Objekte

Made in Limmattal

Eine Uhr, erfunden und gebaut im Zürcher Technopark, zeigt die Zeit als Bild an. Die Digitalisierung der Sanduhr.

Von Andreas Thut

Kurzes Innehalten: Tisch-Uhr Partime 1x1.

Nachdem Kollege Schnapp an dieser Stelle dem meditativen Effekt der typografischen Uhr Qlocktwo aus Deutschland erlegen war (Weltwoche Nr. 6/10), erhielt er einen Anruf von nebenan. Er habe da eine Uhr, welche die Zeit ganz einfach als Bild anzeige, erzählte Andreas Mossner, Werber, Hausgrafiker des Zürcher Technoparks und Erfinder im Nebenberuf. Unsere Neugier war geweckt, und so landete Mossners «Partime 1x1» genannte Rarität zuerst auf unserem Pult und später für einige Wochen dort, wo sonst die Küchenuhr hängt.

Während uns die Qlocktwo also die Zeit in Worten mitteilt, benutzt die Partime 1x1 dafür das aus Mathematikunterricht und Geschäftsberichten bekannte kartesische Koordinatensystem. Vor dem Hintergrund eines runden «Zifferblatts» fungieren auf der y-Achse links die Stunden, auf der x-Achse unten die Minuten. Es resultiert eine sich im Minutentakt verändernde farbige Fläche (eine Animation unter www.weltwoche.ch/partime verdeutlicht den Effekt). Ältere Menschen würden sich oft an eine Sanduhr erinnert fühlen, sagt Mossner. Mit Übung lässt sich die Zeit recht rasch ablesen, ein kurzes Innehalten dabei konnte aber auch der Erfinder selbst nach jahrelangem Gebrauch nicht abschütteln.

Das ist durchaus erwünscht. Denn ganz wie Sand- und Sonnenuhren verleitet die Partime zu allerlei mehr oder weniger tiefgründigen Gedankengängen. Selbst waren wir davon fasziniert, wie die Uhr den Wechsel von 12.00 Uhr Mitternacht oder Mittag auf 12.01 darstellt. Das soeben noch komplett leere, schwarze Rund wird mit einem Schlag neu mit Farbe gefüllt: Zwölf weitere, makellose Stunden warten auf Entscheidungen und Taten. Und sollte was schiefgehen, so wird die Partime uns in spätestens zwölf Stunden dasselbe unbeschriebene Blatt erneut vor Augen halten.

In der Handhabung ist der solide verarbeitete Uhr-Quader denkbar einfach: Ans Stromnetz anschliessen, über die beiliegende kabellose Computermaus die Zeit einstellen – und fertig. Wer will, kann die Farbe des «Zifferblatts» Ton in Ton mit seiner Inneneinrichtung abstimmen. Die Informatikerseele in unserer Brust freut, dass die Partime – auch in ihrem Innern werkelt ein Computer – auf dem freien Betriebssystem Linux läuft.

Als Technopark-Urgestein arbeitet, feiert und leidet Andreas Mossner seit siebzehn Jahren mit der Schweizer Start-up-Szene («Ich bin ein Techno-Kid»). Er kennt sich aus und kann so seine Uhr-Raritäten komplett in Zürich und Umgebung fertigen lassen. Schweizer Uhr-Spezialitäten kommen also für einmal aus dem Limmattal statt aus dem Vallée de Joux.

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