«Sie müssten schon darlegen können, dass Reinhardt sicherheitsrelevante Fehler begangen hat.» Roland Burkhard
Tadellose Arbeit geleistet
Nr. 9 – «Der finale Rettungsschuss»; Alex Baur über den Tod des Bündner Polizeikommandanten
Ich habe Ihren offensichtlich intensiv recherchierten Artikel über den tragischen Tod von Polizeikommandant Markus Reinhardt mit Interesse gelesen, gehe aber in einem Ihrer Schlüsse nicht ganz mit Ihnen einig. Wohl war es angebracht, die politischen Intrigen um seine Person herum publik zu machen. Aber ihn selber als seit Jahren bestehendes «Sicherheitsrisiko» einzustufen, geht zu weit. Markus Reinhardt, den ich in meiner Funktion als früherer stv. Chef der Bundespolizei persönlich gekannt habe, hat in all seinen vielen Funktionen (als Polizeikommandant, Armeeoffizier, WEF-Sicherheitschef etc.) über Jahre hinweg und bis zuletzt hervorragende, tadellose und schweizweit anerkannte Arbeit geleistet; auch aus Ihren Recherchen geht kaum viel mehr hervor, als dass er offenbar von Zeit zu Zeit ein Glas zu viel trank. Natürlich ist das keineswegs okay und zu beanstanden. Aber in Anbetracht der geballten Last Ihrer Vorwürfe an ihn («seit Jahren ein Sicherheitsrisiko») müssten Sie schon darlegen können, dass er in entscheidenden Momenten, weil nicht handlungs- bzw. entscheidungsfähig, sicherheitsrelevante Fehler begangen hat, welche die Öffentlichkeit gefährdet haben oder hätten gefährden können. Welche denn?
Roland Burkhard, Bern
Monopolisierung muss vermieden werden
Nr. 9 – «Eine Art Staatsbüstenhalter»; Peter Wehrli über Hilfsgeräte für Behinderte
Vor vielen Jahren definierte die damals linksliberale Weltwoche den typischen Spender als «ältere katholische Frau vom Lande». Wenn Peter Wehrlis Artikel die Sache mit den Hilfsmitteln auch leicht verständlich auf den Punkt bringt, wird diese Spezies von Mensch nichts begreifen (wollen). Zu tief sitzen die Bilder des armen (und hoffentlich arm bleibenden) Behinderten in den Köpfen jener Menschen, die Behinderten zur Weihnachtszeit ein mildes Scherflein zukommen lassen wollen. Böse Zungen behaupten, Spenden für Behinderte seien ein Kuhhandel mit dem lieben Gott gegen eigene Behinderung. Statt den Behinderten Geld zu geben, damit sie sich ihre Hilfsmittel selbst kaufen können, wird weiter über sie verfügt, denn alle profitieren davon: die Hilfsmittelindustrie, die Behindertenfunktionäre, die Behindertenorganisationen, die Behindertenbetreuer, die Heimindustrie und das BSV – nur die Behinderten nicht.
Walter Fischer, Buttwil
Nicht notwendige Deckung
Nr. 9 – «Die Hundert-Milliarden-Franken- Belastung»; Pierre Heumann über öffentlich-rechtliche Pensionskassen
Der Ständerat hat am 3. März beschlossen, dass öffentlich-rechtliche Pensionskassen nur noch einen Deckungsgrad von achtzig Prozent ausweisen müssen. Zu Recht. Es ist absurd anzunehmen, dass zum Beispiel am 20. März 2010 alle Gelder der Pensionskassen an die Versicherten ausbezahlt werden müssen und somit ein Loch von hundert Milliarden entstehen würde. Dies aus folgenden Gründen: Kein Mensch unter 60/59 hat Anrecht auf Auszahlung seines Pensionskassenkapitals. Ein Dreissigjähriger muss noch dreissig Jahre warten, bis er auf Pensionskassengelder zugreifen kann. Die Ausnahmen: Selbständigkeit und Wohnförderungsgesetz. Für den Erwerb von Wohneigentum kann man auf die Pensionskassengelder zurückgreifen, entweder durch Auszahlung oder durch Belehnung. Es sind jedoch Einschränkungen zu beachten. Der Bezug kann bei über Fünfzigjährigen höchstens die Hälfte des Kapitals, das beim Bezugsdatum vorhanden ist, oder den Betrag, der mit fünfzig vorhanden war, betragen. Dieses Gesetz zeigt auf, dass eine Hundert-Prozent-Deckung nicht notwendig ist. Roman Solinger, Zufikon
Zu Lasten der unteren Lohnkategorien
Nr. 9 – «Vox populi, lex irrealis»; Urs Paul Engeler über die «Abzocker»-Initiative
Der Artikel geht an der Problematik vorbei. Was sollen Berechnungen darüber, welchen Nutzen die Verteilung der überrissenen Bezüge gewisser Manager dem einzelnen Aktionär pro Aktie brächte oder wie viel jeder Schweizer persönlich davon profitierte, wenn solche Löhne auf den einzelnen Bürger verteilt würden? Die Feststellung, dass es dabei lediglich um ein paar Rappen pro Aktie oder einige Franken pro Bürger gehe, hat doch mit dem Problem, das hier zur Debatte steht, so gut wie nichts zu tun. Finanzielle Ansprüche an ein Unternehmen haben nur Arbeitnehmer, Gläubiger und Investoren. Die Allgemeinheit, das heisst der Staat, hat nur Anspruch auf Steuern und Abgaben. Die Frage ist doch, ob überhöhte Managerlöhne zu Lasten der untern Lohnkategorien gehen dürfen oder nicht. Es darf nicht sein, dass oben so grosszügig abkassiert wird, dass für die grosse Zahl der einfachen Mitarbeiter zu wenig übrigbleibt. Hier für gerechtere Verhältnisse zu sorgen, ist der Inhalt dieser Debatte, und sonst gar nichts.
Gregor Plutschow, Wernetshausen
Ich bin erschüttert. Der Autor scheint völlig resistent zu sein gegen alle überaus deutlichen Zeichen des Volkszorns über die Resultate verantwortungslos praktizierten, freisinnig-inspirierten Handelns von Exponenten unserer Wirtschaftselite. Sogar wenn die haushoch angenommene Minder-Initiative rein gar nichts bringen sollte, wird unmissverständlich ein weiteres Mal klar werden, dass das Schweizervolk die Nase überaus voll hat vom Verhalten der Wirtschafts- und bürgerlichen Politik-Elite. Seien wir doch froh, dass das Volk seinen Zorn vorläufig nur in sehr zivilisierter Form zum Ausdruck bringt. Es könnte ebenso gut auch eine veritable Revolution daraus entstehen. Wenn sich nichts ändert, werden wir das vielleicht auch noch erleben (müssen). Die Geschichte verläuft ja bekanntlich in Zyklen.
Kurt Gschwind, Lupsingen
Durchsichtiger, fauler Vorwand
Nr. 9 – «Eine Generation tritt ab»; Peter Forster über Zivildienst und Armee
Diesen Zustand hat uns der Vorgänger von Bundesrat Ueli Maurer eingebrockt. Der gute Wille, die Schweiz zu verteidigen, ist zum Teufel. Wer will schon einer Armee beitreten, die in absehbarer Zeit bereit sein wird, Europa zu verteidigen, wie das im Vertrag von Lissabon nachzulesen ist? Da die wenigsten der «Landesverteidiger» diesen Vertrag auch nur in Händen hatten, sei den Analphabeten verziehen. Nachdem der EU-Vertreter in unseren Schulen Reklame für einen EU-Beitritt betreibt, die Armee gemeinsame Übungen mit EU-Mitgliedern macht und im Begriff steht, Kampfflugzeuge trotz CD-Diebstählen von Deutschland oder Frankreich zu kaufen, sind die Gewissensprüfungen ein durchsichtiger, fauler Vorwand, sich von der Landesverteidigung zu drücken. Man sollte den Leuten endlich zugestehen, dass die eben erwähnten Begründungen weit stichhaltiger wären. Der Bundesrat soll sich selber an der Nase nehmen und endlich gegenüber dem Volk ehrlich sein und die Armeeabschaffung nach dem EU-Beitritt in Aussicht stellen – oder dann erst recht aufrüsten.
Heinrich J. Schmid, Dornach
Vermeintlich gute Tipps
Nr. 9 – «Gute Nacht, Schweizer Franken»; Peter Bodenmann über Fremdwährungskäufe
Mit ökonomischem Sachverstand können auch planwirtschaftlich verblendete Weltverbesserer keine Luftschlösser bauen. Dazu braucht es heisse Luft. Und ebendiese produziert der Autor seit Jahren, indem er unsere SNB-Apparatschiks mit vermeintlich guten Tipps versorgt. In einer freien Geldwirtschaft würden ihm die heutigen Inflationsopfer – übrigens die Mehrheit seiner Parteiwähler – beruhigt zurufen können: «Hey, bleib am Boden, Mann!» Johannes Müller, Bern
Ihr Kolumnist irrt leider gewaltig in der Annahme, dass ein schwacher Schweizer Franken das Heil aller Dinge wäre. Im Gegenteil: Ein starker Franken hat die Schweizer Wirtschaft über die letzten Jahrzehnte stark gemacht und fit gehalten. Eine starke Währung ist ein zentrales Element der Schweiz und Teil ihres langfristigen Erfolges. In dem Sinne muss man sogar befürchten, dass die SNB von dieser Tugend abkommt und die Währung abzuschwächen versucht.
Michael Gubser, Zollikon Dorf
Leichtsinnige Einstellung
Nr. 8 — «Ich bleibe bei der Wollmütze»; Boris Johnson über den Skihelm-Zwang
Immer wieder schön zu sehen, dass es noch ein paar unerschrockene Abenteurer und ewiggestrige Romantiker gibt, die sich gerne an die alten James-Bond-Zeiten zurückerinnern. Nur leider sind wir in der Zeit von Kunstschnee, Carvingski und hochmodernen Skitransportanlagen angelangt. Dies hat entgegen der etwas naiven und leichtsinnigen Einstellung des Autors zufolge, dass ein xfaches an Menschen auf den gleichen Piste deutlich schneller mit Carvingski und dank Kunstschnee meist auf harter Unterlage unterwegs ist. Leider ergeben diese Faktoren zusammen ein deutlich erhöhtes Risiko, was sich auch in Unfallstatistiken und schweren Verletzungen widerspiegelt. Ist es da nicht mehr als sinnvoll, das Wichtigste am Körper, nämlich den Kopf, zu schützen? Anscheinend ist bei Herrn Johnson nicht nur die Nase getroffen worden, zu hoffen bleibt, dass der Baum beim Crash keinen Schaden genommen hat.
Vielen Dank für den erfrischenden Artikel zu Skihelm und Sicherheitsgefühl! Ich fühle mich Herrn Johnson sehr verbunden und bin ebenfalls überzeugt, dass der Helm vielen Leuten ein falsches Sicherheitsgefühl gibt und sie dadurch viel schneller und riskanter fahren. Wie schon eine psychologische Untersuchung aus dem Strassenverkehr bei anderer Gelegenheit aufzeigte: Hätten die Leute ein Nagelbrett anstelle eines Airbags, würden sie viel angemessener fahren und es gäbe weniger schlimme Unfälle. Ich denke, Boris Johnson wäre der perfekte Kandidat für den gutschweizerischen Kompromiss einer Ribcap.
Judith Zweifel, Interlaken
Weltwoche allgemein
Dass der «Rückkehrer» Walter De Gregorio wieder zu Ihrem Team zählt, freut mich besonders, denke ich doch im Zusammenhang mit dessen Namen stets an das von ihm in der Weltwoche kommentierte Fussballspiel gegen eine Promi-Mannschaft Ecuadors vor etwa zwei Jahren, bei deren gegnerischer Mannschaft De Gregorio eben auch als Spieler mittat und vom Präsidenten (und Spieler) Evo Morales arg ramponiert worden ist. Undankbar für De Gregorio wars, doch jener Artikel ist unübertrefflich gewesen! Andrea Fehr, Jona
Korrigenda
Zum Artikel «Wer trägt die Verantwortung?» von Carmen Gasser (Weltwoche Nr. 9/10) legt die Swisscom wert auf folgende Präzisierung: «Die erwähnten zwei Milliarden Euro beziehen sich auf die gesamten Transaktionen, wovon mehr als 80 Prozent auf Telecom Italia/Sparkle fallen. Und: Drittunternehmen ausserhalb Fastweb haben ihre Mehrwertsteuer-Pflicht gegenüber dem Staat nicht wahrgenommen. Bei Fastweb stellt sich die Frage, ob sie die vom Unternehmen an Dritte gezahlte Mehrwertsteuer wieder zurückfordern können. Bislang hat Fastweb diese Mehrwertsteuer-Beträge (rund 70 Mio. Euro) nicht vom italienischen Staat zurückbekommen. Somit ist durch Fastweb direkt beim Staat bisher kein Schaden entstanden.»
Im Artikel «Maos Topmanagerin» von Peter Achten (Weltwoche Nr. 9/10) wird mehrfach Ponoma in Kalifornien als Wohnort von Cheung Yan erwähnt. Der Ort heisst richtig Pomona und liegt knapp dreissig Meilen östlich von Downtown Los Angeles.
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