Hochzeit

Rent-a-Pastor

Der Pfarrer Samuel Diekmann, 32, und die Erzieherin Brenda ­Matheis, 30, sind seit zehn Jahren verheiratet. Sie vermieten «echte» Pfarrer: an jene, die aus der Kirche ausgetreten sind.

Von Franziska K. Müller

«Gottes Segen»: Ehepaar Diekmann-Matheis. Bilder: ZVG

Sam: Dass viele Menschen, die aus der Kirche ausgetreten sind, für ihre Hochzeit trotzdem einen echten Pfarrer dabeihaben wollen, der den Segen erteilt, ist einfach eine Tatsache. Freie Redner gibt es wie Sand am Meer. Wir werben hingegen mit unserer Seriosität, ­unserer Ausbildung und der Erfahrung, die wir unseren Kunden bieten.

Brenda: Selbst haben wir kirchlich geheiratet. Es war wunderschön: eine kleine Kirche, ­Musik, Blumenkinder. Wir sind gläubig, ­erzählen unseren Kindern von Gott. Wir ­vermitteln ihnen christliche Werte und versuchen, selbst danach zu leben. Toleranz gegenüber andersdenkenden Menschen gehört meiner Meinung nach dazu.

Sam: Christ zu sein, bedeutet ja nicht, dass wir im Mittelalter leben. Das Schrägste, was ich je durchführte, war eine Hippie-Hochzeit, bei der ich eine Blumenkette umgehängt bekam. Ansonsten haben die vielen Hochzeits-Hollywoodfilme, die es heute gibt, Auswirkung ­darauf, wie Paare den grossen Tag gestalten wollen. Wenden sich Frauen und Männer an Rent-a-Pastor, so sagen sie zuerst oft, ihre Hochzeit solle modern und unkonventionell sein. Meist stellt sich dann schnell heraus, dass doch alles ziemlich klassisch ablaufen wird: Die Braut wird vom Vater hereingeführt, es folgen die Trauansprache und der Kuss. Meine wichtigste Aufgabe ist natürlich die Rede – frommdeutsch auch «Predigt» genannt. Ich segne nicht im Namen einer Kirche, sondern im Namen Gottes.

Brenda: Wir glauben, dass Gottes Segen auf ­jedem Paar ruht, das sich dazu entschieden hat, ein Leben lang zusammenzubleiben: ­unabhängig von Kirchenmitgliedschaft oder -nichtmitgliedschaft. Als Frau eines Pfarrers trägt man die Berufung mit, in der Gemeinde spielt der Begriff «Pfarrersfrau» eine wichtige Rolle. Mein Mann und ich arbeiten nicht ­direkt zusammen. Aber ich halte ihm den ­Rücken frei, spare auch nicht mit Kritik und finde ansonsten gut, was er tut.

Sam: Grundsätzlich sind wir als Christen unterwegs, die auch ein wenig Werbung für den eigenen Laden machen. Einen freischaffenden Rabbiner oder Imam haben wir nicht an Bord. Allerdings hatte ich auch schon Anfragen von Muslimen, die wissen wollten, ob ich sie trauen oder auch beerdigen würde: was ich dann auch gemacht habe.

Brenda: Die Buchung einzelner Redner hat auch immer mit der Region, in der die Pfarrer leben, zu tun. Wir vermitteln auch nach Österreich oder in die Schweiz. Natürlich gibt es auch sehr beliebte Redner, die über Mundpropaganda gebucht werden. So wie ­Samuel. Oft fragen nach einer Hochzeit aber auch verliebte – noch unverheiratete – Paare nach einer Visitenkarte meines Mannes.

Sam: Ohne Brenda könnte ich meinen Job nicht machen. Als ich sie in der Jugendarbeit unserer Kirche zum ersten Mal traf, hat sie mich schlicht umgehauen. Es war Liebe auf den ersten Blick, und ich bin immer noch total verknallt in sie. Nach einigen Treffen küssten wir uns – unter dem Beifall der übrigen Gäste – zum ersten Mal stürmisch. Das war der Beginn unserer Liebesgeschichte, die hoffentlich ewig dauern wird. Bis wir alt und satt des ­Lebens sind, möchte ich mit ihr zusammenbleiben und dann auch sagen können, dass wir vieles beim nächsten Mal genau gleich machen würden.

Pfarrer mieten: www.rent-a-pastor.com

Protokoll: Franziska K. Müller

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