Hochzeit

Falken statt Tauben

Die Ernährungsberaterin Miranda Kretz, 31, und der Informatiker Ivan Cioffi, 36, heirateten letztes Jahr. Die Romantik wurde neu definiert.

Von Franziska K. Müller

«Liebe ist auch Routine und Alltag»: Ehepaar Kretz-Cioffi. Bild: Lea Meienberg

Ivan: Ich bin ein bisschen wortkarg, und das Kitschgen geht mir ab. Wenn ich Miranda überrasche, dann auf meine Art.

Miranda: Ich weiss, dass mich Ivan liebt, aber romantische Sätze kommen ihm nur schwer über die Lippen. Auf jeden Fall muss er sich nicht vorwerfen lassen, einen auf Charmebolzen zu machen. Viele Frauen fallen auf süsse Worte herein und sind im Nachhinein bitter enttäuscht, weil der Mann über alle Berge ist, sobald er Farbe bekennen soll. Ivan ist das Gegenteil.



Ivan: Unser Hochzeitsritual, das in einem Rittersaal abgehalten wurde, begann mit dem Satz: «An ihre erste Begegnung können sich die Brautleute nicht mehr erinnern.» Das stimmt mehr oder weniger. Ich war Trainer in der Basketballmannschaft, Miranda eine der Spielerinnen. Es ist so lange her, und beziehungsmässig ging bei uns alles fliessend ineinander über. Zack, waren zehn Jahre vorüber. Liebe ist auch Routine und Alltag. Beides schafft nur die Zeit, und diese Dauerhaftigkeit bietet ein verlässliches Zuhause.

Miranda: Einmal sagte Ivan: «Nach zehn Jahren können wir dann heiraten.» Als es so weit war, geschah nichts, und es verstrichen weitere drei Jahre. Also nahm ich die Dinge selber in die Hand, organisierte eine Suite mit Whirlpool und stellte ihm die Frage. Aber mit der Bilderbuchromantik wollte es auch in dieser Situation nicht recht klappen.

Ivan: Der Whirlpool funktionierte nicht.

Miranda: Bei der anschliessenden Planung merkte Ivan bald, was er an seiner Hochzeit nicht wollte: Firlefanz, Chaos und 08/15-Dinge.

Ivan: Ich sehe nicht, was an Herzchenwahnsinn und dergleichen romantisch sein soll.

Miranda: Ivan hat einen guten Geschmack und ist äusserst grosszügig. So kam es, dass unsere Hochzeit normalerweise eine Frauendomäne – mehrheitlich von meinem Verlobten organisiert wurde. Immer in Absprache mit mir natürlich, und das Ergebnis war beeindruckend, denn im Verlauf von Monaten definierte er den Begriff «Romantik» neu.

Ivan: Anstelle von weissen Tauben gab es eine Vorführung mit Falken, Eulen und Adlern. Die Hochzeitstorte war schwarz und mit blauen Rosenköpfen aus Ecuador dekoriert. Futuristische Lichtelemente unterteilten den Festsaal. Eine Tischordnung gab es nicht, dafür ein erstklassiges Vocal-Trio und ein achtgängiges Hochzeitsmenü. Nicht alle der hundert geladenen Gäste kamen mit diesen Extravaganzen zurecht. Ein aus exquisiten weissen Tomaten hergestelltes Süppchen verweigerte mein Onkel mit dem Argument: «Tomaten sind rot, und etwas anderes esse ich nicht.»

Miranda: Unsere Wedding-Planerin sorgte für die perfekte Organisation und bewahrte uns vor Missgeschicken. So riet sie dazu, den Ablauf schriftlich festzuhalten, damit die Gäste nicht ab 22 Uhr auf die Uhr blicken. Ebenfalls wichtig ist, dass die Brautleute bei einer so grossen Gesellschaft im Plenum und nicht mit jedem Einzelnen anstossen. Sonst bleibt man nicht lange nüchtern.

Ivan: Die Planerin nahm auch Anmeldungen für Darbietungen entgegen und verhinderte jene subtil, die wir nicht so toll fanden. Um hundert Ballone, die – so romantisch zeitgleich in den Himmel stiegen, kamen wir allerdings nicht herum. Wenige Minuten bevor sie losgelassen wurden, begann es zu regnen, und allesamt sackten sie als Klumpen auf die Erde herab. Ich nahm es als Zeichen des Himmels. Das Fest hat 60 000 Franken gekostet, und jeder Franken hat sich gelohnt. Die Fotos zeigen wir später unseren Kindern. Das erste kommt in wenigen Wochen zur Welt.

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