Objekte

Schwungvoller Kompromiss

Zum Glück gibt es mit Stöckli noch einen grossen Schweizer Skihersteller.

Von David Schnapp

So schnell wie wendig: der «Spirit Globe» von Stöckli.

Produkte, die in der Schweiz hergestellt werden, besitzen – für uns jedenfalls – immer noch einen besonderen Charme. Deshalb haben wir für die diesjährigen Sportferien einen Ski des letzten grossen Schweizer Skiherstellers, der Firma Stöckli abgeholt. Als Klammerbemerkung sei angefügt, dass es natürlich noch andere Schweizer Produkte gibt wie die Edel-latten von Zai, die aber unter 3000 Franken nicht zu bekommen sind. Und der Braunwalder Board- und Skihersteller Kessler ist zwar sympathisch, befindet sich aber eher in einer Marktnische. Stöckli feiert 2010 sein 75-Jahr-Jubiläum und hat nicht zuletzt dank seines cleveren Direktvertriebsnetzes überlebt.

Schon der erste Anblick bringt uns mit dem Testski auf eine freundschaftliche Basis. Der «Spirit Globe», so der Name unseres Modells, gefällt durch sein unaufgeregtes, ruhiges Design. Er ist ganz in Grau und Anthrazit gehalten, ein relativ strenges Gittermuster ist der einzige Schmuck, den man zugelassen hat. Sehr cool ist auch, dass auf einen typografisch lauten Markenschriftzug verzichtet wurde. Im vorderen Teil ist ein schlichtes «Swiss Made» zu sehen, am Ende der Latten ist dezent das Stöckli-Logo angebracht. So hebt sich der Ski wohltuend von den vielen Weltcup-Rennmodellen aller Marken ab, die bunt und grell über die Pisten schneiden und immer etwas schneller sind als ihre Besitzer.

Auf dem ersten Weg zum Skilift fällt auf, dass der «Spirit Globe» ein gewisses Gewicht hat. Sobald man aber am Berg steht, setzt sich die relative Masse in eine erstaunliche Laufruhe um. Wo andere taillierte Ski in Gleiter- und Abfahrtspassagen zu flatterhaften Fahreigenschaften neigen, bleibt unser Stöckli-Modell unbeeindruckt und nimmt gut Fahrt auf. Gleichzeitig dreht der Ski sehr leicht. Enge, kurze Schwünge macht man ebenso problemlos wie weitgezogene Carvingkurven über die ganze Breite der Piste. Der «Spirit Globe» ist so gesehen ein perfekter Kompromiss, ebenso schnell wie wendig und gleichzeitig laufruhig. Deshalb ist es nichts als folgerichtig, dass «Swiss Made» auf dem Ski steht. Qualität und Kompromiss sind eine typische schweizerische Kombination.

Fazit: Es gibt keinen objektiven Grund, einen österreichischen, amerikanischen oder französischen Ski zu fahren. Wir haben jedenfalls während der einen Woche mit dem «Spirit Globe» von Stöckli keinen entdeckt. Ausser vielleicht, dass wir ihn am Ende der Ferien wieder zurückbringen mussten.

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