Stil & Kultur

Rückenfrei

Von Jürg Zbinden

Wiederauferstehung ohne Brille: die amerikanische Sängerin Anastacia. Bild: Universal Music

Ihr trainierter Bauch war kaum minder berühmt als derjenige ihrer kolumbianischen Kollegin Shakira, der anderen Ikone des bauchfreien Trends von gestern. Das zweite Markenzeichen Anastacias wurde ebenfalls geraume Zeit nicht mehr gesichtet: die Brille. Obwohl man bei einer Sammlung, die über vierzig Modelle umfasste, getrost von der Mehrzahl, Brillen, sprechen darf. Brettbauch und Brille gehören der Vergangenheit an. Wie der Brustkrebs, den die Sängerin für immer besiegt zu haben hofft – «Anastasia» stammt aus dem Griechischen und bedeutet «die Wiedererstandene».

Jetzt offenbart sie zwei Gross-Tattoos, die den Rücken zieren. Oder verunzieren, je nachdem, wie man’s betrachtet. Wenigstens ist es kein jugendsündiges Arschgeweih. Anastacia ist Amerikanerin, und in den Staaten sind Tattoos spätestens seit Angelina Jolie und Guns N’ Roses ein cooler Mix aus Hollywood und Rock ’n’ Roll. Oder Glamour und Dreck. Letzterer wohnt auch ihrem Gesangsorgan inne, dem Fans wie Kritiker das stereotype Kompliment der «schwarzen Stimme» machen. Die höchste Weihe für eine weisse Sängerin schützt indes vor dem Vergessen nicht, was zum Beispiel eine Taylor Dayne («Tell It to My Heart») schmerzlich erfahren musste.

Vom 4. bis zum 7. März rockt Stehaufweibchen Anastacia das Zürcher Hallenstadion. Nicht als Solistin, sondern supporting Vertreter des Eiskunstlaufs. Nationale und internationale Sternchen und Stars, die ein bisschen Support gebrauchen können: die Einheimischen Stéphane Lambiel (glückloser Olympiavierter) und Sarah Meier (unglückliche 15.) und – wer hätte das gedacht! – den sprunggewaltigen Russen Jewgeni Pluschenko (den Favoriten, der sich mit olympischem Silber zu begnügen hatte). Die Rahmenveranstaltung nennt sich «Art on Ice» und wurde 1995 ins Leben gerufen. Zum 15. Geburtstag erschien der Bildband «Art on Ice Die schönste Eislauf-Gala der Welt» bzw. «The Greatest Ice Skating Show on Earth» (Baden-Verlag, Fr. 59.–).

Anastacias Karriere währt immerhin zehn Jahre. Ihr Rückstand on the rocks: fünf Jährchen. Den sie spielend wettmachen dürfte, indem sie die Lieblingstitel zahlloser Casting-Wettbewerbs-Kandidatinnen («I’m Outta Love», «Paid My Dues», «Not That Kind») original und live zum Besten gibt. Oder wie es im Castingshow-Vokabular ungleich professioneller heisst: performt. Anastacia, die Wiedererstandene, soll an der Jubiläumsgala schlicht einheizen. Rückenfrei.

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