Hochzeit

Schneller als erwartet

Die Fitnesstrainerin Claudia Hunziker, 26, und der Facharbeiter Massimo Covello, 35, heiraten im Sommer. In Italien.

Von Franziska K. Müller

«Alles mit den Händen»: Brautpaar Covello-Hunziker. Bild: Désirée Good

Massimo: Unsere erste Begegnung war einseitig, weil mich Claudia gar nicht bemerkte: Sie tanzte auf dem Tisch, trug ein Minijüplein, ein T-Shirt mit Spaghettiträgern. Sie hatte damals kurze hellblonde Haare. Als das wilde Girl vom Tisch stieg, merkte ich: Sie läuft stolz und gestikuliert beim Sprechen mit den Händen. Genau so, wie es mir gefällt. Ich stamme aus Italien, und auf meine Herkunft bin ich stolz: Der Vater arbeitete in der Fabrik, die Mutter auch. Man sagt «Arbeiterfamilie», und es stimmt: In diesen Familien wird viel gearbeitet, aber auch viel debattiert. Eben: alles mit den Händen.

Claudia: Eine Woche später war ich total erkältet, wollte aber unbedingt an diese Bareröffnung gehen. Also legte ich mich ins Bett, schmiss ein Neocitran ein, stellte den Wecker auf Mitternacht und ging – was ich bisher noch nie gemacht hatte mutterseelenallein in den Ausgang. Massimo blickte mich die ganze Zeit an, ich fand ihn ein wenig eigenartig. Dann begann sein Bruder, Wodka-Shots zu spendieren. Der Abend endete morgens um 10 Uhr, nachdem die ganze Gruppe bei mir zu Hause gelandet war. Damals kochte Massimos Bruder in meiner eher spärlich eingerichteten Küche. Heute haben wir unzählige Pfannen und tausend Gerätschaften, die das Kochen erleichtern und perfektionieren. All das brachte Massimo in die Beziehung sowie einen unbändigen Ordnungswillen. Als Junggeselle schrubbte er jeweils am Samstagmorgen um sieben Uhr das WC. Diese Marotte pflegt er noch heute.

Massimo: Der frühe Morgen ist die schönste Tageszeit, und die Küche ist die Visitenkarte jedes Haushaltes. Ansonsten gilt bei uns: Jene Dinge, die in der gemeinsamen Wohnung von mir stammen, können an einer Hand abgezählt werden: die Weinflaschen und die Zigarren. Ich sammle auch Feuerzeuge, Handys und Flaschenkorken.

Claudia: In der neuen Wohnung bekommt er ein Zimmer für seine Sachen, dann ist dieser Diskussionspunkt aus dem Feld geräumt. Solche Liebesbeweise müssen sein. Als überzeugte Langschläferin schwang ich mich letzthin sogar im Morgengrauen aus den Federn, um ihn am Samstag mit einem selbstgemachten Picknick zu überraschen. Massimo ist friedfertig, gesellig und fast immer gut gelaunt. Am liebsten hat er es, wenn die Leute spontan bei uns ein und aus gehen. Vor allem seine Kumpels, die ich allerdings auch mag.

Massimo: Der Reihe nach: Das erste Date war bei der Eröffnung eines Einkaufszentrums. Claudia gefiel mir immer besser, was ich ihr beim zweiten Date auch sagte. Sie fand, sie brauche drei Monate, um festzustellen, ob sie eine Beziehung mit mir wolle.

Claudia: Er antwortete: «Ich warte sicher nicht drei Monate lang, das ist mir zu langweilig.»

Massimo: Ein paar Tage später küsste sie mich, schneller, als ich es in meinen kühnsten Träumen erwartet hatte. Nun waren die Zeiten, als ich mich nicht rasierte und in alten T-Shirts rumlief, vorbei. Ich fand mit Claudia eine Traumfrau. Sie vertritt klare Meinungen, haut auf den Tisch, wenn ihr etwas nicht passt. Nach wenigen Tagen stellte ich sie meiner Familie vor. Meine Eltern sind in der Zwischenzeit mit allen Geschwistern nach Italien zurückgezogen. Die Hochzeit findet in Kalabrien statt.

Claudia: Den Hochzeitsschleier wollte ich einfach über die Schultern hängenlassen, aber meine zukünftige Schwiegermutter sagte, der gehöre während der Zeremonie vors Gesicht der Braut. Vielleicht weiss Massimo, wieso?

Massimo: Damit ich ihn nach der Trauung hochheben und dich küssen kann, du Romantikerin.

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