Ende 2007 hatte das grösste Schweizer Hilfswerk Caritas 500 Projekte in Entwicklungsländern am Laufen. Ein gutes Jahr später waren es noch 380. Das ist eine erstaunlich starke Abnahme um fast ein Viertel. Gleichzeitig hat auch die von Caritas in Entwicklungsprojekte total investierte Summe abgenommen – allerdings nur um neun Prozent. Das bedeutet, dass die einzelnen Projekte im Schnitt deutlich teurer geworden sind: Gemäss den unabhängigen Entwicklungsfachleuten der Organisation Ideas kosteten sie 2007 durchschnittlich noch rund 136 000 Franken, ein gutes Jahr später waren es rund 163 000 Franken.
Warum ist die Zahl der Projekte innerhalb nur eines Jahres so stark gesunken? Welche konkreten Projekte gab es 2009 nicht mehr? Und warum sind die verbleibenden so deutlich teurer geworden? Auf Anfrage schreibt Caritas-Sprecher Odilo Noti, dass Caritas vermehrt Projekte in Programmen zusammenfasse. Darum nähmen die ausgewiesenen Projekte/Programme zahlenmässig ab. Projekte zusammenzufassen, sei sinnvoll, denn damit werde die Arbeit vor Ort effizienter. Als Beispiel nennt Noti die Region Pala im Tschad, wo es vorher je ein Caritas-Projekt für die Trinkwasserversorgung, für die Alphabetisierung von Frauen, für Ertragssteigerungen in der Landwirtschaft und für die Erosionsbekämpfung gegeben habe. Jetzt seien diese Projekte in einem einzigen Programm, «Integrale ländliche Entwicklung», zusammengefasst. Im Weiteren verändere sich bei einem Hilfswerk, das in der humanitären Arbeit aktiv ist, die Zahl der Projekte regelmässig – je nach Häufigkeit von Katastrophen.
Auf die Frage nach einer Liste der Projekte, die nicht weitergeführt oder zu Programmen zusammengefasst wurden, geht Noti nicht ein. Dafür korrigiert er die vom Journalisten gewählten Formulierungen: «Es ist falsch, hier von ‹nicht weitergeführten Projekten› zu sprechen. Die Projekte wurden beendet.» Und weiter: «Es wurden nicht einfach bestehende Projekte in Programme zusammengefasst, sondern es wurde ein Programm entwickelt, in das neue Projekte integriert wurden.»
Vor allem die letzte Bemerkung ist verwirrend: Wurden jetzt Projekte zu Programmen zusammengefasst – oder doch nicht? Die Weltwoche bittet um eine Klärung – und fragt erneut nach einer Liste der innert Jahresfrist «beendeten» Projekte. Die schriftliche Antwort von Caritas-Sprecher Odilo Noti kommt prompt: Er habe diese Fragen eben schon beantwortet. Überdies: «Die Überweisung einer grossen tabellarischen Übersicht über abgeschlossene und begonnene Projekte erachten wir nicht als sinnvoll.» Von daher erübrige sich auch ein Telefongespräch, wie es vom Journalisten vorgeschlagen wurde.
Caritas gab 2008 gemäss Jahresrechnung total 62 Millionen Franken für seine Entwicklungsprojekte aus. 12,6 Millionen Franken davon stammten von Spenden, Mitgliederbeiträgen und Patenschaften. Weitere 11,2 Millionen flossen Caritas über die Sammelinstitution Glückskette zu. Rund 10 Millionen Franken waren öffentliche Gelder, die Caritas über die Direktion für Entwicklung und Zusammenarbeit oder über Kantone und Gemeinden zugesprochen erhielt. Für die zahlende oder spendende Öffentlichkeit wäre es wichtig, überprüfen zu können, ob ihr Geld effizient verwendet wird. Zwingende Voraussetzung dafür wäre aber, zu erfahren, welche Caritas-Projekte es überhaupt gibt und welche aus irgendwelchen Gründen beendet wurden. Doch dazu schweigt sich Caritas aus – auch gegenüber den Medien.













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