Wein

Das weisse Glück

Von Peter Rüedi

En primeur kaufen oder nicht, die Bordeaux 2009? «Ärgern Sie sich nicht, wenn Sie meinen, sie hätten einen Jahrhundertjahrgang verpasst. In zwei Jahren kommt ein anderer.» Der britische Importeur, der sich so über die Prophezeiungen der eingespielten Bordeaux-Marketing-Maschinerie von Besitzern, négociants und den paar einflussreichen Journalisten mokiert, hat ja recht. Im Prinzip. Im Fall 2009 könnte er sich irren. Die Qualität ist tatsächlich aussergewöhnlich, und zum ersten Mal erstreckt sich die Primeur-Kampagane bis in den Fernen Osten. Dort sitzt die Kundschaft, die über jedes Limit hinaus bietet. Die Chance ist zudem gering, dass die Preise, wie beim Jahrgang 2007, unter das Primeur-Angebot sinken (bei Cheval Blanc um über die Hälfte!). Wer gerade was geerbt hat, im Lotto gewonnen oder sonst nicht weiss, wohin mit den Kohlen, soll buchen. Um nicht in den Verdacht des Snobismus zu kommen, vielleicht im zweitobersten Segment. Und wir gewöhnlich Sterblichen? Halten uns an die Maxime «Grosse Jahrgänge, kleine Weine». Oder an den Ausverkauf, der sich immer dann abzeichnet, wenn ein Sensationsjahr die Vorgänger deklassiert und die Händler die Lager räumen (war schon beim 97er so). Ende der Investitionsberatung (auf welchem Feld ich mir selbst am meisten misstraue). Zurück zum Wein und zum Bordeaux-Jahrgang 2007. Der bescherte uns nämlich, wie weiland das Schrottjahr 1992, in einer Nische auch Wunderweine bei den trockenen Graves/Pessac-Léognan. Bei mir ist der weisse Château de Fieuzal eingetroffen, den ich bei Wermuth für keine 50 Franken subskribiert hatte und der dort mittlerweile für Fr. 58.10 im Katalog steht. Er erweist sich als «einer der besten Fieuzals aller Zeiten» (Fieuzal-Fan René Gabriel). Ich würde erhöhen auf: «einer der grossen Weissen meines Lebens». Die geballte mineralische Sauvignon-Power, ein geradezu schwindlig viel- seitiges Bouquet, höchste Eleganz bei grösster Konzentration; helle Steinfrüchte, pfefferige, auch etwas harzige, minzige Noten (riecht Gabriel, und wie ich ihn lese, auch ich). In seiner frischen Frucht ein Nonplusultra an Klarheit und Stringenz. Ganz grosse Klasse.

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