Tesla, aber die wohl erfolgreichste Neugründung im Automobil­geschäft war vermutlich McLaren Automotive im Jahr 2009. Der historische Kern der Marke geht zwar auf 1963 zurück, und Vierradhistoriker erinnern sich natürlich an den dreisitzigen F1, der ab 1993 gebaut wurde. Aber vor gerade mal acht Jahren entschlossen sich die Briten unter der damaligen Führung des exzentrischen Unternehmers und Formel-1-Teamchefs Ron Dennis, den Markt für (Super-)Sportwagen mit eigenen Motoren und Carbonfaser-Fahrgastzellen aufzumischen. Knapp 3000 Fahrzeuge wurden 2016 gebaut, mehr als 4500 sollen es nicht werden, sagen die Verantwortlichen aus Woking in der englischen Grafschaft Surrey.

Das Fazit dieser kurzen Übersicht: McLaren baut nur wenige Jahre nach seiner Gründung mit die besten Sportwagen, die es zurzeit zu kaufen gibt. Der P1 (916 PS) mit Hybridmotor fährt in Vergleichstests regelmässig allen davon, im vergangenen September in Silverstone zum Beispiel La Ferrari und Porsche 918 Spyder oder der gleichen Konkurrenz in einem sogenannten Drag Race, wo der P1 in 20,11 Sekunden von 0 auf 300 km/h stürmt und den auch nicht gerade untermotorisierten Hypersportwagen aus Modena und Stuttgart mehrere Meter voraus ist.

Weil der P1 aber schwer bis unmöglich zu bekommen ist, habe ich mich mit einem 570GT beschieden; das ist die zurzeit komfortabelste, alltagstauglichste Art, McLaren zu fahren. Eingebaut ist wie bei allen McLaren ein V8-Doppelturbomotor, allerdings ohne zusätzlichen Elektroantrieb. Aber die Eckdaten sind für ein paar schnelle Kurven nach Feierabend absolut ausreichend: 570 PS, in 3,4 Sekunden auf 100 km/h und eine Spitze von 328 km/h. Statt Flügeltüren gibt es hier ganz herkömmliche Einstiege und sogar eine kleine Gepäckablage hinter der Heckscheibe, die sich seitlich weit öffnen lässt. In «British Racing Green» und mit hellem Leder ausgeschlagen, sieht mein Testwagen zudem edel, aber nicht zu auffällig aus.

Und weil wir Autotester in der Regel ja nicht viel wissen über die Leute, die solche Fahrzeuge tatsächlich kaufen, da wir hier von uns gänzlich unbekannten Einkommensklassen sprechen, habe ich einen wohlhabenden Unternehmer gebeten, mit mir mitzufahren. Der Mann besitzt eine Sammlung klassischer Mercedes, ­einen Ferrari, einen Porsche sowie weitere Fahrzeuge mit sechsstelligen Preisschildern. Auf ­einer flotten Landpartie im Gebiet Zug–Luzern–­Zürich finden wir heraus, dass der 570GT bei ­aller Alltagstauglichkeit und etwas mehr ­Federweg ein ziemlich reinrassiger Sport­wagen ist, an dem der Ferrari-Fahrer am Ende nur noch bemängelt, dass er akustisch etwas zu zurückhaltend ausgelegt sei. Statt italienischer Oper gibt es hier britisches Understatement, was aber durchaus für den McLaren sprechen kann.


McLaren 570GT
Leistung: 570 PS / 419 kW
Hubraum: 3799 ccm
Höchstgeschwindigkeit: 328 km/h
Preis: 
Fr. 212 800.–

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