Wirtschaft

Tiefe Eigentumsquote ist besser

Der Ständerat will die Bausparinitiative wieder zum Leben erwecken. Sie wird den Bau von Einfamilienhäusern forcieren und eine weitere Zersiedelung des Landes einleiten.

Der schweizerische Hauseigentümerverband (HEV) lancierte gleich zwei Volksinitiativen, die beide vom Bundesrat und Ständerat abgelehnt wurden. Doch nun will man im Ständerat die Bausparinitiative wieder zum Leben erwecken. Es soll ein Gegenvorschlag auf Gesetzesstufe vorbereitet werden mit dem Ziel, das bundesgesetzwidrige Bausparmodell des Kantons Baselland zu legalisieren und gesamtschweizerisch salonfähig zu machen. Im Baselbiet können Einzelhaushalte das Zweifache und Ehepaare das Vierfache der maximalen 3a-Säulen-Beiträge in ein Bausparkonto einzahlen. Dieses wird zu Sonderkonditionen verzinst, wobei der Kanton das Doppelte dieses Sonderzinses zuschiesst. Es stellt sich nun die Frage: Ist das erstens wirksam und zweitens volkswirtschaftlich sinnvoll?

Leider müssen beide Fragen klar verneint werden. Es ist eine Giesskannen-Subventionierung für die Besserverdienenden, die ihr Eigenheim auch ohne Förderung bauen würden. Ausgangspunkt der politischen Vorstösse zur Wohneigentumsförderung sind immer wieder die zitierten Vergleiche der Eigentumsquoten, bei denen die Schweiz mit 35 Prozent die rote Laterne trägt.

Spanien bringt es auf über 80 Prozent. Aber muss das für uns a priori negativ sein? Aus zwei Gründen ist die tiefe Quote in der dichtbesiedelten Schweiz positiv zu werten. Erstens haben wir hier die international einmalige Gelegenheit, für das Alter nicht nur über die 2. Säule steuerbegünstigt Alterskapital zu bilden, sondern auch via die Säule 3a. Beide Kapitalbestände können zudem auch für den Erwerb von Wohneigentum eingesetzt werden. Die staatliche Förderung des Sparens für das Alter ist volkswirtschaftlich sehr sinnvoll, da sonst viele Schweizer zu wenig auf die Seite legen und später der Allgemeinheit finanziell zur Last fallen würden. Für die Säule 3a gibt es verschiedene Anlageformen, über die der freiwillige Einzahler frei bestimmen kann.

Im europäischen Ausland ist das eigene Wohneigentum fast die einzige Möglichkeit, um steuerprivilegiert selbst für das Alter vorzusorgen. Millionen von Franzosen, Italienern oder Spaniern kommen mit ihren mageren Altersrenten nur deshalb über die Runden, weil sie «gratis» in ihren eigenen vier Wänden leben. Andere Vermögensanlagen (ausser einem Auto) haben sie kaum. Eine Altersvorsorge in Gestalt von frei verfügbarem Kapital oder im Voraus festgelegten Altersrenten ist jedoch dem Wohneigentum klar vorzuziehen, da die Verfügungsfreiheit beziehungsweise die Liquidität viel höher ist und man sich im Lebenszyklus flexibler an neue Umstände anpassen kann.

Der zweite institutionelle Vorteil der Schweiz ist das immer noch recht liberale Mietrecht. In vielen Ländern sind die Rechte der Eigentümer stark ausgehöhlt oder gar auf die Mieter übertragen worden. Mietzinskontrollen, Kündigungsschutz, Weitervermietung durch den Mieter sind ein paar Schlagworte dazu. Was zum Schutze des Mieters gedacht war, entpuppt sich so als das Gegenteil. Denn all diese Verwässerungen der Eigentumsrechte der Haus- und Wohnungseigentümer reduzieren die Investitionen privater Investoren in Neubauten und Unterhalt. Oder anders gesagt: In diesen Ländern ist der Mietmarkt praktisch wegreguliert worden. Wer einigermassen anständig wohnen will, muss selber bauen oder kaufen.


Verschwendung des knappen Bodens

Die schweizerische Lösung, dass viele Pen- sionskassen oder Versicherungsgesellschaften die Alterskapitalien in Wohnliegenschaften investieren und diese vermieten, ist viel effizienter. Stockwerkeigentum ist immer mit einem grossen Koordinationsbedarf zwischen den verschiedenen Eigentümern verbunden. Finanzielle und nervliche Belastungen sind eher die Regel als die Ausnahme. Zudem sinkt die geografische Mobilität der Jungen und die Bereitschaft der Alten, in eine kleinere Wohnung umzuziehen.

Selbstbewohntes Eigentum macht vor allem für Einfamilienhäuser Sinn. Diese sind aber gerade für jüngere Haushalte und tiefere Einkommen extrem teuer und führen zu Klumpenrisiken und hoher Verschuldung. Deshalb – und das ist nun sehr wichtig – ist Wohneigentumsförderung faktisch primär Einfamilienhausförderung.

Da jedoch in den Städten und in den näheren Agglomerationsgürteln Land extrem knapp und teuer ist, unterstützt die Wohn- eigentumsförderung die Zersiedelung des Landes. Ebenso wie die staatliche Subventionierung des Regionalverkehrs. Als Ökonom kann man nie genug betonen, dass selbst gutgemeinte staatliche Fördermassnahmen unbeabsichtigte und negative Konsequenzen haben können – und meist haben werden. Hier ist es eine ökonomische und ökologische Verschwendung der knappen Bodenressourcen sowie eine fortlaufende Landschaftszerstörung. Und dies noch zum Schluss: Am Ende des Tages haben selbst die geförderten Eigentümer nichts mehr von der Begünstigung, weil diese in der Bodenrente kapitalisiert wurde. Die Förderung füllt die Taschen der Landverkäufer.

Kommentare

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  • Carlo Meyer
  • 26.07.2010 | 23:30 Uhr

Der Grund für die Zersiedlung unseres Landes ist die nicht mehr zeitgemässe Form unseres Föderalismus, der die Mobilitätsmöglichkeiten der Bewohner nicht mitrechnet.

Steuerwettbewerb fördert Zersiedelung.

  • Carlo Meyer
  • 26.07.2010 | 23:27 Uhr

... der zahlt soviel Grundstückgewinnsteuer, dass er mit diesen Abgaben den Rest seines Lebens im unternutzten EFH wohnen bleiben könnte.
Oder wer seine PK auszahlen lässt, um die Hypothek abzuzahlen, verliert jeden Anspruch auf Unterstützung bsp. bei den KK-Prämien.

Wie lange ist die Eigentumsgarantie, sofern sie noch vorhanden ist, in unserem Land noch gewährleistet?

  • Carlo Meyer
  • 26.07.2010 | 23:18 Uhr

Soll doch jedem selbst überlassen sein, welche Vor- und Nachteile seiner Wohnform ihm wichtiger sind. Wieso muss da der Gesetzgeber persönliche Freiheitsentscheidungen lenken?
Wer den Fehler macht, als Single Geld in Hinblick auf die Familiengründung zu sparen und sich dann Wohneigentum kauft, wird nicht nur durch massiv höhere Einkommens- und Vermögenssteuern bestraft, sondern er verliert auch Anspruch auf Unterstützung bei KK-Verbilligung, Krippenplätzen, Schulzahnarzt etc.
Genauso wer nach Auszug der Kinder das Einfamilienhaus verkauft und in eine kleine Eigentumswohnung zügelt...

s. u.

  • Werner Widmer
  • 23.06.2010 | 12:37 Uhr

Herr Selk,
Alles klar. Man hat eine Produktionsgesellschaft kaput gemacht und regt sich jetzt auf. Dazu kommt noch das Erbrecht auf etwas, das man gar nie erschaffen hat. Bauland wurde durch den Stimmbürger bestimmt und die Baulandbauern haben nichts dazugetan. Geführt wird das ganze von der FDP.

  • Rainer Selk
  • 22.06.2010 | 22:41 Uhr

Werner Widmer 22.06.10 12:03
Richtig, aber es trifft doch nicht ganz den Kern der Sache. So, wie ich das verfolge, sind ein grosser Teil unserer Bauernbetriebe nicht in der Lage, dem sich abzeichnenden Zollabbau etwas entgegen zu setzen. Das hängt mit hohen Auflagen + Produktionskosten zusammen, die schlicht EU KOstenniveau nicht stand halten können. Die idiotische Subventionspolitik der letzte 40 Jahre haben zudem gewaltigen 'Verhaltens-Flurschaden' angerichtet. Eben weil die Gesamtschweiz an anstehender weiterer Reichtums-Zersiedlung kein Interesse haben kann, ist 'Hirnen' nötig!

  • Werner Widmer
  • 22.06.2010 | 12:03 Uhr

Herr Selk,
Niemand ist gezwungen sein Bauland zu verkaufen. Sie wollen, weil's ringer ist, werden motiviert durch die Wachstumsfetischisten, unterstützt durch die Profiteure und gefordert durch die Verwandten, welche auch an das unverdientermassen ladende Geld gelangen wollen. Alles unterstützt durch den Stimmbürger. Zonenpläne. Siehe Golf in Bergdietikon. Abartig

  • Rainer Selk
  • 21.06.2010 | 19:18 Uhr

Unser derzeit sterbendes Bauerngewerbe hat plötzlich also einen volkswirtschaftl. Nutzen, weil sie 'Landverkäufer' wäre? So gesehen, müsste es der Volkswirtschaft wichtig sein, diese Gewerbe zu erhalten + nicht nur aus diesen Gründen. WIE das geschieht, darüber kann man verschiedener Meinung sein. Der sich abzeichnende 'Raubbau' (hier: Landverkauf), zu denen viele B.-Betriebe vermutlich gezwungen werden, hat 'seinen Preis' für die ganze CH! Land + Mieten werden 'unerschwinglich'. Soziale Unrast ist die bereits sichtbare Folge!! Das kann es volkswirtschaftl. wohl kaum sein, oder?!

  • Rainer Selk
  • 21.06.2010 | 11:38 Uhr

Ob das Bausparen volkswirt. wenig Sinn macht, bleibe mal dahin gestellt, denn Eigentum bilden und schuldenfrei sein, muss oberstes Ziel sein und bleiben. Der heutige Unsinn einer mögl. hohen Verschuldung versus Abzugsmöglichkeiten bei den Steuern führt u.a. zu den Ursachen einer sog. 'Hypo.-Blase'.
Das Mietrecht, lieber S.Borner, in der Schweiz ist ein Selbstbedienungsladen vor allem für grössere Liegenschaftsbesitzer + zwar einseitig zu Lasten der Mietenden. Man muss nicht 'links' sein, um diese Aussage zu treffen. Die geltende 'Referenzzissatzregelung' ist ein volkswirtschaftl. Flopp!

 
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