Samuel: Mit Danièle bin ich seit zwanzig Jahren zusammen und seit zwölf Jahren verheiratet. Als wir uns kennenlernten, war ich ebenfalls verheiratet und hatte mit meiner damaligen Frau das gleiche Abkommen wie mit meinen jetzigen beiden Frauen: Die Liebe darf und muss frei sein. Als es um die Realisierung der Idee ging, stand es meine Ex-Frau leider nicht durch, und es kam zur Trennung. Monogam leben wollte ich nie. Während viele andere Männer und Frauen versteckt fremdgehen und ihre Partner irgendwann verlassen, geht es bei Marianne, Danièle und mir darum, ehrlich auszusprechen, was Sache ist. Das tat ich, als ich vor dreizehn Jahren Marianne kennenlernte. Meine Pläne wurden von Danièle mitgetragen, so dass ich nie befürchten musste, sie zu verlieren. Seither leben wir zu dritt.
Danièle: Verstehen sich die Frauen in dieser Konstellation nicht, hat ein solches Experiment keine Chance. Die Situation ist anspruchsvoll genug, denn natürlich ist es auch uns erlaubt, neue Partner in die Beziehung zu bringen, und Samuel kann sich zusätzlich auf andere Frauen einlassen. Geschieht dies, erhöht sich das Risiko, dass es Unruhe gibt. Viele Menschen meinen, dass in einem Leben, wie wir es führen, alles tolerierbar ist. Das ist nicht so, wir geben uns unsere eigenen Regeln. So sind wir uns einig, dass bei allfälligen neuen Bewegungen unserer Dreierbeziehung Sorge getragen werden soll.
Samuel: Trotzdem könnte ich im schlimmsten Fall für einen anderen verlassen werden: Ich sorge deshalb wohlweislich sehr gut für alle, verteile alles – Geld, Liebe, Sex – gerecht, und meine Partnerinnen gegeneinander auszuspielen, kommt mir schon gar nicht in den Sinn.
Marianne: Man muss eine gewisse Reife haben und den Willen, eine solche Situation zu meistern, und zwar so, dass niemand zu kurz kommt. Andererseits reicht es nicht aus, wenn man nur intellektuell auf der Höhe ist und im Kopf alles versteht: Das Herz, die Emotionen sprechen manchmal eine andere Sprache. Anders als Danièle, die sich sehr bewusst für die freie Liebe entschied, rutschte ich eher in die Situation hinein. Am Anfang musste ich meinen Platz finden, die Eifersucht, aber auch die vermeintliche Position der ersten Frau machten mir zu schaffen. Danièle sagte mir immer wieder, ich dürfe gleich viel Platz einnehmen wie sie und ich sei im Familienbund genauso wichtig wie Samuel und sie selbst. Das half mir auf dem inneren Weg, der auch ein spiritueller ist. Den Vorteil unserer Beziehung sehe ich darin, dass niemand in seinen Bedürfnissen eingeengt wird.
Samuel: Die Liebe ist etwas Lebendiges. Sie fordert Verschiedenes zu verschiedenen Zeiten. Meiner Meinung nach ist das weitverbreitete monogame Beziehungsmodell aus reiner Bequemlichkeit dermassen populär und auch weil sich Paare gerne gegenseitig etwas vormachen. Verharrt man in der quasi romantischen Vorstellung, dass einem ein einziger Mensch alles geben kann und muss, kommt es zwangsläufig zu einem Bruch. Man scheitert an den Vorstellungen der idealisierten Liebe, die gar nicht unserer inneren Wirklichkeit, sondern einer gesellschaftlichen Konditionierung entspricht.
Danièle: Im Alltag geht es bei uns weniger wild zu und her, als es sich manche vorstellen: Wir Frauen arbeiten neben der Betreuung der zehn Kinder je hundert Prozent. Wir müssen also zwangsläufig sehr gut organisiert sein. Aus Platzgründen leben wir in eigenen Häusern, die aber nebeneinanderstehen. Samuel lebt abwechselnd bei mir oder bei Marianne. Bezüglich der Nächte wechselt er jeden zweiten Tag das Haus, im Übrigen ist er täglich mehrmals unterwegs zwischen den beiden Familien. Er ist total häuslich und kümmert sich auch sehr gut um die Kinder.
Samuel: Unsere Liebe entspricht vielleicht nicht den Normen, trotzdem gehen wir davon aus, dass sie für die Ewigkeit hält.













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