Ihr Name steht für Hörgeräte und Radrennsport. Weniger bekannt ist, dass Sie Wein machen. Wie kommt das?
Dass ich gerne Wein trinke und einen Sinn für alles Kulinarische habe, wissen alle, die mich kennen. Ich habe mir aber nie gesagt: Jetzt will ich neben allem anderen auch noch Weinproduzent werden. So etwas entwickelt sich aus Gelegenheiten, die zufällig auftauchen. Dann sagt man sich vielleicht, das könnte lustig werden, da könnte man einsteigen.
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Aus Lust und Laune allein entsteht nichts.
Natürlich nicht. Mit Phonak bin ich in der Welt herumgejettet, und ich habe geschaut, dass immer guter Wein auf den Tisch kommt. Anfang achtziger Jahre, als die Australier oder der Amerikaner Robert Mondavi gute Weine machten und jene aus dem Napa Valley trinkbar waren, kam ich nach Neuseeland.
Einem weintechnisch weissen Fleck auf der Landkarte?
So dachte ich, bis ich auf Neuseelands Nordinsel in einem Ort namens New Plymouth in einer gewöhnlichen Fischbeiz einen hervorragenden Sauvignon blanc serviert bekam. Ich hatte keine Ahnung, dass die Neuseeländer Weine mit solchem Aroma machen konnten. Zu meinem Begleiter sagte ich: «Hier sollte man einen Weinberg posten . . .»
Daraus wurde Ernst.
Jawohl. Ein Neuseeländer baute dort auf seinem Weingut Framingham Weine an, so 400 000 Flaschen im Jahr. Und der wollte für den Export ausbauen auf gegen zwei Millionen Flaschen, die es braucht, um international eine Marke aufzubauen. Das haben wir dann mitfinanziert.
Was heisst wir?
Im Ausland mache ich nichts ohne Partner. Hier hatte ich zwei. Das war mein erster spontaner Ausflug in das Weinbusiness.
Es gab einen zweiten, weniger spontanen?
Ersteres stimmt, Letzteres nicht. Auch dieser zweite Ausflug erfolgte spontan. Ende des 20. Jahrhunderts wollte ich mich von der Phonak aus dem Tagesgeschäft verabschieden und nur noch als Chairman amten. Mein Plan war, längere Zeit im Jahr in Südfrankreich zu leben.
Wovon alle träumen.
Wer hat schon Lust, bei schlechtem Wetter in der Schweiz zu hocken. So bin ich in die Provence gekommen, habe ein altes Gemäuer gekauft und dieses dank französischer Bürokratie über drei Jahre lang umgebaut. Und weil das mitten in den Weinbergen lag, wurde der Wein zwangsläufig wieder ein Thema.
Was mögen Sie an Frankreich?
In jugendlichen Jahren, nach dem Militär, ging ich nach Frankreich. Nach Paris. Das ist mir geblieben, obwohl ich theoretisch auch woanders hätte hängenbleiben können. In Kalifornien zum Beispiel. Dort liebe ich die Leichtigkeit des Seins. Aber in Frankreich fühle ich mich wohl.
Deshalb machen Sie französischen Wein?
Das war nicht geplant. Im Luberon, im Herzen der Provence, etwa zehn Kilometer entfernt von mir, hatten zwei Deutsche ihr Weingut La Coquillade heruntergewirtschaftet. Ich habe mir das angeschaut.
Und?
Ich war fasziniert. Eine der besten Lagen der Gegend. Eine fast 360-Grad-Sicht auf lauter Weinberge. Und dahinter schimmerte weiss der Mont Ventoux, der mystische Berg der Tour de France. Ich habe mir gesagt: «So etwas gibt es doch gar nicht. Das muss ich posten.» Dazu gehörten ein paar Häuser, welche die Vorbesitzer vermietet hatten. Ich hatte aber kein Projekt für die vierzig Hektaren und schon gar keine Lust auf ein Hotel. Ich hatte ja schon das Designhotel «Al Porto» in Lachen bei Zürich. Aber ich hatte auch meinen Kollegen Werner Wunderli, der zusammen mit seiner Frau Carmen in der Region eine maison führte.
Diese beiden haben Sie dann gewissermassen akquiriert?
Ich sagte zum Werni: «Du musst das machen, ein Hotel in den Weinbergen, ein Top-Weingut, und alles Swiss Quality.»
Das funktioniert in Frankreich?
Der Umbau hat natürlich sehr viel gekostet, aber was daraus entstanden ist, ist nachhaltig. Ein neuer Wein, neues Marketing, neues Design.
Warum das?
Auf den sanften Hügeln von La Coquillade wird zwar seit Menschengedenken Wein angebaut, aber die Marke der Vorbesitzer hatte unter der ungenügenden Qualität ihres Weines gelitten. Also mussten wir eine neue Marke kreieren. Den Aureto.
Wie kamen Sie darauf?
«Aureto» heisst so viel wie «starke Sommerbrise». Ich finde, das passt hierher. Wir haben eine ganz neuartige Corporate Identity kreiert mit ganz schlichten, eher stylischen Weinetiketten und schweren, grossbauchigen Flaschen für den Weissen und den Rosé, schmalere für den Roten. So heben wir uns total ab von den traditionellen Domaine-Weinen hier.
Wenn Sie so reden, wird klar: Den Rihs hat der Wein wieder gepackt.
Diese Marketingaufgabe fasziniert mich schon, und auch der Ehrgeiz, jedes Jahr bessere Weine zu machen. Wir haben hier eine Hightech-Weinproduktion aufgebaut, alles computergesteuert und -kontrolliert. Wir können in dokumentierten Prozessen 28 verschiedene Traubensäfte über Computer kontrolliert mischen und acht bis zehn verschiedene Weinsorten herstellen. Unser Önologe kommt aus dem Napa Valley und hat durch seine Erfahrungen hier etwas ganz Neues aufgebaut. Diese Weine sprechen auch eine andere Kundschaft an als den traditionellen Bordeaux-Trinker. Was mich besonders fasziniert: Seit dem ersten Jahrgang 2007 lernen wir unsere Weinberge immer besser kennen.
Ist das für Sie Hobby oder Business?
Das ist nicht einfach nur Sponsoring vom Rihs. Alles, was ich mache, muss nachhaltig sein und wirtschaftlich Sinn machen.













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