Hochzeit

Sprung ins kalte Wasser

Die Coiffeuse Melanie Horat, 26, und der Lagerist Reto Kleiner, 27, heiraten im Juni. Im verflixten siebten Jahr.

Von Franziska K. Müller

«Die Familienplanung steht bei uns auf dem Programm»: Brautpaar Horat-Kleiner. Bild: Lea Meienberg

Reto: Vor einigen Jahren brach meine Familie nach einem Drama auseinander, und der Kontakt zu den Eltern riss komplett ab. Damals ging es mir schlecht, und dann wurde ich, kaum zwanzigjährig, Vater. Ich fühlte mich dann doch reif für die Verantwortung, arbeitete viel, brachte das Geld nach Hause, und das erste Jahr mit meiner Tochter war für mich eine Erfüllung. Mit der Mutter des Kindes ging es leider nicht so gut. Wir waren unverheiratet, aber natürlich erkannte ich meine Vaterschaft offiziell an. Nachdem wir uns getrennt hatten, blieb mir nichts weiter als ein Stuhl, ein Bett, und das Theater ging erst richtig los. Ich kämpfte um meine Tochter, wollte sie sehen und für sie da sein. Aber meine Ex wollte nicht, und bei der Beratungsstelle sagten sie mir, ich hätte sowieso keine Rechte. Wortwörtlich sagten sie: «Die Tochter gehört der Mutter.» Glücklicherweise war zu diesem Zeitpunkt bereits Melanie in mein Leben getreten. Wir lernten uns im Sommer in der Badi kennen. Sie trug einen weiss-schwarzen Bikini und hatte knallrote Haare. Ich warf sie ins kalte Wasser.


Melanie: Das nervte ein wenig. Die Haare waren frisch gefärbt, die Farbe lief mir übers Gesicht, und die weissen Träger des Bikinis verfärbten sich rot.

Reto: Trotzdem blinzelte sie danach dauernd hinter dem Busch zu mir herüber. Mir gefiel ihr Blick. Beim Ausgang trafen wir wieder aufeinander, sie war in Begleitung ihrer Grossmutter, die ich kannte. Die schlaue Oma fragte mich, ob ich ihr einen Autoradio einbauen könne und ob ich ihr meine Handynummer geben würde. Dann tat sie so, als hätte sie keinen Schreiber dabei, und so kam Melanie in den Besitz meiner Nummer, worauf unsere Liebesgeschichte begann.

Melanie: Das ist jetzt sieben Jahre her. Die Enttäuschung mit seiner Tochter war schlimm für Reto. Ich unterstützte ihn. Wenn ihm das Kämpfen zu verleiden drohte, erinnerte ich ihn an die Geburtstage der Kleinen und an Weihnachten. Ich sagte ihm, dass er den Kontakt in jungen Jahren aufbauen müsse und dass das Kind immer seine Tochter bleiben werde, auch wenn es Schwierigkeiten mit der Mutter gebe. Aber es half schlussendlich nichts, denn seit einiger Zeit sieht er seine Tochter nicht mehr.

Reto: Die Situation war hoffnungslos. Dass mich Melanie in dieser Zeit unterstützte, werde ich ihr nie vergessen. Ich lernte sie als Menschen kennen, der die eigenen Emotionen unter Kontrolle hat. Eine andere Frau hätte diese Zeit nicht so souverän durchgestanden. Sie dachte an mein Wohlergehen und nicht an sich selbst, und das zeigte mir besser als tausend schöne Worte, dass sie mich liebt. Sie hat ganz junge Eltern, trotzdem lasse ich mir von ihrem Vater hin und wieder sagen, wos langgeht. Weil ich ihn respektiere und er mich. Melanies Familie ist heute wie meine eigene.

Melanie: Meine Grossmutter war erst siebzehn, als sie meine Mutter bekam, und meine Mutter war wiederum erst achtzehn, als ich geboren wurde. Mein Grosi erschien als jüngste Oma der Schweiz vor vielen Jahren sogar im Blick. Von daher sehen mich Mama und Grosi als Spätzünderin. Wenn es nach ihnen ginge, könnte ich schon lange Kinder haben.

Reto: Die Familienplanung steht bei uns auf dem Programm. Mit Melanie will ich verheiratet sein, weil ich sie liebe, aber auch, weil sich die amtlichen Dinge einfacher erledigen lassen, wenn man die Beziehung legalisiert.

Melanie: Den Antrag schrieb er auf ein riesiges Plakat, das er im Schlafzimmer aufhängte. Ich sah es gar nicht, als ich nach Hause kam. Er gab mir einen Filzschreiber und sagte: «Bring den bitte ins Schlafzimmer.» Ich antwortete: «Kannst du deinen Grümpel nicht selbst wegräumen?» Ich ging dann doch und machte das Kreuzlein sogar an der richtigen Stelle.

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