Vergangene Woche war ich in St. Moritz, wieder, ich hatte eine Einladung zu einem privaten Abendessen. Weil noch Zeit war, ging ich vorher in das «Palace». In der Halle («Le Grand Hall») traf ich Dianne Brill und Peter Völkle, ihren Mann. Ich fragte, ob sie zufrieden seien mit ihrem Zimmer und einen schönen Aufenthalt verbrachten im Haus. Es sei alles gut, sagte sie, doch wie ich darauf käme, dass sie hier wohnen würden. Well, sie waren in Skibekleidung – und die behält man nur als Hotelgast an (alle anderen better dress up). Ich vermute, Dianne hatte, als sie noch New Yorks «Queen of the Night» (Weltwoche) war, gelernt, wie man sich in ein Zelt blufft sozusagen. Sie hatte jedenfalls den besseren Tisch als ich (trotz Brioni-Jackett).
Die Einladung für das Dinner, das Gisela Rich zu Ehren von Simon und Michaela de Pury (née Neumeister), seiner Frau seit kurzem, gab, war für 20.30 Uhr. MvH trat um 20.45 Uhr ein, so macht man das (man kommt nicht um 20.30 Uhr sharp, es ist keine geschäftliche Verabredung; nicht um 21.30 Uhr, das würde mir auch auf die Nerven fallen, ferner ist man nicht in Spanien). Dresscode gab es – wie fast immer, wenn es sich um eine private Veranstaltung handelt – keinen. Das bedeutet, man strengt sich an bei der Kleiderwahl, aber man overdressed nie. Man will nicht als Modeopfer rüberkommen oder, schlimmer, als einer, der andere überstrahlen möchte (gilt, natürlich, nur für Männer). Jetzt die Frage nach dem Geschenk: Man bringt Blumen mit, von mir aus gesehen. Das heisst, man bringt sie eben nicht mit, man liess sie am Tag davor ausliefern (die Gastgeberin respektive die Angestellten haben anderes zu tun am Abend, als Blumen einzustellen et cetera).
Ich unterhielt mich mit Martin Bisang, er sagte, er fände es lustig, dass ich («gerade du») Berndeutsch rede. Ich erwiderte, ich fände es lustig, dass er («gerade du») Baseldeutsch rede (er ist Gründer der Bank am Bellevue in Zürich). Was ich eigentlich sagen wollte: Ich finde es lustig, dass er redet, mit mir jedenfalls. Soviel ich weiss, spricht er sonst nicht mit Journalisten. Was vermutlich richtig war in der Vergangenheit – er hat seine Bank noch (nicht wie sein ehemaliger Geschäftspartner Thomas Matter, der lange Zeit gesprächsbereiter war).
Wladislaw Doronin habe ich fast zwei Jahre nicht mehr gesehen. Der Immobilienentwickler aus Moskau hat die Finanz- und Wirtschaftskrise erfolgreich überstanden, sagte er (er kauft immer noch Kunst, Ed Ruscha zum Beispiel, und Penthouses, etwa in Miami). Seine Freundin, Naomi Campbell, war freundlich, ein bisschen preoccupied vielleicht. Aber das ist in Ordnung, sie war daran, die Trauerfeier für Alexander McQueen vorzubereiten. In meinen Augen sieht sie in the flesh sogar besser aus als auf Fotos. Sie hatte ein dunkelblaues Top an; schwarze, enge Lederhosen und schwarze, geschlossene Schuhe mit hohen Absätzen. Michaela de Pury, die grösser ist als Naomi, nebenbei, war ähnlich gekleidet (bloss mit Stiefeln) und einige andere Frauen ebenfalls (no problem für mich, nur zum Sagen). Wer alles unter den zirka 50 weiteren Gästen war, schreibe ich nicht, das wäre nicht diskret (Urs und Francesca Schwarzenbach habe ich auch gesehen). Falls es in der Schweiz jemanden gibt, der eine bessere Mischung zusammenbekommt als Gisela, mit der ich befreundet bin, habe ich ihn/sie noch nicht kennengelernt. Das Menu: Hors-d-œuvre-Auswahl, Zürcher Geschnetzeltes mit Kartoffelpüree, Dessertbuffet, dazu Champagner sowie Rot- und Weisswein aus Sardinien. Kurz vor Mitternacht war das Fest zu Ende (wie man das schätzt als Gast und MvH).
Zum Schluss achtzehn Zeilen News: Thomas Borer hat für Ihren Kolumnisten wenig Liebe übrig, seit dieser zum ersten Mal über Shawne Fielding, seinerzeit noch nicht Ehefrau des damaligen Task-Force-Chefs, geschrieben hatte («Image; Privatleben; äussere Erscheinung; Kritik an Th. Borers Auftritten mit Freundin aus Texas», steht in der Schweizer Mediendatenbank nur, es war vor der Vollerfassung von Artikeln, es war 1997). Er lässt bis heute den Anwalt Briefe schreiben, wenn sein Name in meiner Spalte erscheint; sie hat mir schon lange vergeben, mich umarmt, sozusagen. Wer ist hier der Diplomat? Mein Geld ist auf Shawne, sie ist der Gegner, den man niemandem wünscht. Ich wünsche ihm, und staune selber, «LOL» (lots of luck, nicht lots of love, so weit gehe ich dann doch nicht).













Kommentare