Maserati GranTurismo MC Stradale

Maserati all’arrabbiata

Den GranTurismo gibt es jetzt als Rennwagen mit Strassenzulassung. Ein paar Runden mit dem MC Stradale. Von David Schnapp

Von David Schnapp

Maserati GranTurismo MC Stradale

Bisher war der Maserati GT ein grosser, ausgesprochen gutaussehender Cruiser, der vor allem auf dem amerikanischen und dem englischen Markt sehr beliebt war. Man mochte ihn wegen seiner Form und wegen des dramatischen Motorensounds, so eindringlich wie eine italienische Oper. Inspiriert von ­erfolgreichen Modellen aus dem Rennsport, haben die Italiener nun den «schnellsten, leichtesten und stärksten» Maserati überhaupt gebaut: Der GT MC Stradale ist ein Strassen­auto mit Lizenz für die Rennstrecke, ein Maserati all’arrabbiata, wenn man so will.

Die Unterschiede zum GT S sind markant. ­Äusserlich schon durch die verschiedenen ­Aerodynamik-Massnahmen wie Front- und Seitenschweller oder Spoilerlippe, die den Auftritt ­betont sportlich machen und vor ­allem den Abtrieb um 25 Prozent verstärken (bei 200 km/h). Das Fahrwerk, das im ­normalen GT komfortabel abgestimmt ist, wirkt im MC, als würde man statt auf einer weichen Federkernmatratze plötzlich auf ­einem japanischen Futon schlafen. Auf ­löchrigen, holprigen ­Strassen rund um Parma, wo wir den Renn-Maserati testen, muss man ziemlich mit dem Lenkrad arbeiten, um den Supersportler in der Spur zu halten. Jede ­Unebenheit schüttelt Fahrer und Beifahrer durch. Zum Glück fesseln einen die Hosenträger-Renngurten an den recht bequemen Schalensitz.

Der Motor bleibt der Achtzylinder aus dem Hause Ferrari, der jetzt aber zehn PS und zwanzig Nm mehr leistet. Zusammen mit den weiteren Verschärfungsmassnahmen wird der MC Stradale schneller im Spurt von 0 auf 100 (4,6 statt 4,9 Sekunden), und erstmals knackt ein Maserati die 300er-Grenze: Die Höchst­geschwindigkeit liegt bei 301 km/h. Verbrauch und Emissionen wurden trotz gesteigerter Leistung um dreizehn Prozent gesenkt, wie das heute so üblich ist.

Schlankheitskur vom Ingenieur

Wir fahren den MC Stradale auch auf der Rennstrecke und sind dort froh über das straffe Fahrwerk und die hochpräzise Lenkung. Die Abstimmung lässt sich mit einem Druck auf die Tasten «Sport» und «Race» verschärfen. Dann knallt das ­Getriebe die sechs Gänge ­innert sechzig Millisekunden rein, sobald man über die riesigen Schaltwippen am Lenkrad den entsprechenden Befehl ausgegeben hat.

In engen Kurven kann der Stradale seine Grösse und sein Trockengewicht von 1670 ­Kilogramm nicht ganz verleugnen, auch wenn eine strenge Diät eingehalten wurde. 110 Kilogramm haben die Ingenieure weggespart: ­Eine geringere Schalliso­lation bringt zum ­Beispiel 25 ­Kilo weniger, 18 Kilo leichter sind die Keramikbremsen, und weil der Strassen­renner ein reiner Zweisitzer ist, ­erleichtern die ­fehlende Rückbank das Auto um 16 Kilo und die Karbon-Schalensitze sogar um 26 Kilo.

Fazit: Der MC Stradale ist ein Auto für wahre Fans, die mit ihrem Maserati gerne ein paar Runden in Hochgeschwindigkeit fahren. Zum Brötchenholen aber eignet sich der normale GT dann doch besser.

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