Essay

Verzerrte Bilder

Schmelzende Gletscher rühren die Gemüter. Die Klima-Alarmisten bewirtschaften die Ängste und verdrängen wesentliche Fakten. Skepsis gegenüber der offiziellen Klimaforschung wird zur Bürgerpflicht.

Von Hans Rentsch

In der Sendung «Club» des Schweizer Fernsehens am 16. Februar (s.o.) schilderte Nationalrätin Franziska Teuscher ihr Walliser Ferienerlebnis: Der Anblick des geschrumpften Aletschgletschers habe ihr bestätigt, dass es höchste Zeit sei, gegen den Klimawandel wirksame Massnahmen zu ergreifen. Neben der Politikerin sass ETH-Professor Andreas Fischlin, leitender Autor der Klimaberichte des Uno-Weltklimarats IPCC. Mit der Autorität des Friedensnobelpreisträgers (als der er sich im «Club» ankündigen liess) hätte Fischlin dem Fernsehpublikum erklären können, was die grüne Nationalrätin natürlich längst weiss: Wie andere Alpengletscher schrumpft der Aletschgletscher schon seit Mitte des 19. Jahrhunderts und nicht erst seit Ende der 1970er Jahre, als die Erwärmungsphase begann, auf die sich die Treibhausgas-Hypothese stützt.

Mehr zum Thema: Dossier «Klimakontroverse»

Gegen 1850 endete die 400 Jahre lange Kleine Eiszeit, eine Periode weltweit relativ kühler Temperaturen. Fischlin aber liess KlimaAlarmistin Teuscher unbehelligt — ganz im Einklang mit der IPCC-Linie. Führende IPCC-Leute haben verschiedentlich öffentlich erklärt, man könne die Leute und die Politiker nur mit schockierenden Aussagen davon überzeugen, dass möglichst rasch gegen den Klimawandel vorzugehen sei.

Eine besonders beliebte Ikone der KlimaAlarmisten ist die schmelzende Eiskappe des majestätischen Kilimandscharo. Auch Al Gore, Nobelpreis-Kollege von Professor Fischlin, verwendete die Story vom Verschwinden der Kilimandscharo-Eiskappe in seinem Film «Eine unbequeme Wahrheit». Was die Forschung zum Rückgang des Kilimandscharo-Eises tatsächlich sagt, kann man im Buch «Climate of Extremes» der Umwelt- und Klimaforscher Patrick J. Michaels (IPCC-Autor) und Robert C. Balling nachlesen:

Erstens hatten die Gletscher des Kilimandscharo nach Ende der letzten Eiszeit, als es während mehrerer Jahrtausende ohne menschliches CO2 wärmer war als heute, eine viel grössere Ausdehnung. Zweitens hat die Forschung festgestellt, dass in Ostafrika um 1880 ein markanter Rückgang der Feuchtigkeit in der Atmosphäre stattfand. Damals begannen gleichzeitig mit dem Rückgang der Gletscher die Spiegel der ostafrikanischen Seen zu sinken. Die Ausdehnung der Kilimandscharo-Eiskappe hat offenbar primär mit der Luftfeuchtigkeit zu tun. So ist es auch nicht überraschend, dass die Gletscher an den Flanken des Berges zwischen 1912 und 1953, als es noch keinen nennenswerten CO2-Einfluss gab, stärker zurückgingen als heute. Die Schrumpfungsrate zwischen 1989 und 2003 war sogar die kleinste in der untersuchten Periode von 1912 bis 2003. N. J. Cullen (Universität Innsbruck) und seine Co-Autoren folgerten in einem Beitrag in der Zeitschrift Geophysical Research Letters, dass die Gletscher des Berges als Überreste eines früheren Klimas zu sehen seien. Als Ikone für den menschenverursachten Klimawandel scheidet der Kilimandscharo aus.

0,4 Prozent Eisverlust — pro Jahrhundert

Aus «Climate of Extremes» stammen auch die folgenden Informationen. In der Fernsehsendung «Larry King Live» mit Al Gore als Gast im Jahr 2007 wollte eine Frau wissen, wie sich der Klimawandel auf die Sicherheit der USA in den kommenden zehn Jahren auswirken würde. Die Horrorgeschichte, die Gore der armen Frau auftischte, klang so: «Wenn Grönland auseinanderbräche oder die Westantarktis oder die Hälfte von einem der beiden oder von beiden, hätten wir einen Anstieg des Meeresspiegels von über sechs Metern, und das würde zu mehr als 450 Millionen Klimaflüchtlingen führen.»

Was sagt die Klimaforschung zum «Auseinanderbrechen von Grönland»? Der Vierte Sachstandsbericht des IPCC enthält eine Schätzung aus einem Computermodell, das eine im Vergleich zu heute fast dreimal höhere CO2-Pt-Konzentration annimmt. Die Schätzung ergibt, dass es unter den genannten extremen Bedingungen für einen Eisverlust von fünfzig Prozent fast tausend Jahre brauchte. Was sagen Satellitenbeobachtungen, die effektive Veränderungen messen? Im Wissenschaftsjournal Science lieferten der Nasa-Forscher Scott Luthcke und seine Co-Autoren im Jahr 2006 Zahlen. Satelliten massen für Grönland einen Eisverlust von 100 km3 pro Jahr. Die gesamte Eismasse Grönlands beträgt 2,85 Millionen km3. Das ergibt eine Verlustrate von 0,4 Prozent — nicht pro Jahr, sondern pro Jahrhundert. Auch Grönland eignet sich nicht als Ikone des Klimawandels.

Alarmismus ist fehl am Platz. Aus den Storys der Medien und den Aussagen opportunistischer Politiker erhält man ein verzerrtes Bild der Klimaproblematik. Aber auch gegenüber der offiziellen Forschung ist Skepsis angebracht. Dies nicht nur wegen des Flops im Klimabericht des IPCC mit dem Abschmelzen der Himalajagletscher bis 2035. Wer sich besser informieren will, sollte sich in der vorwiegend angelsächsischen Blogosphäre des Internets umsehen. Dort wird heute jene Transparenz und Öffentlichkeit gepflegt, die in der durch das IPCC politisierten Klimaforschung nicht durchwegs gelebt wird — siehe «Climategate».

Professor Fischlin meinte zwar im «Club», die Leute hinter diesen Blogs seien wenig qualifizierte Randfiguren des Forschungsbetriebs, die aus dunklen Motiven darauf aus seien, das Publikum zu verwirren. Solange Klimaforscher mit solchen Ansichten als IPCC-Stimmen auftreten, ist es angezeigt, sich eine eigene Meinung zu bilden. Ein Wissensmonopol des IPCC ist abzulehnen. Selber denken statt nur glauben, was aus dem Klima-Vatikan IPCC kommt diese Maxime müsste speziell in der Schweiz gelten, wo die klimapolitische Mitsprache der Bevölkerung weiter geht als anderswo.

Kommentare

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  • Alexej Buergin
  • 12.03.10 | 01:49 Uhr

@ Schlegel: Sie widerlegen etwas, dass weder Haberer noch ich behauptet haben.
Was in der Weltwoche stand, was ein ZITAT von Mörner, dem führenden Mann in Bezug auf Meeresspiegel-Bewegungen.

  • Alexej Buergin
  • 12.03.10 | 01:44 Uhr

Onlineumfragen sind etwa so zuverlässig wie Longchamps, aber manchmal trotzdem interessant. Gemäss Tagesanzeiger glauben 40% seiner Umfrage-Teilnehmer daran, dass die Klimaerwärmung vom Menschen verursacht wird. Das heisst aber: 60% glauben es NICHT, eine satte Mehrheit.
Kommentar des Tagis: "Für die meisten Teilnehmer der Umfrage ist klar, wer die Schuld am Klimawandel trägt".
Auch eine Art von Journalismus.

  • Rainer Selk
  • 10.03.10 | 17:19 Uhr

Peter Schlegel 10.03.10 10:07 - @Alexej Buergin:
P. Schlegel vergass zu erwähnen, dass nächstens wegen geschmolzener Gletscher der Sihlsee + der Zürichsee überschwappen. Vor allem bei Erdbeben kann das böse enden, so wie die ganze Klima-Kolabier-Debatte (nicht der WeWo entnommen).
Chance: 'Aufschwemmzertifikate' kaufen.
Motto: wenn die Luftmatraze auf der Schmelze schwimmt, das Klima in den Himmel stinkend dringt.
Der Klimablödsinn treibt wahnsinninge 'Wärme'-Bilder, vor allen jetzt im Winter + in Grönland, wo wir alle Gore-mässig genau Bescheid wissen, was dort 'schwült'.

  • Peter Schlegel
  • 10.03.10 | 10:07 Uhr

@Alexej Buergin:

"das Arktiseis schmilzt nicht"

Ob das Arktiseis schmilzt oder nicht, ist für den Anstieg des Meeresspiegels völlig unerheblich! Entscheidend ist das Eis auf Grönland und der Antarktis! Und dort schmilzt das Eis, genau gleich wie in den Alpen!

"Meeresspiegel steigt nicht an (siehe Weltwoche)"

Wow, die "Welt"woche ist natürlich eine äusserst zuverlässige Quelle, wenn es um Kllimafragen geht, schliesslich wimmelt es in der "Welt"woche-Redaktion nur so von Klimaexperten, lach!!!

"Ozonloch wird auch nicht grösser"

Hat rein gar nichts mit der Klimaerwärmung zu tun!

  • Peter Tanner
  • 09.03.10 | 19:28 Uhr

Galileo wurde für richtige Ansichten eingekerkert, Klimawissenschaftler und Al Gore werden hingegen für ihren Nonsens fürstlich belohnt, weil die Klimahisterie dem Rot-Grünen Politiker- und Journalistenfilz hilft.

  • Rainer Selk
  • 08.03.10 | 20:36 Uhr

Walter Haberer 05.03.10 16:07
Wesentliche Begründungen der Klimabibel brechen weg. Ist es so, dass gouvernementale Autoritätshörigkeit soweit geht, dass man alles 'glaubt', was aufgetischt wird? Die ganze übertriebene CO Debatte wird absurd, die Wissenschaftsgläubigkeit ist mittelalterlich. Die Verächtlichmachung (Verfolgung) anders Denkender hat inquisitorische Züge. Die CO 2 Zertifikatsablässe stinken indessen wirklich zum Himmel, aber kosten mehr.
Die 'Inquisition' heisst heute 'Glaubenskongrgation' (ex Vorsteher der heutige Papst) - zeitgemäss + warme Luft: passt doch, oder?

  • Alexej Buergin
  • 08.03.10 | 16:21 Uhr

Lieber Herr Haberer, das Arktiseis schmilzt nicht (siehe JAXA oder Nansen-Institut), der Meeresspiegel steigt nicht an (siehe Weltwoche) und das Ozonloch wird auch nicht grösser.

  • Peter Wolff
  • 06.03.10 | 18:54 Uhr

"Zur Zeit verbleibt die Wolkenrückkopplung die grösste Unsicherheitsquelle bei Schätzungen der Klimasensitivität."

Ansonsten fehlt aber der Wasserkreislauf, der schon für jeden Laien deutlich sichtbar am meisten Einfluss auf das Klima hat. Darum galt und gilt:

So ziemlich jede Klimarechnung, die den gesamten Wasserkreislauf – es geht nicht nur um den Wasserdampf! – nicht beherrscht und trotzdem "sichere" Aussagen/Prognosen macht, ist fast reine Hochstapelei und/oder Betrug.

  • Peter Wolff
  • 06.03.10 | 18:52 Uhr

Grundsatzkritik wird nicht akzeptiert, wie mein zensurierter Kommentar zeigt:

Nicht kleine, sondern ein Kapitalfehler

Schon vor etwa 2 Jahren hatte ich die wichtige Tabelle auf Seite 4 aus dem IPCC-Bericht

http://www.greenpeace.de/fileadmin/gpd/user_upload/themen/klima/greenpeace_IPCC-bericht_dt.pdf

angesehen und gefolgert, dass dieser Bericht völlig unbrauchbar ist, da er über die Wasserkreisläufe in Meer und Atmosphäre in Form von Wasser, Schnee, Eis, Nebel/Wolken/Dunst/Luftfeuchtigkeit nichts aussagt, ausser – wohl mehr aus Vorsicht als Einsicht - auf Seite 88:

  • Peter Wolff
  • 06.03.10 | 18:50 Uhr

Das Grundproblem ist die Gobalisierung der Wissenschaft, was zu einer noch vor wenigen Jahren fast unvorstellbaren weltweiten Vetternwirtschaft unter den wissenschaftlichen Eliten bis zu deren Hilfslaboranten hinunter geführt hat. Deren Zensur ist heute wirksamer als die der Päpste mittels der Inquisition; betätigt sich z.B. Fischlin als moderner Inquisitor? Gefährlicher aber sind die gleichgeschalteten Medien wie z.B. die NZZ mit „Kleine Fehler, grosse Wirkung“

http://www.nzz.ch/nachrichten/wissenschaft/kleine_fehler_grosse_wirkung_1.5127225.html

Fortsetzung folgt:

  • Walter Haberer
  • 05.03.10 | 16:07 Uhr

„man hat all diese öekoclowns und grünterroristen so satt.“
Herr Frei, zum Glück bestimmt dieses Denken in der heutigen Welt nicht mehr die Politik. Sonst würde es in den Städten Europas immer noch zum Himmel stinken wie in den Zeiten, da Londons Nebel noch Smog war. Es ist gut, dass sich nicht mehr eine Minderheit die schönen Plätze der Erde von dem Geld kaufen kann, das sie damit verdiente, dass sie das Lebensumfeld der arbeitenden Menschen in eine Kloake verwandelte.

  • Walter Haberer
  • 05.03.10 | 16:02 Uhr

Teil 2

weil andere daran verdienen, was ihnen den Untergang bereitet. Dass das Eis der Arktis dramatisch zurückgeht, dass das Ozonloch immer grösser wird, das muss ein Banalkapitalist, das darf ein Banalkapitalist nicht zur Kenntnis nehmen, denn er hat keine Konzepte, um diesem Problem zu begegnen. Ideen haben immer andere. Der Kapitalist hat nur Geld, und das will er behalten.

  • Walter Haberer
  • 05.03.10 | 16:01 Uhr

„Fischlin aber liess KlimaAlarmistin Teuscher unbehelligt“
Es muss nicht verwundern, dass den neoliberalen Banalkapitalisten die derzeitigen Ergebnisse der Klimaforschung nicht behagen. Schliesslich müssten sie andernfalls Konsequenzen ziehen, die ihnen Geld kosten. Und alles, was Geld kostet, schmälert den Gewinn. Und der ist den Vereinfachern am rechten Rand heilig. Da ist es dann wurscht, dass einige Bewohner auf Inseln in der Südsee bereits auf den Koffern sitzen, gepackt für den Tag, an dem ihre Insel unter dem ansteigenden Meeresspiegel versinkt, versinkt, weil andere daran verdienen,

  • Alexej Buergin
  • 04.03.10 | 20:47 Uhr

Wenn ein paar Quadratmeter Bürofläche in einem öffentlichen Gebäude ungenutzt bleiben, reagieren die Medien mit Kritik.
Wenn Billionen (zehn hoch zwölf) von Franken für ein nicht existierendes Klimaproblem vernichtet werden sollen, interessiert dies niemanden.
Mit CO2-Handel würde (zB von den Banken) viel mehr Geld verdient als mit Öl; ist egal.
Big Governement, Big NGU, Big Soros und sogar Big Oil zahlen Milliarden für AGW-Propaganda: Ist doch eine gute Sache.

  • Alexej Buergin
  • 04.03.10 | 20:41 Uhr

Ein Artikel in der New York Times vom 20 Februar prognostiziert, dass die Arktik bald eisfrei sein wird.
Was ist neu? Dass dieser Artikel vom 20. Februar 1969 stammt.

  • Sergio Frei
  • 04.03.10 | 11:17 Uhr

man hat all diese öekoclowns und grünterroristen so satt. zumal nun arbeitslosigkeit und stillstand den alltag prägt, soll man solchen schwäzern noch zuhören . al gore auf seiner aluminiumkäppchen-tournee ist die vollreferenz für amerikanische ignoranz. aber man kann geld verdienen mit der angst der anderen. sonst schürt man sie, zur not mit staatlichen mitteln und medien.

 
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