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Kurz nach seinem Rückflug von den Olympischen Spielen in Kanada wurde der Schweizer TV-Moderator und Meteo-Unternehmer Jörg Kachelmann am 20. März 2010 in Frankfurt festgenommen. Eine seiner Geliebten hatte ihn wegen Vergewaltigung angezeigt, und der beliebte Fernsehmann musste 132 Tage in Untersuchungshaft verbringen, weil man ihm Fluchtgefahr und dringenden Tatverdacht unter stellte. Der Fall erregte von Beginn weg höchstes Medieninteresse. Es wurde durch die seltsamen, auch in der Weltwoche von Carmen Gasser Schirm und Alex Baur scharf kritisierten Ermittlungsmethoden der Mannheimer Staatsanwaltschaft noch verschärft. Obschon Kachelmann die Tat immer bestritt, liess das Gericht mehrere Ex-Freundinnen öffentlich Intimitäten über ihre Beziehung zum Angeklagten ausbreiten, was einer eigentlichen Rufmordkampagne gleichkam. Vom 6. September 2010 bis zum 31. Mai 2011 dauerte der Prozess, der nach 43 Verhandlungstagen, 30 Zeugen und 10 Sachverständigen mit einem Freispruch für Kachelmann endete, wobei sich das Gericht nach Kräften bemühte, den Schweizer in ein schiefes Licht zu stellen.

Letzte Woche besuchte Weltwoche-Chef Roger Köppel den Freigesprochenen in einem abgelegenen Dorf in Frankreich zu einem ausgedehnten Interview. Kachelmann wirkte ausgeruht, locker und entschlossen. Ausführlich redete er über seine Verhaftung und seine Zeit im Gefängnis, vor allem aber schilderte er die Praktiken der Mannheimer Staatsanwaltschaft, die mit allen Mitteln versucht habe, aus ihm einen Verbrecher zu machen. Kachelmann kündigte an, die Anklägerin nach Möglichkeit vor Gericht zu bringen, ebenso will er sich gegen die zahl reichen «Trittbrettfahrerinnen» zur Wehr setzen, die Lügen über ihn verbreitet hätten. Wer sich in die Details seines Falls vertieft, sieht in die Abgründe des Sexualstrafrechts. Kachelmann zieht ein düsteres Fazit: Was ihm passierte, könne jedem Mann passieren. Der Vergewaltigungsvorwurf sei ein probates Mittel geworden für Frauen, die Männer loswerden und zerstören wollten. Die Unschuldsvermutung werde ausser Kraft gesetzt, Falschbeschuldigerinnen hätten keine Konsequenzen zu fürchten. Kachelmann will jetzt ein Buch schreiben, das im Herbst unter dem Titel «Mannheim» erscheint. Daneben bemüht er sich um die Gründung einer Stiftung, mit der zu Unrecht beschuldigten Männern, aber auch echten Vergewaltigungsopfern geholfen werden soll.

Auch Politiker sind Menschen. Diese Feststellung mag banal und unterschwellig sogar boshaft sein. Aber es ist so. Das zeigt die neue Weltwoche-Serie «Mein Lieblingsgegner im Bundeshaus». Trotz Polarisierung und Parteienkämpfen gibt es auch eine Wahrnehmung neben allen Debatten und Dossiers. Die persönliche Begegnung korrigiert das öffentliche Bild des politischen Gegners. Den Auftakt macht Martin Bäumle, der Parteipräsident der Grünliberalen. Er schreibt über Toni Brunner, den Präsidenten der SVP. Am Anfang ihrer Freundschaft steht eine extreme Erfahrung: Beide spielen im FC Nationalrat und sind gemeinsam gefordert, als ihr Ratskollege Jost Gross tot auf dem Platz umfällt.  Ihre Weltwoche

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