Patrick: Der einzige Umzug meines Lebens war total anstrengend. Der reinste Horror.
Nicole: Obwohl er nur ein Bett und einen Tisch zügeln musste, rief er mich verzweifelt an. Für mich war es der zweite Umzug, seit ich mit den Eltern aus dem grosselterlichen Bauernhaus in ein Einfamilienhaus umgezogen war. Nachdem wir jahrelang fast WG-mässig mit den jeweiligen Eltern zusammengelebt haben, geniessen wir seit zwei Jahren die Zweisamkeit in den eigenen vier Wänden.
Patrick: Es gibt aber auch Wochen, da sehen wir uns kein einziges Mal in wachem Zustand. An Nicole schätze ich auch, dass sie keine Klette ist und mich meine Sachen machen lässt. Ich bin im Vorstand des Hockeyklubs, im Töffklub, bei der Feuerwehr, in der Tiefbaukommission und im Feuerwerksverein.
Nicole: Ich spiele nur Trompete bei der Blasmusik unseres Dorfes. Als ich Patrick zum ersten Mal sah, kam er gerade kahlrasiert aus dem Militär. Für mich als Coiffeuse war er somit ein Tabu-Mann. Nach ein paar Monaten trafen wir uns wieder. Er hatte jetzt Haare auf dem Kopf und gefiel mir gut. Ich war siebzehn. Seither sind wir zusammen. Zusammengefasst kann man sagen: Liebe ist Vertrauen, und der Rest sind schöne Gewohnheiten, eine ähnliche Herkunft und Lebenspläne, die einander nicht im Weg stehen.
Patrick: Wir sind keine urbanen, superemanzipierten Kosmopoliten und wollen es auch gar nicht sein. Auch von daher drängen sich eine Ehe und Kinder auf. Wir kommen beide vom Land, und der Zufall will es, dass auch Nicole aus einer intakten Familie stammt, in der der Zusammenhalt und die Traditionen grossgeschrieben werden. Das hat uns beide geprägt. Was mir an ihr auch gefiel, war ihre berufliche Zielstrebigkeit. Kaum aus der Lehre, fasste sie den Entschluss, einen eigenen Coiffeursalon zu betreiben, und das zieht sie bis heute durch. Die beruflichen Ambitionen und die gesundheitlichen Probleme schweissten uns zusammen. Einmal erwachte ich und war blind. Viermal kugelte ich mir im Hockeytraining die Schulter aus. Auch Nicole hatte während der vergangenen zehn Jahre diverse Sportverletzungen. Wir standen uns immer bei, halfen einander, auch wenn der andere im Moment der Schwäche und der Krankheit nicht gerade den Idealvorstellungen entsprach.
Nicole: Nur einmal hat es in all den Jahren richtig gekesselt: Nach dem ersten Beziehungsjahr musste ich ihm das Messer auf die Brust setzen. Er war die ganze Zeit mit seinen Kumpels unterwegs. Ich sagte: «Du musst dich entscheiden, was du willst. Du kannst nicht alles haben.» Ich war zwar noch sehr jung, wusste aber genau, was ich von der Zukunft wollte: geregelte Verhältnisse. Patrick brauchte eine Woche Bedenkzeit. Schlussendlich entschied er zu meinen Gunsten. Trotzdem verliessen wir unsere Elternhäuser erst vor zwei Jahren.
Patrick: Ich hatte mich in der Zwischenzeit vom Sanitärinstallateur über den Maurer und die Berufsmatur zum Bauführer hochgearbeitet und war so gesehen eine akzeptable Partie.
Nicole: Als er mir den ersten Antrag machen wollte, ging ich an Krücken. Knieverletzung. Ich war frisch operiert und sah furchtbar aus. Was er organisieren wollte, ging glücklicherweise schief, und so organisierte er ein paar Monate später ein Essen in einem Restaurant, das wir beide gut kannten. Die ganze Familie war anwesend, der Tisch mit Herzli und roten Rosen dekoriert. Ich checkte nichts. Bis die Frage kam.
Patrick: Es wird eine normale Schweizer Heirat werden. Viel mehr gibt es nicht zu sagen, oder?
Nicole: Nein, eigentlich nicht.













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