Ob begeisterter Amateur, wie wir es sind, oder Profifotograf - niemand würde die Stärken des über Jahrzehnte gereiften Systems mit Spiegeln und Prismen bestreiten. Digitale Spiegelreflexkameras sind genial: direkte Kontrolle über Bildkomposition und Schärfe im optischen Sucher, händisch bedienbare Objektive für jeden erdenklichen Zweck, eine Bildqualität, an die auch die besten Kompaktkameras nicht herankommen. Bloss: Im entscheidenden Moment hat man das tolle Instrument selten dabei: zu schwer und zu umständlich in der Handhabung, zu touristenhaft um den Hals baumelnd, zu sehr die Geduld der Gattin strapazierend.
Doch Panasonic hat mit einem neuen Wechselobjektiv-System, basierend auf dem spiegel- und prismenlosen Micro-Four-Thirds-Standard, womöglich eine Lösung unseres Spiegelreflex-Dilemmas am Start. Die kompakte Lumix G10, die wir ausgiebig testen konnten, ist der jüngste Spross dieser Familie und die derzeit leichteste Systemkamera der Welt. Die Fläche des Sensors, also gewissermassen deren «Film», ist fünf- bis neunmal grösser als bei einer herkömmlichen kleinen Digitalkamera. Dies ermöglicht eine stark verbesserte Bildqualität und weniger verrauschte Bilder unter schwierigen Lichtbedingungen.
Und tatsächlich: Ob Tulpenpracht im Gegenlicht, akrobatische Luftsprünge der beiden Haus-Hasen in der Dämmerung oder die kleine Nichte in voller Aktion - die G10 meistert fast jede Situation, und dies mit Spiegelreflex-Feeling. Zentrale Funktionen wie Blende, Verschlusszeit, Belichtungskorrektur und Schärfentiefe-Vorschau reguliert man über geschickt platzierte Knöpfe und ein patentes Einstellrad. Und wer mit dem mitgelieferten Standardzoom nicht glücklich wird, bedient sich aus der immer umfangreicheren Auswahl von passenden Objektiven. Darunter findet sich auch eine superflache sogenannte «Pfannkuchen»-Linse, womit die Kamera tatsächlich in einer Männerjackentasche Platz findet.
Fazit: Es ist erstaunlich, wie viel kreativer Spielraum und professionelle Funktionalität in diesen 336 Gramm preiswerter Kamera stecken. Wir hatten grossen Spass mit der G10, allerdings nur, solange wir unsere Bilder auf dem rückwärtigen LCD-Bildschirm komponierten. Wer dies doch lieber durch einen grossen, detailreichen Sucher tut jener der G10 ist wegen schwacher Auflösung nur ein Notbehelf –, muss zur teureren Schwester G2 greifen. Oder dann eben doch zu einer Spiegelreflex.













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