Ausländerpolitik

Eklatante Widersprüche

Sans-Papiers erhalten AHV-Ausweise und sollen eine Berufslehre machen dürfen. Damit verletzen Parlament und Behörden vorsätzlich die rechtsstaatlichen Prinzipien der Schweiz.

Von Daniel Glaus

Justizministerin Eveline Widmer-Schlumpf hatte zum Auftakt der Sondersession zur Migrationspolitik schon rund zwanzig Minuten gesprochen («Bereits 1920 hatten wir einen Fünftel Fremdgeborene in unserem Land [. . .] und es gibt die Schweiz trotzdem – oder deshalb – immer noch»). Plötzlich traute Nationalrat Ruedi Lustenberger (CVP, LU) seinen Ohren nicht mehr: Hatte Widmer-Schlumpf tatsächlich gesagt, «gewisse Kantone» würden «graue» AHV-Ausweise ausstellen an Sans-Papiers, obwohl diese gar nicht arbeiten dürfen?

Auch andere Nationalräte drehten ungläubig den Kopf zum Nachbarn, doch Lustenberger reagierte rasch und hakte nach. Widmer-Schlumpf musste bestätigen: «Ich habe Ihnen gesagt, es gibt Kantone, die Sozialversicherungsbeiträge von Sans-Papiers abrechnen, also auch einziehen. Wir sind im Gespräch mit diesen Kantonen und suchen hier auch Wege. Das habe ich Ihnen so gesagt. Ich habe Ihnen nicht gesagt, dass ich das toleriere.»

Umfrage: Berufslehren für Sans-Papiers - Was ist Ihre Meinung?

Das würde Lustenberger auch nicht durchgehen lassen. Der Vizepräsident der Geschäftsprüfungskommission (GPK) hat eine Interpellation eingereicht. Er will wissen, wie die BDP-Justizministerin mit diesem «grundsätzlich verfassungswidrigen Missstand» umgehen will und ob sie gegen die fehlbaren Kantone vorgehe. Um welche Kantone es sich handelt, ist nicht bekannt. Der Druck auf die Kantonsbehörden und die oberste Migrationsverantwortliche Widmer-Schlumpf ist gross. Denn dass illegal arbeitende Ausländer AHV-versichert sind und somit auch eine Rente beziehen können, halten selbst linke Parlamentarier für «rechtsstaatlich bedenklich», wie sich Nationalrat Andy Tschümperlin (SP, SZ) ausdrückt.

 

Unerkannt um jeden Preis

Die Schizophrenie ist offenkundig: Ausländerrechtlich gibt es diese Personen nicht, versicherungstechnisch aber schon. Man nennt sie «Sans-Papiers», aber stellt ihnen staatliche Dokumente aus – also sind sie gar nicht «papierlos». Zu dieser Situation kann es kommen, weil die AHV-Ausgleichskassen nicht verpflichtet sind, den Aufenthaltsstatus eines Arbeitnehmers zu überprüfen. Das Bundesamt für Migration (BFM) will deshalb einen automatischen Informationsaustausch zwischen allen Sozialversicherungsämtern (siehe Interview rechts).

Die Nationalräte pochen zwar im Fall der AHV-Ausweise auf Prinzipientreue und wollen die Ämter zurückpfeifen – doch eine Mehrheit der Grossen Kammer hat am selben Tag der Sondersession zur Migrationspolitik fern von Prinzipien gehandelt: Sie nahm ein Postulat an, das die Krankenversicherung von illegal Anwesenden fordert. Der Nationalrat hat zudem den Bundesrat per Motion beauftragt, illegalen Jugendlichen eine Berufslehre zu erlauben.

Bei der Krankenversicherung geht es um die Frage, wer die Kosten trägt, wenn nicht versicherte und zahlungsfähige Sans-Papiers Leistungen beanspruchen, die über reine Nothilfe hinausgehen. Die Politik steht vor dem Widerspruch, dass die Krankenversicherungen auch Sans-Papiers in die Grundversicherung aufnehmen müssen und das Obligatorium zur Krankenversicherung auch illegale Bewohner mit einbezieht – diese aber um jeden Preis unerkannt bleiben wollen.

Das Problem wird verdrängt

Die Mehrheit des Nationalrats hat die Berufsbildung für Illegale mit der Fairness begründet. Denn während Sans-Papiers in der Schweiz Kindergarten und Volksschule besuchen dürfen und ihnen auch Gymnasium und Hochschulen offenstehen, ist die Laufbahn für schulisch Schwächere mit sechzehn Jahren zu Ende. Den Unterschied macht ein Kreuzchen auf dem Lehrvertragsformular: Wer nicht Schweizer ist oder einen C-Ausweis besitzt, muss den Status angeben. Illegale riskieren damit die Ausweisung. Diesen Punkt muss der Bundesrat nun im Auftrag des Nationalrats vom Formular verschwinden lassen – wenn denn der Ständerat derselben Meinung ist.

In der Grossen Kammer hatte Nationalrat und Gewerbeverbandsdirektor Peter Malama (FDP, BS) genügend Freisinnige und Christdemokraten vom Vorstoss überzeugen können, damit es für eine Mehrheit reichte. Er hält es für «widersprüchlich», dass Sans-Papiers der akademische Weg offensteht, aber nicht die Berufsbildung. Der Druck komme auch aus dem Gewerbe: «Einige Unternehmer haben sich schon bei mir gemeldet und gesagt, sie hätten im Verlauf der Ausbildung gemerkt, dass ihr Lehrling illegal in der Schweiz lebt.» Die Chefs wollten nicht auf die «überdurchschnittlich pflichtbewussten und engagierten» Lehrlinge verzichten, machten sich damit aber strafbar. Als weiteres Argument führt Malama an, dass die Jugendlichen nicht für den Status ihrer Eltern büssen sollen.

Isoliert betrachtet, mag die Argumentation von Malama schlüssig wirken, doch sie verdrängt das grundsätzliche Problem. Selbst Malamas Parteikollege Philipp Müller (FDP, AG) stellt fest: «So hebeln wir das geltende Ausländergesetz aus und können es gleich schreddern.» Schon heute würden minderjährige Asylsuchende in die Schweiz geschleust, weil unter 18-Jährige kaum ausgewiesen werden könnten. Erhielten Illegale das Recht auf eine vollständige Ausbildung, spreche sich das herum und führe zu einer Sogwirkung, warnt Müller. «Es geht ums Prinzip: Ist jemand legal hier oder illegal?»

Die Diskussion um die Berufslehre offenbart schonungslos, was sich auch beim AHV-Ausweis und der Krankenversicherung für illegal anwesende Schwarzarbeiter zeigt: «Der Gesetzgeber ist halt einfach davon ausgegangen, dass es keine Illegalen gibt», sagt Thomas Gächter, Professor für Staats- und Sozialversicherungsrecht an der Universität Zürich. Der Nationalrat hat sich mit durchaus noblen Absichten in einem Flickwerk von Gesetzesänderungen verloren und dabei rechtsstaatliche Prinzipien missachtet. Er öffnet den Illegalen mit Berufs- und Hochschulbildung, Krankenversicherung und AHV-Renten die Türen zur Integration – obwohl es für diese Menschen keine Zukunft gibt in der Schweiz: Wer ohne Bewilligung in der Schweiz lebt, muss ausreisen. So haben es Parlament und Volk beschlossen.

Konsequent umgesetzt wird dieser Grundsatz allerdings nicht. Das beweist die Anzahl der Sans-Papiers in der Schweiz: Schätzungen gehen von bis zu 300 000 aus. Ohne Bewilligung hier sind Frauen aus Lateinamerika, den Philippinen, Osteuropa und Ex-Jugoslawien, die als Putzfrauen oder Kindermädchen arbeiten. Illegal hier leben und arbeiten auch ehemalige Saisonniers, die ihre Aufenthaltsbewilligung verloren haben, als das Statut Mitte der neunziger Jahre aufgehoben wurde. Zudem gibt es eine unbekannte Zahl von Asylsuchenden, die abgewiesen wurden oder auf deren Gesuch nicht eingetreten wurde. Sie sind vor dem definitiven Ausreisetermin untergetaucht («unkontrollierte Ausreise» heisst das im Beamtenjargon).

Hin zum gläsernen Ausländer

Wenn das Volk gesetzliche Vorgaben macht, haben Parlament und Behörden sich daran zu halten. Doch sie haben ein absurdes Konstrukt geschaffen, in dem ein Mensch des Landes verwiesen wird, sich aber trotzdem so weit integrieren darf, dass er nach mindestens fünf Jahren ein Härtefallgesuch stellen und in vielen Fällen auch bleiben kann. 2008 wurden schweizweit 845 von 1026 Härtefallgesuchen angenommen. Die einzelnen Entscheide mögen aufgrund der menschlichen Schicksale nachvollziehbar sein – das System ist es nicht.

Ein Ausweg aus der unhaltbaren Lage zeichnet sich nicht ab, die Positionen klaffen weit auseinander. Balthasar Glättli, Geschäftsführer des Sans-Papiers-Hilfsvereins Solidarité sans frontières, meint: «Illegale Einwanderung gibt es, solange es auch Stellen für diese Menschen gibt. Das ist eine knallharte Frage von Angebot und Nachfrage.» Der grüne Zürcher Stadtparlamentarier findet es ohnehin «nicht schlimm, dass auf unserem Territorium Menschen ohne gültige Bewilligung leben». Mit seiner Idee des automatischen Informationsaustausches zwischen den beteiligten Ämtern will BFM-Direktor Alard du Bois-Reymond so etwas wie den gläsernen Ausländer.

Kommentare

Bitte melden Sie sich an, um diesen Artikel zu kommentieren

  • Walter Haberer
  • 23.03.10 | 17:38 Uhr

„von der Schweiz haben Sie wirklich keine Ahnung“
Warum, Herr Selk, sollte ich eigentlich in Ihrem Sinne von der Schweiz eine Ahnung haben? Ich nehme die rassistischen und antideutschen Umtriebe in der Schweiz zur Kenntnis. Die kommentiere ich. Wenn ich vom Schweizer Käse reden will, dann melde ich mich gesondert dazu.

  • Walter Haberer
  • 23.03.10 | 17:35 Uhr

„Die Annahme darf getroffen werden, dass der Mann kriminell war.“
Also zunächst einmal darf diese Annahme nicht getroffen werden. Aber selbst wenn das so wäre, so besteht doch Einigkeit, dass auch in der Schweiz die Todesstrafe abgeschafft ist. Entscheidend ist, dass der Mann offenbar so geschwächt war, dass er dem offenbar erheblichen Stress dieser seltsamen Art der „Retournierung“ (noch scheusslicher) nicht hätte ausgesetzt werden dürfen. Auch Nichtschweizer sind Menschen. Ich weiss, der geneigte Zürcher bezweifelt das.

  • Rainer Selk
  • 21.03.10 | 14:13 Uhr

Walter Haberer 19.03.10 17:13
Lieber W. Haberer, was wirklich geschehen ist, weiss nur die KAPO Zürich. Die Annahme darf getroffen werden, dass der Mann kriminell war. Der wird nicht einfch so ausgeschafft, pardon, Sie hören das ja nicht so gern, also besser 'retourniert'.
Wie Sie das mit 'Spucke' auslegen, soll Ihre Sache bleiben, aber - pardon - von der Schweiz haben Sie wirklich keine Ahnung und Basel, pardon, ist nicht die Schweiz, nur ein kleiner Teil davon. Ich beende diesen 'Bart des Kaisers'.
s' Grüessli

  • Walter Haberer
  • 19.03.10 | 17:13 Uhr

„Ein Spruch besagt:'Bespucke nie die Hand, die Dich nährt'.“
Ja, das, Herr Selk, hätten Sie gern, dass ich mich bespucken lasse, nur weil ich von meinem Arbeitgeber Geld bekomme. Der bekommt schliesslich erst einmal von mir etwas, nämlich meine Arbeitsleistung.
Das ist ja eine erbärmliche Demokratie, in der man nach dem Prinzip handelt „Wes Brot ich ess, des Lied ich sing“.
Wenn man wusste, dass der zu deportierende Mann krank war, dann hätte man sich um ihn kümmern müssen, aber ihn nicht wie einen Hund anketten sollen.

  • Rainer Selk
  • 19.03.10 | 12:52 Uhr

Walter Haberer 18.03.10 13:04
Warum ein Nigerianer, nach Asylverfahren bei 'Rückexport' ums Leben kam, liegt u.a. an der Nahrungsaufnahmeverweigerung. Aber fragen Sie die ZH Polizei, [geloescht am 19.3.2010 durch Moderator]
Was wäre wenn Ihr Chef / Arbeitgeber ein SVP ler ist?! Geld 'stinkt' ja nicht, aber SVP Geld ausgeben, [geloescht am 19.3.2010 durch Moderator] Was 'hält' sie hier? Die 29% wurden in freier demokratischer Wahl erzielt, ob's passt oder nicht. Ein Spruch besagt:'Bespucke nie die Hand, die Dich nährt'. Sie müssen die CH nicht 'lieben'.

  • Walter Haberer
  • 18.03.10 | 13:04 Uhr

„Ich habe nichts gegen Ausländer, auch nicht gegen Deutsche“
Herr Selk, das höre ich gern, aber was hilft mir das. Die SVP ist deutschfeindlich, geht mit dieser Haltung auf Stimmenfang und wird von 30% der Schweizer gewählt. Demnach sind eben mindestens 30% der Schweizer deutschfeindlich. Die sollten allerdings in sich gehen, starb doch wieder ein Mensch bei der „Ausschaffung“ (widerliches Wort). Was treiben Ihre Polizisten da eigentlich?

  • Rainer Selk
  • 17.03.10 | 16:21 Uhr

Walter Haberer 17.03.10 09:28
'Ich bin vor Ort, Herr Selk, allerdings zum Glück nicht in Zürich, sondern in dem sehr freundlichen Basel.'
Was und wo Sie sind, ist mir völlig einerlei. Ihre Meinung in Ehren, meine ist es nicht. Ich habe nichts gegen Ausländer, auch nicht gegen Deutsche. so ein Unsinn und damit für diesmal en schöne Tag an W. Haberer.

  • Walter Haberer
  • 17.03.10 | 11:18 Uhr

Teil 2
Warum, Herr Selk, beklagen Sie sich denn immer wieder bei mir. Ich war es doch nicht, der dem Schweizer Volk besagtes Recht zugestand, selbst über Genozid abzustimmen. Es war dies die Schweizer Volkspartei höchst selbst. Die muss sich ja wohl über die Schweiz auskennen. Oder sehe ich das falsch?

  • Walter Haberer
  • 17.03.10 | 11:16 Uhr

„Es ist eine absurde Beleidigung des souveränen CH Stimmbürgers, zu unterstellen, in der CH könnte via eine Abstimmung Verbrechen der Weg bereitet werden.“
Herr Selk, es geht nicht um der Schweizer Befindlichkeit. Der SVP-Vertreter stellte schlicht die Fakten fest, als er betonte, das Volk dürfe auch über Genozid abstimmen. Wie wollten Sie denn auch verhindern, dass solches geschieht? Wenn das Schweizer Volk sich unbeliebter Menschen entledigen will, dann darf es das. So sollten wir den Hinweis des SVP-Mannes verstehen.

  • Walter Haberer
  • 17.03.10 | 09:35 Uhr

„Volksinitiativen werden auf entspr. jurist. Einklang geprüft.“
Herr Selk, von wem denn? Es war Frau Widmer-Schlumpf, die darauf hinwies, dass das Ergebnis der Minarett-Abstimmung den internationalen Verträgen und dem Völkerrecht zuwiderlaufe. Sie war es, die deshalb die Muslime inständig bat, auf den Gang zum europäischen Gerichtshof zu verzichten. Wenn bei uns ein Abstimmungsergebnis bestehendem Recht widerspricht, kann man deren Ausserkraftsetzung durch Klage beim Verfassungsgericht erwirken. Dieses Korrektiv hat die Schweiz bei Volksabstimmungen nicht. Das Volk darf in der Schweiz alles.

  • Walter Haberer
  • 17.03.10 | 09:28 Uhr

„Ich empfehle dringend, sich über die CH vor Ort objektiv zu informieren...“
Ich bin vor Ort, Herr Selk, allerdings zum Glück nicht in Zürich, sondern in dem sehr freundlichen Basel. Ich bin mir wohl darüber im Klaren, dass nicht alle Schweizer sich an dieser antideutschen Kampagne der Züricher beteiligen. Wir haben ja auch untereinander keine Probleme. Um so mehr erschreckt mich die nun schon Monate anhaltende Schmiererei der Weltwoche im Auftrag der SVP.

  • Walter Haberer
  • 17.03.10 | 09:20 Uhr

„Absurd, soetwas als 'Kriegserklärung' umzudeuten.“
Herr Selk, Sie riefen mit drohendem Unterton „Griessli nach Deutschland“. Ich habe noch im Ohr, was Herr Mörgerli nach für ihn siegreichem Ausgang der Minarett-Abstimmung sagte, als er betonte es sei dabei gegen die Muslime gegangen, die wie die Deutschen unbeliebt seien. Er deutete dabei an, dass man sich auch dieses „Problems“ werde annehmen wollen. Und nun grüssen Sie nach Deutschland. Bedaure, aber das habe ich verstanden.

  • Rainer Selk
  • 17.03.10 | 09:10 Uhr

Walter Haberer 17.03.10 00:35
1. Wem ich 'Grüsse' in D sende, ist meine Sache und muss Sie nicht kümmern.
2. Was Sie glauben, in meine Worte hineininterpretieren zu müssen, zeugt von Misstrauen auf einer eigenartig seltsamen Denkstufe.
3. R. Köppel war etliche Jahr als Chefredakteur in D tätig. Das wohl kaum, weil er 'D-feindlich' ist. Aber fragen Sie ihn doch selbst.
4. Sie haben leider wirklich keine Ahnung, wie hier Demokratie gelebt und gedacht wird. Deshalb sinnlos, weiter auf Vermutungen des Schlechten und um des 'Kaisers Bart' einzutreten.

  • Walter Haberer
  • 17.03.10 | 09:03 Uhr

Teil 2

Die wären die Ersten, die, liesse man sie, jedwede Form von Demokratie abschafften.

  • Walter Haberer
  • 17.03.10 | 09:03 Uhr

„Es ist schon etwas seltsam, wenn ich in Richtung von Fr. Schaller kund tat, dass wir eben durch Volksabstimmungen etwas bewegen können“
[geloescht am 17.3.2010 durch Moderator] Die Schweiz ist ein Zwergstaat [geloescht am 17.3.2010 durch Moderator] . Da mag dieser Abstimmerei über jeden Haferkäs machbar sein. Aber lassen Sie anderen ihre Regierungsform. Die, welche sich bei uns die direkte Demokratie wünschen, sind auch die, deren Argumente so wenig überzeugen, dass sie bei Wahlen keine Chance haben.

  • heinz kost
  • 17.03.10 | 08:59 Uhr

@wh

die deutschen sind doch herzlich willkommen in der schweiz, ich kann es ihnen nicht verdenken, wenn ich doch sehe in welche richtung deutschland abdriftet, mir kommt es immer mehr vor wie ein überwachungsstaat, die leute werden an der grenze gefilzt, fehlt nur noch, dass man einen grossen zaun um das ganze zieht, ein riesenheer von beamten die die einwohner wie verbrecher behandelt, wieso versuchen alle steuern zu hinterziehen? ach ja wegen uns, habe ich ganz vergessen! kann den deutschen nicht verdenken, wenn sie zu uns kommen wollen, scheinen wohl nicht ihrer meinung zu sein?

  • Walter Haberer
  • 17.03.10 | 00:35 Uhr

„Kriegserklärung': Sie interpretieren verdrehend da absichtlich etwas hinein, was schlicht absurd ist.“
Ja, aber warum Herr Selk, schicken Sie uns dann Grüsse, wenn sie denn nicht als Kriegserklärung gemeint sind? Sie meinten doch wohl antideutsche Abstimmungen und daraus folgende Konsequenzen. Nur die passen in den Kontext einer Weltwoche, die sich auf ihre Deutschfeindlichkeit etwas einbildet.

  • Walter Haberer
  • 17.03.10 | 00:30 Uhr

„Es herrscht eher ein Klima des gegenseitigen Respekts zw.Volk und Politik.“

Um dafür umso respektloser gegenüber seinen Nachbarn zu sein. Nein, wir Deutschen benötigen das Beispiel der Schweizer Demokratie nicht. Wir werfen uns nicht stolz darüber in die Brust, „auch über Genozid abstimmen“ zu dürfen. Wir halten es für einen Rechtsstaat für unabdingbar, dass auch das Volk und vor allem das Volk nicht alles darf. Denn ein Einzelner oder einige Wenige, die das Recht brechen, kann man irgendwann in die Schranken weisen. Aber wie soll sich ein Einzelner gegen die Willkür des Volkes wehren?

  • Rainer Selk
  • 16.03.10 | 23:36 Uhr

Walter Haberer 16.03.10 16:45
Es ist schon etwas seltsam, wenn ich in Richtung von Fr. Schaller kund tat, dass wir eben durch Volksabstimmungen etwas bewegen können. Absurd, soetwas als 'Kriegserklärung' umzudeuten. Bitte schön: in welcher Gedankenwelt leben Sie?
Durchweg alle meine D Freunde würden viel darauf geben, hätten Sie diese Möglichkeit.
Ich werde mich nicht weiter zu Ihren Ausführungen in Sachen 3. Reich äussern. Dazu ist mir hier die Zeit zu schade.

  • Rainer Selk
  • 16.03.10 | 23:24 Uhr

Walter Haberer 16.03.10 16:36
'Das Fehlen einer jurist. Instanz in der CH....'

Volksinitiativen werden auf entspr. jurist. Einklang geprüft. Alles andere ist Blödsinn. Es ist eine absurde Beleidigung des souveränen CH Stimmbürgers, zu unterstellen, in der CH könnte via eine Abstimmung Verbrechen der Weg bereitet werden.- Ich bin parteilos. Falls Sie etwas gegen die SVP (29%) vorzubringen haben, steht Ihnen der Weg zur CH Justiz frei.- Staatengemeinschaft? Drohungen? Beeindruckt mich nicht, lieber Hr. Haberer. Ich empfehle dringend, sich über die CH vor Ort objektiv zu informieren...

  • Gudrun-Maria Schaller
  • 16.03.10 | 20:32 Uhr

Ja,lieber Herr Selk,die Schweizer Volksabstimmig steht,sie wird mal in die
und mal in die andere Richtung gehen,das kann man akzeptieren!
Die Abstimmung ist ein hoher Wert an sich,den die deutsche politische Klasse jeglicher Strömungin der BRD fürchtet.Da können die Politiker nicht so gut im stillen Kämmerchen vorab Absprachen treffen.Ehrliche
Richtungsweisung direkt durch das Volk, beeinflußt das pol.Verhalten.
Es herrscht eher ein Klima des gegenseitigen Respekts zw.Volk und Politik.
Und das Volk ist allemal für jede Überraschung gut,darum...

tut die Schweiz Europa so gut!

Gundi

  • Walter Haberer
  • 16.03.10 | 16:45 Uhr

Teil 2

Es war dies die Strategie, welche das Massentöten auch dann noch nicht einstellen wollte, als der Gegner schon total geschlagen war (Dresden, Freiburg, Pforzheim).

  • Walter Haberer
  • 16.03.10 | 16:45 Uhr

„Über 'Genozid' hat man vor 70 Jahren in Deutschland entschieden, nämlich auf Göbbels' Frage: wollt Ihr den totalen Krieg?“
Nur, Herr Selk, fand das auf einem Reichsparteitag und darüberhinaus in einer Diktatur statt. Die Deutschen durften und konnten damals nicht abstimmen. Allerdings, dieser totale Krieg fand damals über den Häusern deutscher Städte längst statt. Es war die britische und US-amerikanische Strategie des totalen Krieges gegen die Zivilbevölkerung, welche Göbbels nicht erst einfordern musste.

  • Walter Haberer
  • 16.03.10 | 16:36 Uhr

Teil 2

Das Fehlen einer juristischen Instanz in der Schweiz, die Abstimmungen auf ihren Einklang mit übergeordneten Gesetzen überprüft, wurde im Zusammenhang mit der Minarett-Abstimmung von Staatsrechtlern beklagt. Daraus folgt eben, dass man über alles, auch über schwerste Verbrechen, abstimmen kann. Dann aber ist die Kontrollinstanz die internationale Staatengemeinschaft.

  • Walter Haberer
  • 16.03.10 | 16:36 Uhr

„Ganz offensichtlich haben Sie wirklich von unseren Strukturen keine Ahnung.“
Herr Selk, dann ist es Ihre SVP, der Sie dieses vorwerfen müssen, denn von der stammt das Zitat. Ich war ja auch entsetzt, dass in einer Schweizer Fernsehsendung, noch dazu ohne Widerspruch, solche Äusserungen fallen dürfen. Da hilft es nicht, auf die deutsche Herkunft der Nazis zu verweisen, Herr Selk, wenn man genau das Fingerspitzengefühl vermissen lässt, das man wegen der Erfahrung mit real stattgefundenen Genozids (Ruanda) und eben auch an den Juden erwarten müsste.

  • Rainer Selk
  • 16.03.10 | 15:39 Uhr

Michael Hartmann 16.03.10 12:49
'Ich bin auch ein Illegaler!'
Sind Sie 'schwarz' hier, geehrter Hartmann, wären Sie also ein Illegaler + man müsste Sie also verzeigen.
Haben Sie einen abschlägigen Asylentscheid erhalten, müssen Sie das Land verlassen. So lauten nach m.Kenntnis die Gesetze. Aber vielleicht besetzen dann 'Abgewiesene' mal 'zu recht' Ihre Wohnung statt eine Kirche? Dann wären Sie ein 'Entwohnter'. Was dann: die Polizei rufen, wegen Hausfriedensbruch? Alternative: vielleicht unter die 'flankierende' Brücke?!
Da braucht es doch keine Faust im Sack, lb. Hartmann.

  • Michael Hartmann
  • 16.03.10 | 12:49 Uhr

Ja, geehrter Selk, wie meinen Sie denn, entstehen Sans-Papier? Mit gültigen Papieren, Anerkennung durch die Asylkommission? Mann, mann, mann, geehrter Selk, Ihre Faust im Sack will ich nicht haben!

Unser geehrter Frei will nun also alle Arbeitgeber als 'Komplizen' der Sans-Papier (weil diese ja Lehrstellen und Arbeitsplätze bereitstellen) kriminalisieren.

Stellen Sie sich vor, die Arbeitgeber müssten dann alle Löhne auf Basis flankierende Massnahmen nachzahlen? Das wären Milliarden! Die armen Leute arbeiten doch für einen Appel und ein halbes Ei.

Ich bin auch ein Illegaler!

  • Rainer Selk
  • 16.03.10 | 09:01 Uhr

Walter Haberer 15.03.10 18:11
'Kriegserklärung': Sie interpretieren verdrehend da absichtlich etwas hinein, was schlicht absurd ist.
Volksabstimmungen sind hier seit Generationen demokratische Tradition. Ihr Hinweis auf 'Genozid' ist diffus und hier nun völliger Unsinn. Über 'Genozid' hat man vor 70 Jahren in Deutschland entschieden, nämlich auf Göbbels' Frage: wollt Ihr den totalen Krieg? Ergebnis bekannt.
Ganz offensichtlich haben Sie wirklich von unseren Strukturen keine Ahnung.

  • Walter Haberer
  • 15.03.10 | 18:11 Uhr

„Aber gemach: wir können hier durch Volksabstimmungen noch einiges bewegen. S' Grüessli nach Deutschland.“
Ja, Herr Selk, die Kriegserklärung ist angekommen. Aber die hat uns ja schon die SVP unmittelbar nach der Minarett-Abstimmung zukommen lassen, als sie darauf hinwies, dass es nun nach den unbeliebten Muslimen um die unbeliebten Deutschen gehen werde. Und in der gleichen Sendung wies der Initiator der Minarett- Abstimmung, ohne rot zu werden, darauf hin, dass das Schweizer Volk auch über Genozid abstimmen dürfe. Wir haben verstanden, Herr Selk.

  • Sergio Frei
  • 15.03.10 | 16:47 Uhr

somit doppeltes eingeständnis des justizdept. : sind sind da (schlumpf: 80.000) und man will (illegal) chance geben..? nicht integriert und lehre? also integriert, warum dann illegal? mangelnden lehrstellen ?und dannach ? nun sogar mit lehrabschluss - somit eingebürgert?
dieses schlu(mpf)ngenwirtschaft muss ein ende haben. die freie wirtschaft muss alles absorbieren, genug mit dem mittelmass und bücklingen ins ausland. man erkundige sich in den US: 5jahre illegal, falls nachweisbar (..)und amnestie (keine leichen im keller) ok. hier hat die wirtschaft/politik wenistens bewegungsspielraum.

  • Rainer Selk
  • 14.03.10 | 11:28 Uhr

Gudrun-Maria Schaller 13.03.10 20:10
Wir haben hier leider eine Art Zweiteilung der polit. Umsetzung von Anordnungen + Gesetzen, je nach Farbe der sitzhabenden Partei, leider.
Die Minarettabstimmung + jene zur Pensionskassenfrage sind u.a. so ausgefallen, weil die Meihnung im Volk herrscht, dass einseitig unanständige Polit.-Auswüchse so 'vernebelnd' nicht weitergehen dürfen. Und das dürfte auch noch eine Weile so anhalten. Aber gemach: wir können hier durch Volksabstimmungen noch einiges bewegen. S' Grüessli nach Deutschland.

  • Rainer Selk
  • 13.03.10 | 22:07 Uhr

Nach Kirchenbesetzungen in Zürich wurde bekannt, dass viele 'Sans-Papiers' ein Verfahren durchlaufen hatten + keine CH Aufenthaltsbewilligung zu gut hatten. Diese Leute müssen gehen. Wo kommen wir hin, wenn nach langen Abklärungen ein Entscheid gefallen ist + dieser nicht umgesetzt wird. EWS + Kantone haben das ohne wenn + aber anzuwenden. Oder werden Gesetzte kantonal nach politischer Farbe 'lasch schwarz / weiss gewaschen'? Es wird höchste Zeit, dass gewissen Behörden mehr als 'Beine' gemacht werden. Das ist 'Polit-Juristenzockerei'! So 'unter'-läuft das offenbar auch bei Einbürgerungen!!

  • Gudrun-Maria Schaller
  • 13.03.10 | 20:10 Uhr

Hallo liebe Schweizer,ich bin entsetzt über so ein ungeordnetes Modell
einer Ausgabe von an sich gesetzlich geregelten Papieren!
Was schlummert denn da alles in der so ordentlichen Schweiz?
Das sind ja beinah griechische Verhältnisse....und dass ohne in der EU zu sein,wenn es nicht so trist wäre,könnte man beinah fröhlich drüber lachen!
Nach dem Motto,jeder hat sein Kuckucksei......und die schöne Schweiz
ist auch dabei!
Aber liebe Schweizer,seid nicht bitte nicht säuerlich,
wir mögen Euch sehr,genauso wie Ihr seid,wenn`s auch manchmal ein wenig anders über die Grenzen klingt!
Gundi BRD

  • Christoph Geiser
  • 12.03.10 | 14:01 Uhr

Mussten Sie, geehrter Hartmann, bei einer Einstellung je ihre Identität nachweisen? Eben, das ist nicht die Aufgabe eines Arbeitnehmers und auch nicht sein Problem. Dass die AHV und andere Behörden einfach Papiere ausgeben ist meines Erachtens ein sehr grosses Problem.
Sollten Schweizer, die Alimente zahlen müssen, ihre Papiere nicht auch wegwerfen und sich eine neue Identität zulegen? Das geht ja offenbar problemlos.
Die Tragweite dieses Handels sollte man nicht unterschätzen.

  • Michael Hartmann
  • 12.03.10 | 09:11 Uhr

Die Kontrolle der Angaben z.H. der AHV ist ja entweder einem Amt oder dem Arbeitgeber überlassen (Bestätigung, dass Angaben mit einem Ausweispapier übereinstimmen). Also ist das kein Problem, geehrter Geiser.

Als Vergleich: In den USA arbeitet die Hälfte der McDo-Angestellten mit falschen Pässen mit mexikanischen Namen. Und da gibt es ja noch strengere Inlandsicherheitsgesetze als in der Schweiz.

Aber eben: Ziel dieses Artikels ist es ja nicht, eine Lösung zu bringen sondern einen politischen Schwerpunkt z.H. Wahlen 2011 zu setzen (Ausländer, Beschiss, komplette Überwachung).

  • Christoph Geiser
  • 12.03.10 | 01:39 Uhr

Wer arbeitet muss auch Beiträge bezahlen. So weit, so gut. Aber wie kann man jemandem, dessen Identität nicht geklärt ist, irgend einen Ausweis ausstellen? Wie dem Tagi unlängst zu entnehmen war, werden in der Stadt Zürich sogar Identitätskarten an sans-papiers ausgegeben.
Echt, dieses Larifari nervt. Bei Verkehrsdelikten gibts auch keine Toleranz, selbst dann nicht, wenn man einen Sterbenden ins Spital fährt. Da ist es egal ob der krepiert, Hauptsache Tempo 50.

  • Michael Hartmann
  • 11.03.10 | 13:23 Uhr

Da bleibt mir nur noch den Moderator zu zitieren:

Was hat das mit Nazionalsozialismus zu tun?

Wenn es nur der 'gläserne' Sergio ist, der kommt, dann ist das eine gute Sache!

Geehrter Bühler, ich gebe Ihnen recht, dass die bürgerlichen Politiker (die Mehrheit) wahrlich profillose Sesselkleber sind.

  • Michael Hartmann
  • 11.03.10 | 09:05 Uhr

Wie es schon hundert Mal nachgewiesen sei: Zuerst kommen die gläsernen Minderheiten, dann kommt der gläserne Rest.

Ich bin auch ein Illegaler!

Solidarność!

  • Sergio Frei
  • 11.03.10 | 08:06 Uhr

über "gläserne" bürger weiss ich nur bei schweizern. denn da ist ja was zu holen.
beschämend ist wie, je nach präsentation des problems, der kopf weggedreht wird. dies gilt vorallem bei beamten, gerichten und der hilflosen polizei.
doch das volk gibt den sesselpupsern recht und wählt alle wieder. es ist eine moralische debatte,wo niemand schuld sein und schon gar nicht involviert werden will. bis es kommt wie es halt kommen musste (1933) - dann wird es niemand erwartet und niemand kommen gesehen haben.

  • Hanspeter Bühler
  • 11.03.10 | 06:07 Uhr

Unser Parlament besteht in seiner Mehrheit aus profillosen Sesselklebern, die das Wesen von Ursache und Wirkung schon lange aus den Augen verloren haben. Der Anreiz die Schweiz als Asylland zu wählen wurde wiederum um einiges erhöht. Die Mittel die für die Folgen davon eingesetzt werden, die offenbar gedankenlos akzeptiert werden, müsste man diesen Personen persönlich belasten können. Dann würden solche abgehobenen, parteiideologischen Entscheidungen des Mitte-Links-Parlaments ausbleiben.

 
|

weitere Ausgaben