MvH

Mein hohes C

Unser Kolumnist geht an eine Pop- und an eine E-Kultur- Veranstaltung. Eine glänzt, von der anderen kann er auch etwas erzählen.

Von Mark van Huisseling

Vergangene Woche war ich in Zürich. Am Dienstag wurden die Swiss Music Awards vergeben, zum dritten Mal. Wenn man diese Veranstaltung vergleicht mit der sogenannten Swiss-Award-Gala, die es seit sieben Jahren gibt, kann man schreiben: Music bzw. die Verantwortlichen der Branchenvereinigung IFPI schlagen TV resp. die Verantwortlichen des Schweizer Fernsehens hands down. Es war richtig glanzvoll im Schiffbau – Kirsty Bertarelli (in Balmain, der Marke, die man zurzeit tragen muss) war dort oder Raquel Marquard mit Tochter Bianca Gubser (in Balmain ebenfalls), ferner Nadja Schildknecht. Es gab auch Gäste aus dem Ausland (Milow, Kesha, Bushido).

Und es ging fast jeder hin, natürlich, der irgendetwas mit Musik zu tun hat in der Schweiz oder mit Universal Music Switzerland bzw. Ivo Sacchi, dem Chef der Firma (sowie IFPI-Vorsitzenden in der Schweiz): Andres «Stress» Andrekson, Baschi, Boris Blank und Dieter Meier . . . Diese Künstler, nebenbei, veröffentlichen ihre Werke alle bei Universal. Zudem haben alle einen Award gewonnen (ausser Baschi; «Stress» hat dafür zwei Awards gewonnen). Darüber kann man sich aufregen, wenn man Künstler ist (und nicht bei Universal). Doch nicht, wenn man MvH ist. Dann findet man, lieber eine gute Award-Veranstaltung, die vielleicht ein wenig Hautgout hat, als eine langweilige Award-Veranstaltung, die vielleicht ein wenig Hautgout hat. Antoine «DJ Antoine» Konrad, übrigens, hat auch einen Award gewonnen: «Best Album Dance National.» Von mir bekommt er einen weiteren: «Best Kolumnisten-Pampering (National).» Zuerst stellte er mich dem legendären DJ Mr. Mike («Glanz & Gloria») vor («Mark is a famous journalist»), den ich nicht kannte. Dann gab er mir seinen Award, einen Würfel aus Beton, zum Halten für ein Foto von uns. Roman Camenzind fragte ich, ob er eigentlich die in Schriftsprache gesungenen Lieder von Baschi produziert habe. Er sagte: «Nein, du weisst doch, ich mache Hits.»

Am Samstag war der Opernball. Nach den Vorinformationen hatten viele Leute hohe Erwartungen, vermutlich (10. Jubiläum, 1400 Besucher, Kartenpreis 900 Franken/Person). Aber die «Freunde der Zürcher Oper» (das Patronat) standen deswegen kaum unter Druck, so sah es aus. Dass vor dem Opernhaus-Eingang eine Baustelle ist, ist nicht ihre Verantwortung, klar. Eine andere Geschichte ist, dass es keine Möglichkeit gab, mit dem Wagen vorzufahren. Und keinen Teppich (rot oder lila, von mir aus, die Farbe, die Intendant Pereira für die Kleider der Frauen wünschte) – das hätte den Weg durch die Nacht über Schnee und Eis weniger Antiklimax-mässig gemacht. In anderen Städten, nur zum Sagen, stellen sie Zelte auf bei schlechtem Wetter und Heizlampen. Und sie haben Festbeleuchtung vor dem Eingang.

Von nun an ging’s bergauf. Das heisst, die Gästeliste, genauer die halbfetten Namen, war ein bisschen mager, in meinen Augen (wenigstens Martina Hingis, mit Verlobtem). Die Gesangsdarbietung von Vittorio Grigolo («O sole mio» u. a.) hat mir gefallen. Das Menü, jedenfalls der Hauptgang – «edel gefüllter Kalbsrücken» stand auf der Karte –, war underwhelming. Der Tanz der Debütanten danach ging zu Herzen. Zuvor war mir Sacha Wigdorovits begegnet. Er hatte in seinem wöchentlichen Rundbrief geschrieben, MvH möge es nicht, wenn man ihn als Journalisten einlädt statt als Gast («sitzt nicht am Pressetisch»). Das stimmt. MvH mag es dagegen, wenn der PR-Profi für zweifelhafte Fälle (Tages-Anzeiger) seine Botschaft verbreitet, ohne Auftrag und Lohn. Wir sassen am selben Tisch, nebenbei (Nr. 8, «La clemenza di Tito»). Ein Unterschied: The redhead und ich oben, nahe der Tanzfläche; Wigdorovits und Ingrid Deltenre, die mir sympathisch ist, übrigens, unten, nahe dem Vorhang, hinter dem die Kellner das Essen holten. (The redhead und ich waren Gäste von Bernd Stadlwieser, Chef von Thomas Sabo, einem Schmuck- und Uhrenhersteller).

Zum Schluss vier Zeilen aus einer befreundeten Zeitschrift, sozusagen. «Peinlich. Weltwoche-Kolumnist Marc van Huisseling trägt demonstrativ sein Buch ‹Wie man berühmte Menschen trifft› unterm Arm» (Schweizer Illustrierte, unter der Überschrift «Opernball Party-Facts» immerhin). Wie ich immer sage: Egal, was sie schreiben, solange mein Name richtig ist – Mark, mit k, nicht Marc, s’il vous plaît.

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