„Trumps Mut ist erfrischend“

Auch mehr als ein halbes Jahr nach dem Brexit-Votum schwebt Nigel Farage (UKIP) im siebten Himmel. Dennoch bleibt er misstrauisch, ob der der EU-Auszug tatsächlich stattfindet. Grosses Lob hat er für Donald Trump: „Seine Geradlinigkeit und Ehrlichkeit sind ein Vorbild.“

Von Wolfgang Koydl

Bild: Jasper Juinen/Bloomberg via Getty Images

Nigel Farage, nachträglichen Glückwunsch zum Brexit. Sie haben Ihr Ziel erreicht. Wann lösen Sie nun die UKIP auf, treten den konservativen Torys bei und ziehen sich mit einem Adelstitel ins Oberhaus zurück?

Für die Lords hatte ich noch nie etwas übrig. Diese Kammer ist vollgestopft mit engen Freunden der Ex-Premiers Tony Blair und David Cameron. Das Oberhaus ist die schlimmste Verkörperung der politischen Klasse in diesem Land. Ausserdem: Ich war jahrelang unpopulär im Europa-Parlament. Warum sollte ich mich jetzt unpopulär machen im Oberhaus?

Aber braucht es UKIP denn noch? Ihr Ziel war der Brexit, und der ist erreicht.

UKIP ist eine der erfolgreichsten Parteien in der britischen Politik. Als wir anfingen, wurden wir verspottet: Eine irrelevante Randgruppe, durchgeknallte Typen. Aber wir haben diese Partei vom Rand ins Zentrum der britischen Politik geführt. Inzwischen haben wir sogar eine Premierministerin, die zwar beim Brexit-Referendum die Verliererseite unterstützt hat, jetzt aber die richtigen Dinge sagt.

Sagt? Oder auch tut?

Wissen Sie, mein Grundprinzip in all den Jahren war immer: Trau nie einem Tory. Ich beobachte mit Sorge, wie Zugeständnisse vorbereitet werden, wie man zurück rudert. Und deshalb muss UKIP stark bleiben, muss im Spiel bleiben. Wenn es 2018 keinen Deal mit der EU gibt, wird sich eine Flutwelle des Zorns auftürmen. Dieser Zorn wird eine Stimme brauchen – uns. Wir haben den Krieg gewonnen, aber noch nicht den Frieden.

Es gibt ja verschiedene Brexit-Varianten: Weich, hart, Totalkollision. Welche bevorzugen Sie?

Den demokratischen Brexit. Nämlich das, wofür sich die Wähler letztes Jahr entschieden haben: Dass wir die Kontrolle über unsere Gesetze und über unsere Grenzen wieder zurückerhalten. Es kann nicht klarer sein. Auch die Brexit-Gegner haben immer darauf hingewiesen: Ein Austritt aus der EU bedeutet einen Austritt aus dem Binnenmarkt.

Befürchten Sie, dass der Austrittsprozess noch gestoppt werden kann?

Wir sehen ja, was die Lords versuchen. Aber auch Brexiteers reden von irgendwelchen Übergangs-Arrangements. Ich habe keine Ahnung, wie sich das alles entwickeln wird. Aber gerade deshalb ist es so wichtig, dass UKIP weiter Druck ausübt.

Sie haben den Parteivorsitz niedergelegt. Welche politische Rolle wollen Sie künftig spielen?

Eine doppelte: Ich bin weiter Abgeordneter im Europäischen Parlament. Sobald Artikel 50 (der den Austrittsprozess einleitet, d.Red.) aktiviert worden ist, wird die ganze Aufmerksamkeit auf dem Europaparlament liegen. Da werde ich mich doch nicht zurückziehen. In Grossbritannien konzentriere ich mich auf eine Rolle als Kommentator. Ich habe eine Talkshow bei einem der grössten privaten Fernsehsender, und ich schreibe Kommentare. Es ist paradox. Aber seitdem ich nicht mehr Parteivorsitzender bin, habe ich mehr Zeit für Politik. Und ich kann sagen, was ich will.

Premierministerin Theresa May hat gesagt, sie wünsche der EU keinen Schaden. Teilen Sie diese frommen Wünsche?

Mir liegt Europa ungeheuer am Herzen. Ich will, dass Europa endlich die EU verlässt. Die EU hat Europa entführt und verlangt, dass wir zu falschen Göttern beten. Europa ist mehr als die EU, und das Projekt EU funktioniert nicht. Ich will, dass wir demokratischen Nationen so eng wie möglich zusammenarbeiten, aber nicht von Juncker und seiner Brüsseler Bande regiert werden. Wenn wir unabhängig sein wollen, dann wünschen wir doch auch unseren Freunden, frei zu sein.

Sie gehen bei Donald Trump ein und aus. Was kann Europa von ihm lernen?

Politische Geradlinigkeit und Ehrlichkeit. Auch bei meinem letzten Besuch habe ich wieder bei ihm und seinem Team die Entschlossenheit gesehen, die Versprechen, die er dem amerikanischen Volk gemacht hat, in die Tat umzusetzen. Dieser moralische Mut ist ungemein erfrischend anzusehen.

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