Ottmar Hitzfeld sagt: «Yakin spielt beim FC Luzern eine wichtige Rolle, doch wir reden hier von internationalem Fussball.» Gemeint ist das Länderspiel von gestern Mittwoch gegen Uruguay. Da diese Zeilen bereits vorgestern Dienstag geschrieben wurden, fehlt das Resultat hier. Es ist immer äusserst schwierig, zu wissen, wie viele Tore der Schiedsrichter zu pfeifen vorhat.
Umfrage der Woche: Soll Yakin wieder spielen?
Folgendes können wir aber feststellen: Bei Davide Chiumiento, der ebenso wie Yakin eine wichtige Rolle spielt beim FC Luzern, gilt das Argument vom internationalen Fussball offensichtlich nicht. Denn Chiumiento wurde von Hitzfeld für das Spiel gegen Uruguay ins Nationalkader berufen, obwohl Uruguay (bis Redaktionsschluss) nicht annektiert wurde und aus Schweizer Sicht international bleibt.
Es bleibt schleierhaft, nach welchen Kriterien Ottmar Hitzfeld tatsächlich entscheidet, gerade beim «Hick-Haki um Yakin». (Für die Rechtsabteilung: Die Blick-Schlagzeile stammt vom ehemaligen Sportchef, ich klaue den Titel also mir selber.) Der Hinweis, die Fitness von Hakan Yakin reiche nicht, erinnert mich an die Zeit, als der Ex-GC-Regisseur Thomas Bickel in Japan spielte. Ich besuchte Bickel mehrmals in Japan und war beeindruckt vom linken Aussenverteidiger bei Vissel Kobe. Der sprintstarke Japaner brauchte für hundert Meter gefühlte fünf Sekunden. Eine Rakete. Zudem hatte er einen Luftkompressor statt Lungen. Im Vergleich zu Bickel legte er das dreifache Laufpensum hin, im Vergleich zu Michael Laudrup, dem anderen Ausländer bei Kobe, gar das vierfache. Doch der Japaner hatte den Ball nie. Der klebte an Bickels Fuss oder an jenem von Laudrup (Ajax, Juventus, Barcelona, Real Madrid). Freistoss, Tor. Dribbling, Tor. Assist, Tor.
Mit der Frau des Kollegen
Mit anderen Worten: Natürlich kommt es beim Fussball auf die Fitness an. Vielleicht aber auch darauf, was unser aller Gott Maradona einst sagte: «Nur wer mit dem Ball spricht, kann ihn als Komplizen gewinnen.» Es ist mir nicht bekannt, in welcher Sprache Yakin zum Ball spricht, dass sich die beiden aber blendend verstehen, ist offensichtlich.
Kann es sein, dass Hitzfeld nicht mit dem Spieler grundsätzlich ein Problem hat, sondern grundsätzlich mit seinem Privatleben? Die Eskapaden von Hakan Yakin sind breit dokumentiert. In England musste der Captain der Nationalmannschaft unlängst seine Armbinde abgeben, weil er mit der Frau eines Nati-Kollegen poppte. Kurz darauf gab der Gehörnte seinen Rücktritt aus der Squad bekannt. Er möchte nicht den gleichen Dress tragen wie der Mann, der den Dress der gleichen Frau, inzwischen seiner Ex, ausgezogen hat. Ein nationales Desaster, denn sowohl Wayne Bridge (der Gehörnte) als auch John Terry (der Hörnende) waren Leistungsträger der Engländer. Ähnliche Unbill im Schweizer Camp sei ausgeschlossen, versichert das Umfeld von Haki, zumal der Spieler nach dem vierten Kind mit der dritten Frau die zweite WM anstrebe. Zudem dürfte Hitzfeld wissen, dass selbst aktuelle Nationaltrainer, ohne Namen zu nennen, schon mal im Garten des Nachbarn Beeren pflückten.
Und wenn es das Umfeld des Ausnahmespielers ist, wovor sich Hitzfeld fürchtet? Dazu eine kleine Anekdote. Einer der vielen Berater von Hakan Yakin, nennen wir ihn Donato B., drohte mir einst nach einem kritischen Artikel in der Zeitung, die ich zu verantworten hatte, mit dem Leben. «Wir sind beide Italiener. Und du weisst, was in Italien ein Leben wert ist. Ein Euro.» Ich habe mich selten so aufgeregt. Wenn schon Klischees bemühen, dann richtig. Im sizilianischen Corleone, der historischen Hochburg der alten Mafia, müsse man mit 3000 Euro rechnen, um jemanden zu beseitigen, sagte mir im Gespräch einer vom Fach. In Ponticelli, einem Vorort von Neapel, müssten gar 5000 Euro hingeblättert werden. «Je wichtiger die Person, desto höher der Preis», versicherte mir der professionelle Aufräumer. Und mir wird mit einem Euro gedroht!
Ich habe mich erst wieder gefangen, als ich hörte, dass Pedro Lenz, der den Artikel verfasst hatte (eigentlich eine Glosse, aber von den Donatos der Branche nicht immer als solche zu erkennen), dieselbe Drohung erhielt: ein Euro! Pedro Lenz ist Schriftsteller, unser Mann in Klagenfurt. Und beide haben wir denselben Eurotarif! Trotzdem habe ich mit meinem Landsmann nicht mehr gesprochen. Ob Hitzfelds Entscheid gegen Yakin eine präventive Massnahme ist?
Persönlich glaube ich, dass unser Nationaltrainer das Risiko von einem Euro trotzdem eingehen und Hakan Yakin (inklusive Umfeld) berücksichtigen müsste, auch wenn er ihn dann nicht von Anfang an laufen lässt. Es ist ruhiger geworden um den polarisierenden, aber genialen Spieler. Gut möglich, dass Yakin seinem Berater einen Maulkorb verpasst hat (in der Regel ist es umgekehrt). Oder ihm zumindest die Prokura entzogen hat. Bis zehn Cent darf er drohen, mehr nicht. Wäre dann doch etwas wenig, auch für Schweizer Verhältnisse.













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