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Stereoanlage 2.0

Philips will die Generation iPod mit der guten alten Hi-Fi-Anlage versöhnen. Und erfüllt dabei fast alle Erwartungen.

Von Andreas Thut

Offen nach allen Seiten: Streamium-Stereoanlage von Philips.

Wer als Jugendlicher Anfang der Neunziger nichts mit Autos am Hut hatte, träumte von der idealen Stereoanlage. Ganze Wochenenden verbrachte man mit dem Studium dicker Kataloge sowie andächtigen Hörproben bei älteren, kaufkräftigeren Hi-Fi-Enthusiasten. Es war klar: Sobald es mit dem Geldverdienen losginge, würde man die ersten, teuren Komponenten für eine perfekte Stereo-Anlage erwerben.

Dann kam MP3 und ihm auf dem Fuss der iPod. Vergessen war die Ehrfurcht vor dem reinen Klang, die Wertschätzung für imposante Endstufen und dicke Kabel aus sauerstoffarmer Kupferlitze. Es zählte nur noch: all meine Musik, überall, jetzt sofort. Für die gute alte Stereoanlage blieb da wenig Platz. Philips findet das offenbar schade. Und stellt mit der Streamium MCi900 ein System vor, das alte Hi-Fi-Träume mit der Realität versöhnen soll. Die Stereoanlage 2.0.

Zu Beginn unseres Tests gab es erfreulicherweise eine übliche Hürde nicht zu nehmen. Die Frau im Hause schloss die Lautsprecher mit den frei aufgehängten, chromglänzenden Hochtönern augenblicklich ins Herz. Und der Jöö-Effekt setzte sich bei den zwei rundlichen Komponenten CD/DVD-Player und Receiver fort. Der männliche Spieltrieb wird hingegen mit einer Vielseitigkeit befriedigt, die vom Web – offene Schnittstellen nach allen Seiten – inspiriert scheint. Musik lässt sich nicht nur via CD und UKW-Radio, sondern auch von Webradios sowie Medienservern und PCs im Heimnetzwerk abspielen. Beim eigenen Musikspeicher des Systems – massige 160 Gigabyte – punktet Philips besonders: Eine USB-Harddisk kann zwecks Befüllung direkt an den PC angeschlossen werden. Wer schon mal einige 10 000 Songs kopieren musste, weiss, wie praktisch das ist. Könnte das System nun noch mit Blu-Ray-Discs und Videodateien umgehen sowie Fotos am TV statt bloss auf seinem Minibildschirm wiedergeben, so hätte man die rundum gelungene, einfach zu bedienende Medienzentrale fürs Wohnzimmer.

Und sie klingt erst noch gut! Denn die Mittel, womit die – heute meist komprimiert vorliegende – Musik zwecks Steigerung des Klangerlebnisses bearbeitet wird, sind wirkungsvoll: Die Kombination aus kräftigem digitalem Verstärker, Algorithmen und den «Soundsphere» -Lautsprechern produziert einen überraschend direkten, dynamischen Sound. Einzig die Mitteltöne sind recht flach auf der Brust, und bei einer genialen Grieg-Aufnahme vermisst man die Details. Dafür müssten wir wohl zu unseren Jugendträumen zurückkehren.

 

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