Vor diesen Professoren wird gewarnt

Die Schweizer Universitäten und Hochschulen sehen sich als Horte des freien Denkens und der reinen Wissenschaft. Ideologen sind immer die anderen. Doch unter dem Deckmantel der Wissenschaftlichkeit verbreiten Professoren zeitgeistige Irrlehren.

Von Philipp Gut

Illustration: TNT-Graphics AG

Manchmal ist der Volksmund der Wissenschaft überlegen. In diesem Fall ist es das Volks- oder Kinderlied mit dem vielfach variierbaren Satz: «Die Wissenschaft hat festgestellt . . .». Das Lied beginnt so: «Die Wissenschaft hat fest­gestellt, festgestellt, festgestellt, / Dass Marmelade Obst enthält, Obst enthält. / Drum essen wir auf jeder Reise, jeder Reise, jeder Reise / Marmelade eimerweise, eimerweise.»

Was die Wissenschaft feststellt, beansprucht Gültigkeit. So lange jedenfalls, bis sie etwas Neues feststellt. Zum Beispiel dies: «Die Wissenschaft hat festgestellt, festgestellt, festgestellt, / Dass Marmelade Fett enthält, Fett enthält.»

Der Volksmund weiss: Die Erkenntnisse der Wissenschaft ändern sich. Was vom Katheder als Wahrheit verkündet wird und mit dem Anspruch unverrückbarer Objektivität auftritt, ist so wandelbar wie die Jahres- zeiten oder die Länge der Röcke. Auch die Wissenschaft ist Moden unterworfen. Der Zeitgeist drückt sich in ihr deutlich aus — vielleicht gerade deshalb, weil sie sich für entrückt und überlegen hält.

Für den Historiker Leopold von Ranke sollte beispielsweise die Geschichtswissenschaft zeigen, «wie es eigentlich gewesen» ist. Natürlich gibt es auch unter den Wissenschaftlern Skeptiker, die ihr ­eigenes Tun bescheidener einschätzen. Aber der Anspruch, ein überlegenes Wissen zu produzieren, das sich von Glaubens- und Irrlehren unterscheidet, gehört zur Wissenschaft wie das Amen in der Kirche.

Kaum ein Wissenschaftler würde zugeben, dass seine Arbeiten parteiisch oder politisch gefärbt sind. Doch vor allem in den Sozial- und Geisteswissenschaften — aber nicht nur dort — fliessen persönliche Überzeugungen und weltanschauliche Grundannahmen der Forscher ein. Hinzu kommt der kräftige Wind des Zeitgeists, der oft ganze Forschungszweige in eine bestimmte Richtung neigen lässt.

Plötzlich forschen alle über den Klimawandel. Selbst an der ursprünglich liberalen Kaderschmiede der Universität St. Gallen wird ein Lehrstuhl für erneuerbare Energien eingerichtet. Professoren der ETH Zürich werden zu Einflüsterern des Weltklimarats, der unkritisch ganze und — wie sich mittlerweile herausstellte — falsche Alarmszenarien der Öko-Lobby übernahm.

Oder die gesamte historische und soziale Welt wird unter dem Aspekt der Geschlechterdifferenz («Gender Studies») betrachtet. Solche Trends entwickeln oft eine solche Dynamik, dass von einer geistigen Epidemie ge- sprochen werden muss. Verbunden damit sind handfeste Interessen. Wer den gerade angesagten Tendenzen frönt, hat bessere Aufstiegschancen und wird mit Subventionen aus den Fördertöpfen belohnt.

Vielleicht ist es kein Zufall: Wo alle in eine Richtung rennen, werden Querdenker und Abweichler abgestraft. Intoleranz greift um sich, wo man sich nicht nur geistig, sondern auch moralisch im Vorteil wähnt. Die Klimadebatte ist ein Beispiel dafür: Wer die These von der menschgemachten Erderwärmung nicht teilt, wird als «Klimaleugner» beschimpft.

Auch politische Vorlieben prägen die Wissenschaft. Dutzende von Forschungsprojekten —auch von dem mit Bundesgeldern finanzierten Nationalfonds — beschäftigen sich mit der angeblichen Gefahr des «Rechtspopulismus» (sprich: mit der SVP). Die Einseitigkeit zeigt sich schon in der Begrifflichkeit: Der «Linkspopulismus» ist selten bis nie Thema der Forschung.

Einen weiteren populären Glaubenssatz könnte man «Internationalismus» nennen. Es gibt jedenfalls wesentlich mehr Schweizer Professoren (vor allem Staatsrechtler und Politologen) die vom Vorrang und der Überlegenheit des Völkerrechts über die souveräne Rechtsordnung der Schweiz ausgehen als umgekehrt. Wissenschaftlich lässt sich das nicht beweisen. Ausschlag- gebend sind persönliche Meinungen und Überzeugungen.

Auch und gerade gegenüber Professoren, die mit dem Anspruch auftreten, das Wahre und Gute zu vertreten, empfiehlt sich eine gutgelaunte, nüchterne Skepsis. Die Weltwoche präsentiert darum zum Semesterbeginn eine unvollständige Liste der Professoren, vor denen zu warnen ist.

Sandro Cattacin – Soziologieprofessor, Universität Genf

Der Sozialwissenschaflter SandroCattacin ist als Kind italienischer Eltern in der Schweiz aufgewachsen. In seiner Kindheit, so erklärte er in einem Interview, sei er mit Fremdenfeindlichkeit konfrontiert worden. Das habe dazu beigetragen, dass er seine Fähigkeiten unter Beweis stellen wolle. Ebenso hartnäckig will Cattacin als Direktor des Soziologischen Instituts in Genf beweisen, dass die Mehrheit der Schweizer Bevölkerung aus Fremdenhassern und Menschenfeinden besteht. Sein ehrgeizigstes Projekt in dieser Hinsicht war die Nationalfondsstudie NFP 40+ zu «rechtsextremen Einstellungen, Fremdenfeindlichkeit und Menschenhass in der Schweiz», das die Steuerzahler eine halbe Million Franken kostete. Cattacin und sein Team befragten über 3000 Leute, die Aussagen wie «Wenn es mehr Ausländerinnen und Ausländer bei uns gäbe, hätten wir Probleme» bewerten mussten. Wer hier beipflichtete, erhielt den Stempel «xenophob ». Das Prädikat «Menschenfeind» gab’s dagegen schon für die Aussage «Frauen sollen sich wieder mehr auf die Rolle der Ehefrau und Mutter besinnen». Kein Wunder, stellte Cattacin besorgt fest, dass zwischen 55 und 60 Prozent der Bevölkerung eine xenophobe Haltung haben. «Grundsätzlich ist der Schweizer anfällig für Fremdenangst, und die Politik schlachtet dies aus», sagte er in einem Interview mit der Aargauer Zeitung.

Doch wie soll die grassierende Fremdenfeindlichkeit bekämpft werden? Professor Cattacin plädiert für die Einführung politischer Rechte für Migranten. Und natürlich müsse der «gefährlichen Stimmenmaschine» der SVP Paroli geboten werden. 

Andreas Fischlin – Professor für Systemökologie, ETH Zürich

Eigentlich soll der Klimarat IPCC nur die Forschung sichten, nicht Politik machen. Aber ETH-Professor Andreas Fischlin bietet sich stets und überall an, wo jemand die Klimakatastrophe beschwören und mit politischen Interventionen verhindern will. «In unserer Nationalhymne besingen wir die Schönheit der Gletscher», sagte er mit der in seiner Wissenschaft üblichen Präzision vor einem Jahr dem Sonntagsblick. «Doch die schmelzen uns weg, wenn wir nichts tun. Uns und dem Erhalt der Schweiz zuliebe sollten wir Klimaschutz betreiben.»

Fischlin ist mit dem IPCC Friedensnobelpreisträger; das betont er in jedem Interview, das beweist er mit der Urkunde in seinem Lebenslauf, und er verwedelt damit, dass er als Spezialist für Arvenwälder — der vom Waldsterben direkt zum Klimawandel wechselte — an der ETH nur Titularprofessor ist.

Als «hauptverantwortlicher IPCC-Autor» war er auch an der Zusammenfassung des Reports von 2007 für die Politiker beteiligt, welche die Behauptung enthielt, aufgrund des Abschmelzens der Himalaja-Gletscher bis 2035 würde bis zu einer Viertelmilliarde Menschen sterben. Später stellte sich heraus, dass die absurde Prognose vom WWF stammte – für den auch Fischlin arbeitet.

Der Verantwortungsträger sagte dem Tages- Anzeiger, ihm habe die Zeit gefehlt, diesen Teil zu lesen: «Ich glaube, mir wäre dieser Fehler aufgefallen.» Jetzt zeigen Studien, dass die Gletscher wachsen. Das merkten schon Reviewer des Reports von 2007 an – doch ihre politisch unkorrekte Kritik nahm Fischlin nicht zur Kenntnis.

Manfred Gärtner – Professor für Volkswirtschaftslehre, Universität St. Gallen

HSG-Professor Manfred Gärtner gehört zu den glühendsten Anhängern des Keynesianismus an Schweizer Universitäten. Zur Erinnerung: Die von John Maynard Keynes etablierte ökonomische Denkrichtung meint, der Staat könne durch die Ausdehnung der Staatsausgaben ein Wachstum des Bruttoinlandsproduktes auslösen. Dank des «keynesianischen Multiplikators» sollen sie sich gar doppelt und dreifach auszahlen. Dieses weitverbreitete Gedankengut wäre auszuhalten, wenn es innerhalb der HSG ein Gegengewicht zu Gärtner gäbe. Das ist nicht der Fall.

Die Warnstufe muss erhöht werden, wenn Manfred Gärtner politische Ratschläge erteilt. Voriges Jahr will er bewiesen haben, dass das Bankgeheimnis in der Schweiz «sozial ungerecht » sei. Die Kommunikationsabteilung der HSG war sich nicht zu schade dazu, diesen Befund lauthals in die Medienwelt hinauszuposaunen. Wenig später fand Gärtner heraus, dass die Rating-Agenturen für die Euro-Krise verantwortlich seien. Als Euro-Fan der ersten Stunde und überzeugter Keynesianer sucht Gärtner die Fehler nicht bei den überschuldeten Ländern oder in den Konstruktionsfehlern des Euro, sondern bei den Überbringern der schlechten Botschaften.

Bildet die HSG also seit Gärtners Stellenantritt 1986 nur noch Unternehmer und Ökonomen aus, die von höheren Staatsschulden träumen und die Finanzmärkte als Problem betrachten? So schlimm steht es nicht: Unter Absolventen mit Finance-Hintergrund kursierten nach Gärtners Veröffentlichungen E-Mails mit dem Betreff: «Wer stoppt Manfred Gärtner?» 

Alain Griffel – Professor für Staatsrecht, Universität Zürich

Der Zürcher Staatsrechtler Alain Griffel, 49, hat sein Schreibgerät stets griffbereit, um seinen Kollegen, die weniger grün und rot eingefärbt sind, Unwissenschaftlichkeit und fehlende Sorgfalt vorzuwerfen. Er selbst verkündet von der hohen Kanzel, die ihm die Universität Zürich (samt Honorar) zur Verfügung stellt, sinngemäss zwei unhaltbare Botschaften: «Ich interpretiere die Verfassung selektiv; und demokratische Entscheide, die nicht in mein professorales Weltbild passen, die ignoriere ich.»

So erklärte Griffel nach der Annahme des Minarett-Verbots öffentlich, diesen neuen, von Volk und Ständen beschlossenen Passus der Verfassung werde er gar nicht in seine Rechtssammlung aufnehmen. Um sich solche Niederlagen – für die Distanzierung erhielt er noch das Plazet der Zürcher Regierung – künftig zu ersparen, propagiert der Ideologe mittels Gültigkeitsprüfung das Verbot von Volksinitiativen, die nicht mit seinen Vorstellungen des Rechts übereinstimmen.

Volksbegehren lässt Griffel, der sich in seinem Haus mit Umschwung im ländlichen Dürnten überdurchschnittlich wohlig eingerichtet hat, nach eigenem Bekunden dann gelten, wenn ökologische Anliegen durchgeboxt werden sollen. Derzeit kämpft er mit dem Verweis auf die 1994 erfolgreiche Alpen-Initiative gegen eine zweite Gotthardröhre. Dass seither der völkerrechtswidrige Satz «Der alpenquerende Gütertransitverkehr von Grenze zu Grenze erfolgt auf der Schiene» geltendes Recht wäre, verschweigt der unwissenschaftlich einseitig politisierende und medial aktive Professor.

Kurf Imhof – Professor für Publizistikwissenschaft und Soziologie, Universität Zürich

Kurt Imhof ist der Joschka Fischer der Schweizer Professorenszene: Der gelernte Bauzeichner ist ein Alt-68er, der den Proleten mimt und mit Holzfällerhemd und Lederjacke durch die Gänge der Uni Zürich schlurft. Dort leitet der Soziologieprofessor den «Forschungsbereich Öffentlichkeit und Gesellschaft». Als Herausgeber des «Jahrbuchs der Qualität der Medien» ist er selbsternannter Hüter der journalistischen Qualität in der Schweiz. Dabei kämpft er gegen die Geisseln des «Medienpopulismus», der Gratiszeitungen und der «Personalisierung».

Letztgenanntes Übel kennt Imhof aus eigener Erfahrung, denn er lässt keine Gelegenheit aus, seinen Kopf vor Kameras und Mikrofone zu halten – egal, ob es gerade um den Wahlkampf der FDP oder die sexuelle Anziehungskraft faschistischer Männlichkeitsrituale geht.

Der Universalgelehrte ist unter seinen Kollegen umstritten. Manche halten ihn für einen wissenschaftlich verbrämten Schwätzer; er selbst hält Kritiker für Neider. In diesem Semester will der Professor in einem Seminar - untersuchen, wie «Medienpopulismus» und «(Rechts-)Populismus» zusammenhängen. Eine These hat er bereits: «Wo die Medienqualität gesunken ist, sind rechtspopulistische Parteien erstarkt», dozierte er letztes Jahr im Sonntag – sprich, je blöder die Zeitungen, desto stärker die SVP. Vielleicht könnte das brisante Thema mit folgenden Thesen noch vertieft werden: 1. Die Anzahl Boxen für Gratiszeitungen korreliert negativ mit dem Bekanntheitsgrad von Kurt Imhof. 2. Je grösser die Medienqualität, desto geringer ist die Verbreitung des Namens «Christoph». 3. Im Fall des Namens «Kurt» verhält es sich umgekehrt.

Andrea Maihofer – Professorin für Geschlechterforschung, Universität Basel

Die stolze Universität Basel, die seit dem Ausgang des Mittelalters immer wieder die besten Köpfe angezogen und hervorgebracht hat – von Erasmus von Rotterdam über den Mathematikerclan der Bernoullis bis zum Historiker Jacob Burckhardt –, ist der erste und bislang «einzige Ort» der Schweiz, an dem man Geschlechterforschung «als eigenständiges Fach» studieren kann. Federführend ist das Zentrum Gender Studies, das Andrea Maihofer aufgebaut hat.

Die Geschlechterforscherin ist persönlich erfrischend offen und diskussionsfreudig. Aber sie repräsentiert ein zeitgeistiges Modephänomen, das sich wie eine Epidemie ausbreitet. Doch nicht nur das: Wer den Trend mitmacht und Forschung – wozu auch immer – unter dem Gender-Aspekt betreibt, erwirbt sich einen Zugangscode zu Karrieren, Fleischtöpfen, Fördergeldern. International, schreibt das Basler Zentrum, seien die Gender Studies «längst zum Exzellenzkriterium der Universitäten geworden». Wer mitsurft, wird ausgezeichnet. Wer sich widersetzt, wird abgestraft.

Daher wuchern die Geschlechterstudien landesweit an jeder Universität. Allein für das laufende Semester listet die Plattform www.gendercampus.ch 123 Gender-Vorlesungen auf. Die Uni Basel etwa bietet eine Ringvorlesung zu «Selbstaffirmierung und Othering in der europäischen Musikgeschichte» an. Eine Dissertantin von Andrea Maihofer promovierte mit der Arbeit «Gendering Terror» über den angeblich repressiven Umgang mit Linksterroristinnen in der Schweiz und das «brüchige Wir des männlichen Staatsbürgers». Noch Fragen?

Philipp Sarasin – Professor für Neuere Allgemeine Geschichte, Universität Zürich

Er gehörtzu jenen smarten Geisteswissenschaftlern neueren Typs, bei denen Eloquenz und theoretische Versiertheit immer wieder haarscharf die Grenze des Unsinns und der Fiktion streifen. Der Zürcher Historiker Philipp Sarasin, aus altem und reichem Basler Geschlecht stammend, löst historische Ereignisse mit Vorliebe in sogenannte Diskursanalysen und Metareflexionen auf. Im besten Fall ist das gescheit und anregend, im schlechtesten führt es auf hochspekulative Abwege.

So geschehen in Sarasins Buch «Anthrax», das von Teilen des Feuilletons zwar bejubelt wurde, von standfesteren Historikerkollegen aber als intellektuelle Scharlatanerie empfunden wird. Auf der Grundlage von zum Teil dubiosen Internetquellen will das Buch einem weismachen, einige in Briefen gefundene Anthrax- Sporen hätten durch eine abenteuerlich anmutende intellektuelle Übertragung zum Einmarsch der USA in den Irak geführt. In den Köpfen von George W. Bush und seiner falkenhaften Kollegen, so Sarasins These, habe sich eine angeblich uralte Infektionsangst zu einer eingebildeten Bedrohung durch Biowaffen gewandelt – was schliesslich den Marschbefehl gegen Saddam Hussein ausgelöst habe.

Diese exzentrische, an Verschwörungstheorien erinnernde Sicht auf die machtpolitischen Vorgänge ist typisch für die Geschichtsschreibung, wie sie Sarasin betreibt. Es sind kulturwissenschaftliche Gedankenspiele, die manchmal mehr, manchmal weniger mit den Fakten zu tun haben. Ob diese hochoriginellen Zugänge zur Geschichte geeignet sind, Studenten solid ins historische Handwerk einzuführen, bleibt zweifelhaft.

Pierre Tschannen – Professor für Staats- und Verwaltungsrecht, Universität Bern

Bis 1995widmete sich der Berner Staatsrechtler Pierre Tschannen, 60, als Bundesbeamter der Herstellung einer neuen Bundesverfassung. Der Blick von oben leitet seine Lehre und sein Schrifttum. Der Professor ist ein führender Vertreter jener Juristen-Gilde, die den «prinzipiellen Vorrang des Völkerrechts als Ausdruck des Rechtsstaatsprinzips» predigt. Er will das durch pure Machtinteressen entstandene und höchst willkürlich befolgte Geflecht von internationalen Abmachungen gar als verbindliche «Verfassung der Staatengemeinschaft » verstanden haben.

Folgerichtig erscheinen in seinem «Staatsrecht der Eidgenossenschaft» Volksinitiativen, die sich nicht an den von aussen diktierten Normen orientieren, als «Problem». Als neue «bürgerliche Vernunft» lobt er die blinde Akzeptanz und Übernahme des internationalen Rechts: «Die Souveränität des Volkes» sei eben «nicht mehr die gleiche wie vor zwanzig und dreissig Jahren».

In dieser alt- und neubernisch-autoritären Manier schützt Tschannen die hohen Staatsinstanzen, die er als «Kern unseres Gemeinwesens » verherrlicht, gegen jede Kritik von unten. Der Respekt vor den Institutionen («legitimierte Herrschaft») werde sonst mutwillig zerstört. Die Durchsetzung der Volksrechte sieht er als «beginnende Zersetzung des bürgerlichen Denkens».

Denn vernünftig findet Tschannen zum Beispiel, dass der rot-grüne Berner Regierungsrat einen eindeutigen Grossratsbeschluss missachtete und öffentlich gegen das Kernkraftwerk Mühleberg ins Feld zog: «unproblematisch ».

Rolf Wüstenhagen – Professor für Management erneuerbarer Energien, Universität St. Gallen

Als Bundesrätin Leuthard Ende 2011 einen Beirat für ihre Energiestrategie 2050 einsetzte, durfte HSG-Professor Rolf Wüstenhagen nicht fehlen. Als Schweizer Vertreter im Intergovernmental Panel on Climate Change (IPCC) der Uno war Wüstenhagen ein Verbündeter aller klimaalarmistischen Politiker. Er ist zudem ein lobbyistischer Kämpfer für Ökosubventionen, insbesondere Einspeisevergütungen bei Solaranlagen. Verständlich, denn sein Lehrstuhl wird teilweise von der Good Energies AG finanziert, einer Kapitalbeteiligungsgesellschaft niederländischer Milliardäre, bei der mit jeder neuen Solaranlage die Kasse klingelt.

Am «Swiss Eco Leaders Day» am 25. Juni präsentierte Wüstenhagen die Resultate seiner Befragung «unter 268 Entscheidungsträgern in Wirtschaft und Politik». Die genaue Zusammensetzung dieser Gruppe blieb unklar, doch strich Wüstenhagen als «Highlight» heraus, dass 79 Prozent den Beschluss befürworten, aus der Atomenergie auszusteigen. Eine Zahl, gewonnen unter Wüstenhagens «Peergroup».

Bevor er im Jahr 2009 ans Institut für Wirtschaft und Ökologie der HSG kam, war dies die Domäne seines braven und wissenschaftlich abwägenden Kollegen Thomas Dyllick. Der Neuzugang hat das Institut in atemberaubendem Tempo in eine Lobbytruppe zur Maximierung der Ökosubventionen umgewandelt. Dass staatliche Eingriffe selten effizient sind und dass jede Subvention zuvor mittels Steuern der Wirtschaft entzogen wird, hat Wüstenhagen als Ökonom zwar gelernt, verdrängt es in seinem Berufsalltag aber nachhaltig – um im Jargon der «Swiss Eco Leaders» und ihres Herolds Rolf Wüstenhagen zu bleiben.

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