Vergangene Woche war ich in Zürich, die «Energy Fashion Night» fand statt (es handelte sich dabei um einen Anlass von Radio Energy und SI Style, zwei Ringier-Unternehmen, sowie von Manor). Journalisten haben, nebenbei, Mühe, über Veranstaltungen anderer Medienfirmen zu berichten respektive solche gut zu finden. Als MvH steht man da drüber (auch weil man nie weiss, an welchen Verlag man seine Rechnung morgen senden wird in unserem, sagen wir, sich in Bewegung befindenden Wirtschaftszweig).
An dem Freitagabend nach Auffahrt 4000 Gäste in das Hallenstadion zu bekommen, sei nicht einfach, meinte ich. Doch für die Organisatoren war es kein Problem (Eintrittskarten konnte man nicht kaufen, bloss gewinnen). Es waren zudem nicht irgendwelche 4000 butts in the seats, sondern in der Mehrheit solche, die Frauen zwischen zwanzig und dreissig gehörten (und zwar Frauen, die sich zurechtgemacht hatten, als würden sie über den Laufsteg gehen; sehen Sie www.weltwoche.ch/mvh). Mit anderen Worten: ein schönes Bild in den Augen eines normal fühlenden Mannes (oder eines normal fühlenden Geschäftsführers).
Eröffnet wurde die Modeschau von Jan «Seven» Dettwyler, einem jungen Schweizer Sänger, «der eigentlich talentiert ist», hatte ich einmal geschrieben. Heute neige ich zu Zweifeln, übrigens; ich möchte ihn im Grunde immer noch gut finden, aber das geht irgendwie nicht, er ist nicht gut genug, von mir aus gesehen. Trotzdem wird er, das gebe ich ihm, für fast jede Veranstaltung, die irgendetwas mit Mode, Stil et cetera zu tun hat, gebucht. Und das ist auch etwas – weil Wahrnehmung Wahrheit ist, nicht wahr? Was ich nicht verstanden habe: Warum schickten die Organisatoren erst gegen Ende des Musikerauftritts Models auf den Catwalk? Und warum einzeln? Ich meine, auch bei liebevoller Betrachtung waren einige so etwas wie das Laufsteg-Gegenstück von Seven (doch das Ergebnis von zweimal Mittelmass wäre, für einmal, mehr gewesen).
Über die Mode habe ich bis hierher nicht viel geschrieben. Weil es bis hierher nicht viel zu schreiben gab. Es waren weniger Kollektionen, mehr eine Aneinanderreihung von Teilen, eher Kleidung als Fashion also. Das ist in Ordnung, es gibt auch Frauen, höre ich, die eingeschränkte verfügbare Mittel haben (und/oder für Kleider selber bezahlen), sowie Männer, die keine Preisnachlässe bekommen beim Einkaufen (quelle horreur). Im zweiten Teil der Darbietung wurde ein bisschen Mode gezeigt, die Patrizia-Pepe-Kollektion für Herbst/Winter 2010/11, ausserdem Bademode und Unterwäsche von Beldona. Die hat mir im Grunde gefallen. Was ich sagen will (Vorsicht, jetzt kommt ein Veritas odium parit-Satz, Sie wissen schon, Wahrheit erzeugt Hass): Julia Saner, achtzehn und Gewinnerin des Elite Model Look 2009, deren Gesicht ich schön finde, sollte keine Dessous vorführen zurzeit (ausser sie will zeigen, dass die «Ist Julia zu dünn?»-Geschichte der Berner Zeitung eine Ente war).
Zu der Gruppe Lunik, die ebenfalls auftrat: Sängerin Jaël Krebs zog die Schuhe aus, schon bei dem zweiten Lied (obwohl ihre Absätze nicht richtig hoch waren) – was soll das? Cesaria «barfüssige Diva» Evora geht ohne auf die Bühne von Anfang an, Jane Birkin zieht sie am Ende aus (und beide sind über sechzig). Ausserdem, kam es einem vor, war sie nicht glücklich, nur Teil des Rahmenprogramms zu sein. Das ist in Ordnung, als Berner Hitparadenstürmer (Blick), bloss sollte man dann nicht mitmachen (auch wenn man Radio Energy ungern einen Korb gibt). Toni Braxtons «Unbreak My Heart», vermute ich, kam nicht aus ihrer Brust, sondern ab ihrer CD. Falls ich recht habe, gibt es zwei mögliche Erklärungen dafür: nicht genügend Zeit für Proben, und als US-Superstar (Sonntag) sagt man dann: «No can do.» Oder der Augenblick ist nicht richtig für ihren Wiederauftrittsversuch nach ein paar Jahren Pause.
Jetzt die gute Nachricht aus Zürich. Es gibt ein neues, zweitbestes Club-Sandwich. In der «Griederbar», im zweiten Stock des department store an der Bahnhofstrasse, wo das Auge mitisst (das Beste behält Ihr Kolumnist für sich; weil man nicht alles teilen will, zudem interessant bleiben möchte, wie in jeder Paarbeziehung halt). Das «Griederbar»-Club-Sandwich ist, wie es sein soll, mit gebratener Hühnerbrust, gekochtem Ei usw. (Fr. 27.50). Dazu gibt es Coleslaw (Krautsalat) statt Pommes frites, das gibt Note 5–6.













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