Auto

Der Rest ist Motor

Offen fahren mit Kraft und Stil: der Mercedes SLS AMG Roadster. Erster Teil einer kleinen Luxus-Cabrio-Serie.

Von David Schnapp

Das Auto mit den Flügeltüren ist seit 2009 der Star des Hauses Mercedes. Der SLS AMG hat für die Marke eine enorme Bedeutung, Designelemente daraus tauchen in vielen anderen Baureihen auf. In diesem Sommer nun gibt es den Flügeltürer ohne Flügeltüren – dafür mit einem straff sitzenden Stoffverdeck. Ganz ehrlich: Ich finde, der offene SLS ist der bessere SLS. Die nach oben aufschwingenden Türen sehen zwar auf Fotos toll aus. Aber wer je auf einem öffentlichen Parkplatz versucht hat, eini­germassen mit Haltung und ohne dabei den Kopf anzuschlagen, aus einem SLS Coupé zu steigen, weiss, dass Flügeltüren zwar eine schöne, aber nicht die beste Lösung sind.

Das Cabrio hat noch einen Vorteil: Man hört bei offenem Verdeck den Motor besser. Das ist fast das Wichtigste am SLS, ­neben dem heraus­ragenden Design und den wunderbaren Fahreigenschaften natürlich. Das Design: Die Proportionen des SLS sind klassisch, kurzes Heck, muskulöse Flanken wie bei einem Rennpferd, und der Rest ist Motor. Als Fahrer blickt man von tief unten über eine ewig lange Haube, darunter bollert der grossvolumige Saugmotor; es ist ein schöner Anblick. Die Fahreigenschaften: Kritiker sagen, der SLS sei für einen Super­sportwagen zu schwer und habe einen zu langen Radstand. Der SLS ist eher ein Gentleman-Renner, ein Auto, das Eleganz und Kraft auf höchstem ­Niveau vereint. Auch wenn es Autos gibt, die leichter um Kurven und Serpentinen zu jagen sind, habe ich mit dem geschlossenen SLS mal in einem Tag zehn Schweizer Pässe gemacht. Es war ­eine Fahrt, die mir bis heute ein Lächeln entlockt, wenn ich daran denke.

Mit dem SLS Roadster habe ich hingegen gepflegte Ausfahrten durch blühende Schweizer Frühlingslandschaften gemacht. Dem Zürichsee entlang, über Feusisberg Richtung Ägerisee zum Beispiel und weiter nach Morschach und dann den Vierwaldstättersee entlang. Es war Sonntag, und die Schweiz war unterwegs. Zu Fuss, zu Fuss mit Stöcken, auf Rollen, auf Rollen mit Stöcken, auf Velos, Töffs . . . Der SLS schien mir da die beste Möglichkeit, durch den Frühling zu röhren.

Kraft macht Töne

Damit kommen wir zur Musik, die das Meister­stück von AMG macht: Anders als ein Maserati-Cabrio, das ganze Auspuff-Arien hervorbingt (Welt­woche Nr. 18/12), hat der SLS eine kernige, männliche Art, Kraft in Töne umzusetzen. Wie eine Gewitterwolke hängt das Donnern des Auspuffs über dem Wagen, gezielte Benzin­injektionen sorgen beim Runterschalten für kleine Zwischenknaller, dass es eine Freude ist.

Solange ich den SLS Roadster fahren konnte, war mir kein Vorwand zu billig, um damit loszudonnern, morgens um sieben bei strömendem Regen schnell zum Bäcker, später Mittag essen auf einer Autobahnraststätte – da muss man ja auch erst mal hinkommen. Das sagt fast alles über dieses Auto, aus dem man nie mehr aussteigen möchte, wenn Mensch und Maschine einmal warmgelaufen sind.

 

Mercedes SLS AMG Roadster


Leistung: 571 PS, Hubraum: 6208 ccm
Höchstgeschwindigkeit: 317 km/h
Preis: Fr. 257 000.–

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