Dass Porsche etwas anderes baut als den 911er, ist für manche Freunde der Stuttgarter Automarke nur schwer zu ertragen. Als vor zehn Jahren das Luxus-SUV Cayenne auf den Markt kam, sahen die Apokalyptiker den Untergang der Marke nahen. Mittlerweile ist der Cayenne das meistverkaufte Modell des Hauses, und in China, dem grössten Automarkt der Welt, hält man Porsche für einen deutschen Geländewagenhersteller.
Als wäre das nicht genug, kann man den Cayenne mittlerweile mit Dieselmotor bestellen. Da nützten alle Verwünschungen der Traditionalisten nichts, der Diesel ist der Bestseller der Baureihe; die reale Welt hat die Grundsatzfrage beantwortet, auch wenn man zuerst einmal leer schluckt, bevor man den Zündschlüssel dreht. Mit akustischen Massnahmen hat man den Selbstzünder so weit getarnt, dass er kaum noch als Dieselmotor zu erkennen ist. Am Anfang brummelt er zwar noch, aber sobald die Betriebstemperatur erreicht ist, schnurrt der Sechszylinder, den Audi liefert, zufrieden vor sich hin.
245 PS beträgt die Leistung, was für einen Porsche nicht viel scheint. Mit 550 Newtonmetern steht aber schon bei 1750 bis 2750 Umdrehungen ein ordentliches Drehmoment an, so dass zumindest beim Anfahren Sportwagengefühle erwachen. Munter beschleunigt der Cayenne bis 220 km/h, das sind nur 10 Stundenkilometer weniger als beim Basismodell mit Sechs-Zylinder-Benzinmotor.
Schnee und Autobahn
Ich kann mit gutem Gewissen behaupten, dass ich dieses Auto ausgiebig getestet habe. Zunächst fuhr ich ein paarmal durch die Stadt, wo einem die Abschaltautomatik gut gefällt. Dann ging es bei guten Strassenverhältnissen über den Julier, wo man anerkennend zur Kenntnis nimmt, dass sich dank ausgezeichnetem Fahrwerk mit Luftfederung, Niveauregulierung und Porsche Active Suspension Management (Option, Fr. 5760.—) das 2,1 Tonnen schwere SUV erstaunlich handlich fährt. Auf dem Rückweg war der Pass schneebedeckt. Souverän führte das intelligente Allradsystem den Cayenne über die rutschige Fahrbahn, während andere Verkehrsteilnehmer mit der Montage von Ketten beschäftigt waren oder bereits Blut schwitzten, weil sich die vorne angetriebenen Räder tief in die weisse Pracht gegraben hatten.
Am Tag darauf fuhr ich einige hundert Kilometer deutsche Autobahn. Als Langstreckenfahrzeug ist der Cayenne Diesel eine gute Wahl, der Komfort ist überragend, die Achtgangautomatik schaltet seidig, die Verarbeitung ist auf höchstem Niveau, und wenn man das Reserverad weglässt, wird der Kofferraum äusserst geräumig. Das Schönste aber ist die Reichweitenanzeige: 1075 Kilometer zeigte sie bei vollem Tank an (100 Liter). Der Verbrauchswert war mit 8,5 Litern tadellos. Bei zügiger Autobahnfahrt ist dann mit 11 bis 12 Litern zu rechnen. Diesel ist vielleicht nicht die sexyste Art, Porsche zu fahren. Aber eine vernünftige, die erst noch Stil hat.













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