Die gefühlsintensive Erzählmaschine läuft wie geschmiert, nur die Maschinisten wechseln. Früher heizten Damen wie Hedwig Courths-Mahler («Die schöne Unbekannte») und Eugenie Marlitt («Das Geheimnis der alten Mamsell») mit Waisen, Omas und Prinzessinnen ein, mal feuerten Johannes Mario Simmel («Und Jimmy ging zum Regenbogen») und Heinz Günther Konsalik («Liebesnächte in der Taiga») mit Verschwörungen und Krieg die Lust an der Seichtigkeit des Scheins an. Heute sind es Stephenie Meyer («New Moon») und Nicholas Sparks («The Last Song»), die die Melo-Maschine am Laufen halten.
Im Schatten vom «Harry Potter»- und Vampir-Rummel mendelte sich ein kerniger und fleissiger Autor ins Scheinwerferlicht, der weder mit Fantasy noch mit sinistren Blutsaugern was am Hut hat: Nicholas Sparks, 45. Gleich zwei Verfilmungen kommen in kurzem Abstand in die hiesigen Kinos: «The Last Song» («Mit dir an meiner Seite») und «Dear John» («Das Leuchten der Stille»). Wunderschön anzusehende, solid gewienerte, aber bittere Kelche, gefüllt mit Liebe, Drama, Krankheit. Sparks dürfte als neuer Ziseleur schön verschlungener Schicksalszähren noch eine grosse Zukunft vor sich haben. Er versteht sein Handwerk ausserordentlich. Längst perdu die Zeit, in der das Personal verdruckst, irgendwie unausgelüftet und irgendwie auch schon krank aussah. Auch haben Sparks’ Figuren nichts vom popeligen Soap-Ensemble à la «Marienhof». Seine Figuren sind alle drahtig, sportlich, smart, deodoriert und schön wie Modekatalogmodels.
Ob mit weichem oder hartem Herzen, ob gut oder ein bisschen schuftig, ob jung oder grau meliert, alle sind Charaktermasken, unter denen nichts anderes steckt als das, was vorn drauf ist. Die Ökonomie der Sparks-Romane schliesst nichts entschiedener aus als die Ambivalenz innerhalb einer Rolle. Nachtseiten, das Abgespaltene, die Widersprüche einer Person äussern sich nur, quasi nach aussen gewuchtet, in Missverständnissen und Krankheiten. In «The Last Song» rebelliert eine propere Siebzehnjährige gegen ihren Daddy (der krank ist, was sie nicht weiss) und verliebt sich in einen süssen Bengel, der auch was hat. In «Dear John» ist der Held auch ein Fit-for-Fun-Typ, solid gebräunt und Surfer, dessen entzückendes Objekt seiner Zuneigung sich lieber um ein autistisches Kind kümmert. Und weil er in den Irak muss, verlieren sie sich. Wieder hilft ein Krebsleiden, um aus dem Halleluja ein Halali zu machen: Der Weg ist frei, das alerte Paar musste lange warten. Jetzt aber ran.













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