Kesb

«Eine sehr mächtige Institution»

Der Vermögensverwalter Andreas U. Hefele über die ­Schwierigkeit, das Vermögen von Personen zu schützen, ­nachdem die Kesb die Kontrolle übernommen hat.

Von Beat Gygi

«Ernsthafte Zweifel»: Finanzexperte Hefele. Bild: zVg

Das Erwachsenenschutzgesetz ist seit gut drei Jahren in Kraft. Was hat sich im Umgang mit schutzbedürftigen Erwachsenen und ihren Finanzen geändert?

Als die Kindes- und Erwachsenenschutzbehörde (Kesb) in Erscheinung trat, hat sie rasch massgeblichen Einfluss auf das Vermögen der sogenannt schutzbedürftigen Personen gewonnen, die sie betreut. Ähnlich stark sind aber auch die Reaktionen der betroffenen Familien, wenn diese die Situation etwas anders sehen als die Kesb.

Greift die Kesb zu stark in die Eigentumsrechte von Personen ein?

Ein Eingriff in die Eigentumsrechte ist es eigentlich nicht, denn die Kesb hat immer zum Ziel, die betreffende Person zu schützen. Das gilt auch für das Eigentum. Die Person soll auch vermögensmässig geschützt werden.

Waren die früheren Vormundschafts­regelungen in dieser Hinsicht besser?

Meine Erfahrung zeigt, dass früher die Vormundschaftsbehörde zumindest in ländlichen Gebieten sehr nahe bei den schutzbedürftigen Menschen war. Die Behördenvertreter kannten die Bedürfnisse der Betroffenen gut, sie konnten ihre Massnahmen den Verhältnissen anpassen. Heute dagegen werden viele Verwaltungshandlungen über einen Leisten geschlagen und für alle betreuten Personen einheitlich vollzogen.

Hat die Professionalisierung also Nachteile gebracht?

Es gibt ein professionelles Verhalten, das ich nicht in Frage stelle, aber daneben gibt es schematische Vorgehensweisen, die viel zu starr sind. Wenn die Kesb etwa bei einem Wertschriftenporte­feuille erstklassige Aktien etwa von Nestlé oder Roche einfach abstösst und stattdessen vermeintlich risikoarme oder mündelsichere Obligationen mit Minus-Ver­zinsung kauft, dann weckt das ernsthafte Zweifel, ob so etwas noch im Interesse der zu schützenden Person ist.

Sind Vermögensverwalter von handlungsunfähigen Kunden gefordert, das Vermögen auch nach der Kontrollübernahme durch die Kesb zu schützen?

Wenn die Vermögensverwalter oder Banken keinen Auftrag im Rahmen eines Vorsorgeauftrags haben, dann gibt es für sie keine Möglichkeit zur Einflussnahme, es sei denn, sie würden von der Kesb direkt miteinbezogen.

Fragt die Kesb Vermögensverwalter manchmal um ihre Mitarbeit?

Die Behörde kann grundsätzlich Fachleute beiziehen. Allerdings ist es in der Praxis oft eher zufällig, wer in diese Stellung gelangt. Ich selber habe seinerzeit einmal versucht, mich als sogenannte Fachperson bei der Kesb zu bewerben. Man sagte mir, solche Verfahren gebe es nicht. Auf meine Frage, wie man denn in eine solche Position gelange, hiess es, wenn man jemanden aus der Behörde kenne, der an ­einen denke, dann sei ein Engagement am ehesten möglich. Das hat mich erstaunt.

Haftet die Kesb für Vermögensverluste, die unter ihrem Regime entstehen?

Man kann selbstverständlich gegen die Kesb rechtliche Schritte unternehmen, und sollte die Behörde beweisbar fahrlässig gehandelt haben, wären Sanktionen möglich. Aber sie muss zuerst eingeklagt werden.

Wären verpasste Verkaufsgelegenheiten bei Häusern ausreichend, um die Behörde haftbar zu machen?

Wohl kaum. Bei solchen Transaktionen ist meistens Eile geboten, weil Erlöse generiert werden müssen. Da ist es schwierig, zu ermitteln, ob wirklich versucht wurde, die Liegenschaft dem Meistbietenden zu verkaufen. Die Kesb lässt sich ja in keiner Art und Weise in die Karten schauen. Mit der Kesb wurde eine sehr mächtige Institution geschaffen. Man muss alle Informationen auf rechtlichem Weg einfordern oder gar einklagen.


Andreas U. Hefele ist Vermögensverwalter und ­Fachexperte Vorsorgeauftrag.

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