MvH

Meine Tränen

Unser Kolumnist fährt in eine Weltstadt. Und in die Nähe von Brienz. Dort trifft er einen Weltstar und lernt von ihm.

Von Mark van Huisseling

Vergangene Woche war ich in London. Als ich mich im Wagen befand, der vom City Airport in die Stadt fuhr, rief eine Swiss-Mitarbeiterin auf mein Mobiltelefon an und sagte, ich habe den Koffer (kleiner, grauer «Rimowa»-Trolley) von jemand anderem vom Band genommen, so sehe es aus, sowie dass meiner (kleiner, grauer «Rimowa»-Trolley) bei ihr am Schalter sei. Es ist ein bisschen blöd, wenn man dann zurückfahren muss (nachdem man zuvor die Schlange auf der Gegenfahrbahn gesehen hat). «Prüfen Sie immer, ob Ihr Name auf dem Zettel am Koffer steht», sagte die Mitarbeiterin. Man meint, dieser Hinweis sei banal, aber er hat etwas.

Zum Glück kann man in «The Wolseley» bis drei Uhr Mittagessen bestellen (12.00-Uhr-Verabredungen sind so common); ich empfehle das Wiener Schnitzel, nebenbei. Was mir auf die Nerven fällt: Wenn man einen Tisch reservieren lassen möchte in London und für einmal nicht die Nummer des Maître d’ kennt, ist man die längste Zeit on hold. Am Tag vor dem Besuch muss man noch einmal anrufen, um zu bestätigen, dass man wirklich kommen will – und noch einmal warten. On the bright side: Man weiss danach, dass man einen Tisch hat in einem Lokal, wo man im Augenblick hingeht. Kenny Schachter begegnete mir etwa im «Wolseley»; er ist Kunsthändler (mitverantwortlich für die Show «Zaha Hadid and Suprematism» der Galerie Gmurzynska in Zürich, ab 13. Juni), Autosammler (besitzt schöne Modelle, finde ich, z. B. einen Maserati 3200 GT) sowie Schwiegersohn von Marc Rich.

Ich wohnte im «Four Seasons». Es handelt sich dabei um das Hotel in London, an dem ich nichts auszusetzen hätte, auch falls ich streng urteilen würde. Das Haus sieht gut aus von aussen, die Zimmer sind schön eingerichtet, es gibt grosse Fenster mit Themse-Blick sowie ein Bad, in dem es nicht zieht. Das alles ist normal für fünf Sterne, ich weiss, aber nicht für London. (Die «Four Seasons»-Betreiber können es einfach, finde ich, vermutlich hätten sie sogar Erfolg mit «The Dolder Grand».) Ich muss noch sagen, dass ich von dem «Four Seasons» in Canary Wharf schreibe, dem neuen Viertel im Osten, wo es nur Banken und Angestellten-Apartments gibt (ich war Gast der Fa. Hugo Boss).

Am Abend fand im East Wintergarden in Canary Wharf die Präsentation und Taufe einer neuen Segeljacht mit Namen «Hugo Boss» statt (IMOCA-60-Klasse, 60 Fuss oder 18,3 Meter Länge). Alex Thomson soll mit dem Boot alleine um die Welt segeln (er gewann bereits vor elf Jahren ein «Round the World Race», mit 25 und als bisher jüngster Skipper). Für MvH, nebenbei, war es eine Art Matchvorbereitung – er wird kommende Woche bei der «Loro Piana Superyacht Regatta» vor Porto Cervo, Sardinien, auf der «Gliss» (Siegerin von 2009) mit dabei sein. Die «Hugo Boss», nebenbei, wurde von Diane Kruger getauft (das war das erste Mal, dass ich sie nicht in einem goddess dress sah, sondern in einer Regenjacke; Mai-Abende in London sind kühl und der Wind ist stark), David Coulthard war auch dabei. Wen es interessiert: Nur im Film zerschlagen sie Flaschen am Bootsrumpf, in Wirklichkeit wird Champagner verspritzt auf dem Schiffsdeck.

Jetzt 27 Zeilen über mich bzw. den Schweizer Weltstar (Schweizer Illustrierte). In der Nähe von Brienz war ich auch noch – das 10. Giessbach Meeting fand statt, im Grandhotel «Giessbach», und Marc Forster bekam den Preis Herbert. Diese Auszeichnung geben Beatrice und Urs Gossweiler jedes Jahr einer Persönlichkeit, die sich um ein Berggebiet oder die Alpen verdient gemacht hat (Pressetext). Eine Enthüllung: Mit dem Präsidenten der Gossweiler Media (gibt etwa die Jungfrau-Zeitung heraus) bin ich bekannt, er ist Produzent der Fernsehsendung «MvH The Place to be», die am 24. Juni um 20.00 Uhr zum ersten Mal auf Pro Sieben gezeigt wird. Ich wäre wahrscheinlich auch sonst hingefahren; es gibt in meinen Augen wenig Schweizer Unternehmer, die nettere und/oder lustigere Geschäftsanlässe veranstalten als Urs.

Von Marc habe ich wieder etwas gelernt: Man darf auch einmal, sagen wir, Tränen das Wort lassen als Mann. Auf der Bühne erzählte er von einer Bergtour als Schüler. Plötzlich sagte er, er werde nun ein wenig emotional . . . und ging zurück an seinen Platz. Mir kommt kein besserer Schluss für eine Preisannahme-Rede in den Sinn.

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