Die Eidgenossenschaft hat Probleme. Ihre Regierung ist eine lose Gruppe von wenig überzeugenden Egomanen. Das Parlament ist in Teilen zur Manöveriermasse von zunehmend einfältigen Medien geworden, und die Judikative lässt sich für alles und jedes zu viel Zeit. Parteisekretariate reagieren auf jede Zuckung in der Tagesaktualität. In einigen Fällen entstehen ihre nichtssagenden Stellungnahmen zum Voraus. Je nach Ergebnis wird dann die passende aus der Schublade gezogen. Weiteres entwickelt sich nicht zur vollen Zufriedenheit. Der Zusammenhalt über die Sprachgrenzen hinweg leidet. Schlimmer noch: Man ignoriert sich zunehmend. "Idée Suisse": Schön wär's. Und die Kantone beginnen, Aussenpolitik zu betreiben, anstatt sich ihren Hausaufgaben zu widmen.
Aber die Eidgenossenschaft hat Probleme von einer Dimension, die beinahe überall um uns herum als Erlösung gefeiert würden. Denn ganz zentral Wichtiges funktioniert in der Willensnation Schweiz weiterhin ganz hervorragend. Für viele jenseits unserer Grenze schon beinahe unverständlich gut. Das Kleinteilige und die mehrfache Machtteilung, ergänzt und komplettiert durch die Instrumente der direkten Demokratie führen immer noch zu Resultaten, die sich sehen lassen. Politiker und demnächst sogar Manager-Egomanen werden gezügelt. Das Gesamtwohl ist Resultante eines ausgeklügelten Systems, das sich die Eidgenossen aller Sprachen, Konfessionen und sonstiger Eigenheiten nicht werden abkaufen lassen.
Die vier wichtigsten, wirtschaftspolitischen Pfeiler für die Standortqualität unseres Landes ruhen auf Fundamenten, um die uns jeder Konkurrent beneidet. Oder jedenfalls beneiden müsste. Die Wirtschafts- und Finanzpolitik ist unaufgeregt solid. Die Geldpolitik der Nationalbank bleibt mit an der Weltspitze (auch wenn Journalisten wie Philipp Loepfe und Werner Vontobel sowie Peter Bodenmann, Hotelier aus Brig, sich lieber eine schwache bzw. sogar eine andere Währung wünschten), und die Sozialpolitik ist bedeutend besser als sie dargestellt wird. Man vergleiche mal unsere AHV- und IV-Probleme (und selbstverständlich auch deren Leistungen) mit den diversen Systemen und deren Zukunftsaussichten in den EU-Ländern. Die wären ausnahmslos froh, sie hätten unsere Probleme. Die ganz heissen Eisen der Nachhaltigkeit der Altersversorgung etwa in Frankreich - Leistungsprimat (von Griechenland soll hier mal schon gar keine Schreibe sein) oder jener im privaten Sektor des UK - Beitragsprimat - sind so brisant, dass sie im Augenblick allenfalls die Aufmerksamkeit von Hedge Funds erregen. Politiker schauen hier lieber weg. Auch in der Bildungspolitik, ganz bestimmt auf oberster Stufe der ETHZ und der ETHL, braucht sich die Eidgenossenschaft nicht zu verstecken. Sehr zurückhaltend ausgedrückt.
Wenn die Eidgenossenschaft, ohne Überheblichkeit, ihren Sonderfall verteidigt, dabei Ausländerfeindlichkeit strikte vermeidet und ihre Aufmerksamkeit weiterhin über die EU hinaus aufrecht erhält sowie Solidarität für die Ärmsten der Armen auf der Welt praktiziert, dann wird uns nicht bange.













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