«Schon lange stören mich die undurchsichtigen Pensionskassen. Hier muss Ordnung gemacht werden.» Martha Bosshard
Amüsante Mutation
Nr. 10 – «Land am Tropf»; Urs Paul Engeler über den drohenden Kollaps des Schweizer Sozialsystems
Es ist schon amüsant, zu sehen, wie für die Weltwoche das vor kurzem noch so «weise Volk» (bei der Minarett-Initiative) plötzlich zum «egoistisch-rationalen» Volk (bei der Senkung des Mindestsatzes) mutiert.
Marcel Peter, Zürich
Mein Mann und ich sind genau solche «Abzocker»-Rentner. Er hat als ehemaliger Fachhochschul-Dozent eine gute Rente, und wir freuen uns jedes Mal, wenn am 25. die Zahlung aufs Bankkonto geht. Ich habe auch Nein gestimmt, aber nicht, weil ich nicht mit weniger Geld auskommen könnte, sondern weil ich mich schon lange störe an den undurchsichtigen Pensionskassen. Hier muss Ordnung gemacht werden. Ich schlage vor, dass sich die gescheiten Leute mal besinnen, wie dieses ganze Rentensystem besser im Griff gehalten wird, und ich garantiere Ihnen, dass ich die nächste AHV-Revision annehmen werde, auch wenn es viele Abstriche gibt. Martha Bosshard, per E-Mail
Schulmedizinischer Röhrenblick
Nr. 10 – «Bundesrat mit Nebenwirkungen»; Beda M. Stadler über den Aberglauben der Homöopathie
Es ist schon erstaunlich, wie resistent und naiv auch bürgerliche Politiker wie der Ständerat Rolf Büttiker wissenschaftliche Fakten negieren. Bis heute ist es keiner seriösen Studie auch nur ansatzweise gelungen, die Wirksamkeit der Homöopathie nachzuweisen. Die Apologeten dieses Globuli-Hokuspokus sind nicht einmal bereit, sich wissenschaftlich anerkannten Tests mittels Doppelblindstudien zwecks Überprüfung der (Un-)Wirksamkeit zu unterstellen. Die tausendfach verdünnten Wässerchen sind eine gefährliche Lüge gegenüber Patienten, die wirklich krank und auf Hilfe angewiesen sind. Wenn eine Essenz nur aus Wasser und Zucker besteht und kein einziges Molekül mehr enthalten ist, kann nur noch ein geistig Verwirrter an die Wirksamkeit dieser «Arzneien» glauben. Mit welcher Begründung soll schliesslich Handauflegern, Astrologen, Kartenlegern, Wahrsagern, Uriella oder Mike Shiva der gesetzliche Zutritt in das schweizerische Gesundheitswesen verweigert werden, wenn auch diese «Behandlungserfolge» ihrer Klienten, die ausschliesslich auf dem Placeboeffekt beruhen, vorweisen können? Wenn wir uns im Gesundheitswesen von wissenschaftlichen Kriterien vollends verabschieden, setzen wir ein verheerendes Zeichen.Dr. Pirmin Hotz, Zug
Dass sich die universitäre Medizin mit dem Volksentscheid zugunsten der Komplementärmedizin schwertut, war vorauszusehen, aber es könnte eine Chance sein, dass verhärtete Fronten aufbrechen. Mit Ewiggestrigen wie Herrn Stadler dürfte das allerdings nicht zu machen sein. Er gehört zu den bekannten Hardcore-Kritikern von Homöopathie und Alternativmedizin, besitzt selbst keinerlei praktische Erfahrung mit angewandter Naturheilkunde und muss als ideologisch verhärteter Schreibtischtäter bezeichnet werden. So behauptet Stadler, dass es keine positiven Doppelblindstudien zur Homöopathie gibt, was nicht der Wahrheit entspricht. Meta-Studien sind zugunsten der Homöopathie ausgefallen. Natürlich bleibt bei der Einschätzung jeder positiv verlaufenden Studie ein Rest an Unsicherheit. Hält jemand bestimmte schulmedizinische Verfahren ebenfalls für «Unsinn», könnte er deren positive Studienergebnisse mit dem gleichen Recht anzweifeln, wie das unversöhnliche Gegner wie Stadler mit der Homöopathie zu tun pflegen. In seinem Homöopathie-Verriss erwähnt er ausserdem, dass Homöopathie nichts enthält. Das weiss mittlerweile jedes Kind, aber ebenso gehört es heute zum Allgemeinwissen, dass Homöopathie aller Wahrscheinlichkeit nach mittels spezieller Informationen wirkt, mit denen Tropfen und Globuli imprägniert sind.
Professor Stadler hat sein materialistisches Atommodell so stark verinnerlicht, dass er meint, sein Glaube an das Modell sei echtes Wissen. Er hat noch nicht bemerkt, dass der Grossteil der allopathischen Medikamente vom Körper des Patienten mit starken Nebenwirkungen wieder ausgeschieden werden muss. Zum Teil führt das zu Vergiftungen. Der Körper des Menschen braucht eben meistens nur die Information, so wie sie in homöopathischen Medikamenten vorliegt. Homöopathen weigern sich nicht, Doppelblindstudien durchzuführen. Es fehlen hier leider die Steuergelder, die eine Schulmedizin nach Stadler mit ihren Studien wegfrisst.
Fritz Nussbaumer, Reinach
Diese Zeitung besteht nur aus ein paar Gramm Kohlenstoff, Wasserstoff und Sauerstoff. Trotzdem wird sie gekauft und kann beim Käufer die verschiedensten Reaktionen auslösen. Warum? Weil sie Information enthält, die von einem entsprechend ausgerüsteten Organismus gelesen und verstanden werden kann. Die Chemie ist nur Trägerin dieser Information und als solche unwichtig. Nicht anders ist es bei der Homöopathie. Die Globuli sind Informationsträger. Versteht der kranke Organismus die Information, wird er geheilt. Natürlich kann diese Information chemisch nicht nachgewiesen werden. Was aber nicht heisst, dass es sie nicht gibt. Die Information der Weltwoche kann chemisch auch nicht nachgewiesen werden, trotzdem ist sie für uns Leser wirklicher als der chemische Träger selber. Dass die Naturwissenschaft die gesamte Wirklichkeit erfasst, ist die philosophische Voraussetzung, das Axiom, auf dem der Artikel steht und mit dem er fällt. Martin Capeder, Zürich
Der erfrischend sachliche und nüchterne, zudem mit erfreulich spitzer Feder verfasste Beitrag von Beda Stadler bringt endlich wieder etwas Klarheit in den dumpfen Nebel, der sich seit der Einbindung von alternativen Heilmethoden im universitären medizinischen Lehrbereich ausbreitet. Zwar stimmt es nicht, dass die homöopathischen Zubereitungen nur Zucker und Wasser enthalten: In den Tropfen findet man erhebliche Mengen Alkohol — der ja durchaus nachweisbare Wirkungen hat. Allerdings werden dem «Medikament» jeweils ganz andere Eigenschaften zugeschrieben als jene des Alkohols; der Placeboeffekt ist dabei ausschlaggebend. Dass eine positive Einstellung bei vielen gesundheitlichen Störungen massgeblich zur Heilung beiträgt, ist unbestritten. Dies erklärt die Erfolge, welche mit der Homöopathie durchaus erreicht werden. Auch Voodoo kann manchmal heilen. Was ebenfalls dafür spricht, ist das Fehlen von Risiken und Nebenwirkungen — abgesehen von jenen im Kostenbereich. Das Geschäft mit Homöopathika blüht, das wissen auch etliche Politiker und Protagonisten der Branche. Dass jedoch die obligatorische Krankenversicherung die Kosten von Behandlungen übernehmen soll, für welche keine Wirkung nachweisbar ist, mutet angesichts der klammen Finanzen unseres Gesundheitswesens sonderbar an. Wer solche Behandlungen wünscht, soll sie erhalten, aber auf eigene Rechnung. Es geht ja nicht bloss um die vergleichsweise billigen Chügeli, sondern auch um die erheblich teureren Konsultationen.
Dr. Urs Reinhard, Winterthur
Auf die Barrikaden
Nr. 10 – «Deportiert nach Belgrad»; Alex Baur über den Entscheid des Bundesgerichts, eine Schweizerin nach Belgrad auszuschaffen
Wie oft haben wir beobachten können, dass Schweizer nach einem Ausschaffungsentscheid für die betroffenen Ausländer auf die Barrikaden gestiegen sind? Steigen wir auch für eine Schweizerin im umgekehrten Sinne auf die Barrikaden? Nein! Wir überlassen eine Schweizerin ihrem Schicksal, mit einem serbischen Ehemann, der sie schlägt und für die finanziellen Pflichten nicht aufkommen kann. Wie vielen ausländischen Frauen und Kindern gewähren wir genau aus solchen Gründen Asyl? Wieso vernachlässigen wir unsere eigenen Landsleute? Wie lange schauen wir angesichts solcher Kriechgänge gegenüber dem Ausland noch weg?
Frédéric-Marc Fluehmann, Dübendorf
Haustiere statt Kinder
Nr. 10 – «Schmerzhafte Natürlichkeit»; Nicole Althaus über Vorbehalte gegenüber der Kaiserschnitt-Geburt
Haustiere sind in der Regel schmerzfrei er- hältlich und günstiger im Unterhalt. Sie sind ausserdem pflegeleichter und anspruchsloser als Kinder, und es gibt für jeden Lifestyle das richtige. Passend zu den schmerzenden High Heels, in denen wir uns stundenlang quälen, nur um gut auszusehen. Das nenne ich Fortschritt und Emanzipation.
Anna Walbersdorf, Hebamme, Zürich
Vielen Dank für diesen herzerfrischenden Artikel. Ich bin heilfroh, dass ich meine Tochter in Frankreich geboren habe und nicht in der Schweiz. Hier scheint nicht nur die Still-Mafia, sondern auch die Verfechter der sogenannten natürlichen Geburt das Zepter fest in der Hand zu haben. In der Schweiz wurde ich auch von Ärzten schon schräg angeschaut, als ich sagte, ich hätte eine Periduralanästhesie bekommen. Als ob es nur um Lifestyle ginge! Diese wurde vom Gynäkologen aufgrund meines verminderten Lungenvolumens nämlich schon im Voraus eingeplant, da ich nicht «richtig» atmen und pressen konnte. Zu wenig Sauerstoff hätte für das Kind schwere körperliche und geistige Behinderungen zur Folge haben können. Das sollten sich die Verfechter der natürlichen Geburt einmal vor Augen halten. Dora Bigle, Bern
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