Eigentlich liebe ich kleine Jahrgänge, grössere Quantitäten und oft die Weine, die beim Grossmeister aller Önologen unten durch sind. Nicht nur, weil es etwas günstiger ist, einen anderen Geschmack zu haben als Robert Parker. Ich verfolge gern, wie ein Wein sich verändert: von Jahr zu Jahr eben; und, im Keller, über die Jahre hinweg. So ausschliesslich meine ich das allerdings auch wieder nicht. Zuweilen brauchen wir schon die Messlatte, den Superlativ, den ganz grossen Jahrgang (so wie der die kleineren braucht wie sonst würde er in seiner Monumentalität sichtbar?). An der südlichen Rhone war 2007 so ein Gnadenjahr. Viel Wärme, aber auch viel Mistral im September machten die Ernte beim Châteauneuf-du-Pape (um nun doch Parker zu zitieren) zur «vintage of a lifetime». Was nicht ohne Folgen ist für die Preise. Aber was ist ein «teurer Wein»? Die Zeiten, in denen jeder Châteauneuf grundsätzlich ein Schnäppchen war, sind vorbei. Pierre Usseglio et Fils (nicht zu verwechseln mit dem ebenfalls exzellenten Betrieb Raymond Usseglio: Auf den beiden Gütern arbeiten heute die Enkel des in den dreissiger Jahren aus Italien eingewanderten Gründers) – Jean-Pierre und Thierry Usseglio also haben 2007 mit ihren Réserves «Cuvée du mon Aïeul» und «Réserve des Deux Frères» (100/100 Parker-Punkte, alle beide) Superlative gebaut, deren Preise entsprechend sein werden, wenn sie überhaupt auf dem Schweizer Markt anlangen. Die Dimensionen einer nicht für Oligarchen gedachten Kolumne werden sie gewiss sprengen. Aber Fr. 38.74 für den «normalen» Châteauneuf 2007? Da werde ich zum Marktschreier: Unbedingt zugreifen! Geschenkt! Denn «normal» ist an dieser unglaublich konzentrierten, dennoch feingliedrigen, duftig-wuchtigen Cuvée gar nichts. Ihr voluminös-voluptuöser Körper bewegt sich mit vollendeter Grazie; sie ist berückend vollmundig, fruchtsüss, rein, würzig. Erdig und jenseitig. Auch Liebhaber der önologischen Kammermusik sollten sich für einmal verführen lassen (und sich dies verzeihen). Sollten über ihren schlanken Schatten springen und sich in den Sound dieser Sinfonie der Tausend stürzen.













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