Auto

Der Amischlitten

Die Limousine Cadillac CTS gehört zu den exklusivsten Vertretern ihrer Art. Man fährt sie deshalb mit Vergnügen.

Von David Schnapp

Cadillac CTS 3.6 Sport Luxury

Der Ausruf «Amischlitten!» hatte vor, sagen wir, zwanzig Jahren einen Unterton liebevoller Bewunderung für Autos, die etwas Besonderes waren, grösser, auch schöner in den Augen mancher Betrachter. In den letzten Jahren wurde die amerikanische Autoindustrie mehrfach totgeschrieben, kritisiert für falsche Produktestrategie und vieles mehr. Der Begriff «Amischlitten» war nicht mehr mit einer liebevollen Note unterlegt. Manche Kritik war wohl sogar zutreffend, man fragt sich aber trotzdem, warum all die Kollegen, die genau wissen, wie man die Firma XY führen müsste, es nicht einfach selber machen.

Immerhin gibt es immer noch Autos aus den USA, die Industrie hat einen schmerzhaften Umstrukturierungsprozess hinter sich. Fiat ist Grossaktionär von Chrysler, und in der Schweiz wurde nach dem Konkurs des früheren Importeurs der Vertrieb von Cadillac komplett neu geordnet. Die Organisation ist massiv geschrumpft. Zurzeit werden keine grossen Stückzahlen importiert, was dazu führt, dass die Cadillacs ziemlich exklusive Autos zu einem ziemlich vernünftigen Preis sind. Wer mit der CTS-Limousine unterwegs ist, erntet jedenfalls deutlich mehr Blicke von Passanten, als wenn er in einem Audi, BMW oder Mercedes sitzen würde.

 

Mut zur Kante

Und während in der deutschen Oberklasse alle eine ähnliche Designsprache sprechen, beweisen die Amerikaner Eigenständigkeit. Der CTS sieht anders aus als die andern, schärfer geschnitten, mit Mut zur Kante, aber trotzdem harmonisch. Im Inneren sieht es standesgemäss aus, Leder, Holz, Chrom und Kunststoffe sehen edel aus und sind auf hohem Niveau verarbeitet. Das ganze Cockpit wirkt ordentlich aufgeräumt, ein schönes Detail ist der stufenlos versenkbare Monitor, der je nach Wunsch mehr oder weniger Informationen anzeigt. Die Sitze sind in der Sport-Ausführung beheizt und belüftet, könnten aber etwas mehr Seitenhalt bieten. Und noch eine kleine Kritik: Das Navigationssystem war nicht immer ganz auf der Höhe der Aufgabe.

Alle CTS-Modelle sind mittlerweile mit einem intelligenten Allradsystem lieferbar. Der zweitürige CTS wurde sogar von Autobild zum «Allrad-Coupé des Jahres 2011» gewählt. Unser Testwagen war mit der stärkeren Version des V6-Motors ausgerüstet, dessen Kraft dank der vierfach angetriebenen Räder sauber auf die Strasse kommt. Die Kraft hat ihren Preis, unter 11,5 Litern ist der CTS kaum zu bewegen, auch wenn für den Normverbrauch ein Liter weniger angegeben wird.

So glitten wir durch die opulente Frühlingslandschaft um den Vierwaldstättersee; lautlos zog die blühende Pracht der Obstbäume an uns vorbei – solange das riesige Panorama- Schiebedach geschlossen war. Dann öffnete sich der Blick in den Himmel, das Rauschen der Fahrt drang zu uns, und wir dachten, dass amerikanische Autos wirklich eine gute Sache sind.

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