Der Tod: Guten Morgen.
Peter Kurer: Huch! Haben Sie mich aber erschreckt!
Der Tod: Ich wollte nur kurz vorbeischauen, um hallo zu sagen.
Kurer: Später, ich bin beim Frühstück.
Der Tod: Sie haben nicht viel Zeit.
Kurer: Stimmt. Zeit ist Geld.
Der Tod: Aber Geld ist nicht Zeit. Ich sehe, Sie essen mit goldenem Besteck?
Kurer: Ja. Morgenstund hat Gold im Mund.
Der Tod: Aber Sie essen ja nur das Gelbe vom Ei!
Kurer: Das ist meine Weissgelbstrategie. Das Weisse bleibt auf dem Tisch, das Gelbe vom Ei muss weg.
Der Tod: Verinnerlichen Sie Strategien immer mit dem Löffel?
Kurer: Weisheit ist essbar.
Der Tod: Und Wissen kann man trinken.
Kurer: Stimmt, deswegen spricht man ja auch vom Wissensdurst.
Der Tod: Und wer dumm ist, verhungert.
Kurer: Ich sehe, wir verstehen uns.
Der Tod: Und wenn ich Ihnen eine bittere Wahrheit serviere?
Kurer: Mir können Sie auftischen, was Sie wollen. Ich habe hier eine grosse Zuckerdose . . .
Der Tod: . . . mit der Sie sich
auch bittere Medizin ver-
süssen können?
Kurer: Ich löffle alles aus.
Der Tod: Mit einem ver-
goldeten Löffel.
Kurer: Und was haben Sie da
für ein Ding?
Der Tod: Das hier? Das ist
eine Sense.
Kurer: Sind Sie der neue
Gärtner?
Der Tod: Nein, der neue
Chauffeur.
Kurer: Und wie heissen Sie?
Der Tod: Hein Klapperbein.
Kurer: Sehr schön, aber Sie stören mich beim Frühstück, Hein.
Der Tod: Kein Problem. Behalten Sie den Löffel nur gleich in der Hand. Den können Sie nachher abgeben.
Kurer: Wieso? Wird gepfändet?
Der Tod: Haben Sie Schulden?
Kurer: Nicht dass ich wüsste.
Der Tod: Was sagt Ihr Gefühl?
Kurer: Kann man Schulden fühlen?
Der Tod: Schuldgefühle . . .
Kurer: Kann ich mir nicht leisten.
Der Tod: Schuldgefühle sind ein Luxus, den Sie sich nicht leisten können?
Kurer: Gefühle können einen in meinem Beruf teuer zu stehen kommen.
Der Tod: Gut, dann will ich Ihnen mal die Rechnung präsentieren, heute ist Zahltag.
Kurer: He! Was soll das? Nehmen Sie die Sense runter!
Der Tod: Sie werden abberufen.
Kurer: Entlassen?
Der Tod: Sozusagen.
Kurer: Aber ich habe doch schon gekündigt . . .
Der Tod: Sie werden verabschiedet. Verabschiedet aus dem Leben.
Kurer: Moment! «Hein Klapperbein» sagten Sie? Sind Sie der Tod?
Der Tod: Ja. Soll ich tanzen?
Kurer: Nein, halt, warten Sie! Ich habe ein Jahr Kündigungsfrist.
Der Tod: Was? Wieso das?
Kurer: Das steht in meinem Vertrag.
Der Tod: Sie haben das schriftlich?
Kurer: Ja hier, bitte.
Der Tod: Ha! Die Handschrift kenne ich. Haben Sie mit dem Gesellen öfter Geschäfte gemacht?
Kurer: Anwaltsgeheimnis.
Der Tod: Und was hat er für das Jahr Galgenfrist verlangt?
Kurer: Nichts.
Der Tod: Nichts?
Kurer: Er hat es mir einfach so gegönnt.
Der Tod: Dann muss er Sie mögen.
Kurer: Er war in der Tat erstaunlich freundlich.
Der Tod: Gut, dann komme ich halt in einem Jahr wieder.
Kurer: Überarbeiten Sie sich nicht.
Der Tod: Stehen Ihre Kollegen auch im Pakt mit diesem Gesellen?
Kurer: Wir haben für unsere Branche einen Gesamtarbeitsvertrag.
Der Tod: Ich habe Zeit. Wir sehen uns, wenn der Vertrag abgelaufen ist.
Kurer: Moment, warten Sie! Eine Frage noch: Gibt es eine Abgangsentschädigung?
Der Tod: Ja, aber Sie können sie nicht mitnehmen.













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