Jaguar E-Type 5.3 V12 Serie III

Alt und neu

Unser Tester fährt den Jaguar E-Type, eine Ikone des Automobilbaus, und macht eine Zeitreise.

Von David Schnapp

Jaguar E-Type 5.3 V12 Serie III

Über alte Autos, also Oldtimer oder Veteranen, schreibe ich in der Regel nicht. Erstens glaube ich dafür zu jung zu sein, und zweitens interessieren mich Gegenwart und Zukunft mehr als die Vergangenheit. Zwischendurch ist es aber ganz gut, zu wissen, ­woher etwas kommt. Deshalb folgte ich gerne der Einladung von Jaguar Schweiz, auf einer ausgedehnten Ausfahrt um sieben Schweizer Seen und über sieben Pässe fünfzig Jahre Auto­mobilgeschichte zu bewegen.

So sass ich am Steuer eines E-Type von 1963 (3,8 Liter, Serie I), einer Ikone des Automobilbaus, für manche das schönste Auto, das je ­gebaut wurde (grosses Bild hinten links). Bei ­jedem Fussgängerstreifen hoffte ich, nicht an­halten zu müssen, da der erste Gang nur schwer einzulegen war. Auch die Dunlop-Scheibenbremsen hatten noch nicht viel mit heutigen Ver­zögerungssystemen zu tun. Um rechtzeitig anhalten zu können, musste man sehr vorausschauend fahren. Die Anstrengung, ein Veteranenfahrzeug zu steuern, wird entschädigt durch aufmunternde Gesten am Strassenrand, Zurufe wie «Was für ein schönes ­Auto!» und ­Leute, die ihre Kameras hervorreissen, um die Eleganz auf vier Rädern zu fotografieren.

Blubbern des Zwölfzylinders

Dann wechselte ich das Fahrzeug und stieg um auf einen offenen E-Type von 1972 aus der ­Serie III (Bild links). Dieses Auto ist zwar immer noch ein Jahr älter als ich selbst, ist aber schon mit dem wunderbaren Zwölfzylindermotor ausgestattet, der aus 5,3 Liter Hubraum bis zu 314 PS mobilisiert. Die Scheibenbremsen beis­sen deutlich kräftiger zu, das Vierganggetriebe ist voll synchronisiert, und die Lenkung hat Servounterstützung. Damit macht man auf ­jedem Pass und selbst auf der Überholspur der Autobahn eine ausgezeichnete Figur.

Der Wagen entstammte dem Fundus der Emil Frey AG im aargauischen Safenwil, der Firma, die den E-Type vor fünfzig Jahren in die Schweiz brachte und ihr damit zu einiger Eleganz verhalf. Ich fand es sehr grosszügig von der Firmenleitung, dass sie ein solches Fahrzeug in die Hände von Journalisten gibt. Der Zweisitzer blieb aber schadenfrei und die Fahrt in dem offenen Schmuckstück ein ­Erlebnis. Das vornehme Blubbern des Zwölfzylinders, die seidenweiche Beschleunigung sind einmalig und die Schönheit der Form ­sowieso. Von Enzo Ferrari stammt das Zitat: «Der Jaguar E-Type ist das schönste Auto, das je gebaut wurde.»

Auf Alt folgte Neu, ich stieg um auf den ­modernen Nachfolger des E-Type, einen ­Jaguar XK, der in der Schweiz als exklusive ­Sonderserie E50 angeboten wird (im Bild vorne rechts). Darin arbeitet ein Achtzylindermotor, und der Kunde erhält zu einem vorteilhaften Preis eine ganze Liste von Sonderausstattungen. Wenn man erfährt, was in fünfzig Jahren Automobilbau an Fortschritt erreicht wurde, wechseln sich Freude und Demut ab. Es wurde zwar viel gewonnen und erfunden, aber letztlich in kleinen Schritten und über ­eine lange Zeit. ­Daraus könnte man etwas lernen.

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