Leserbriefe

Leserbriefe

«Schon Buben gehen davon aus, dass sie später eine ganze Familie durchfüttern müssen. Mädchen nicht.» Laurenz Hüsler

Es gibt nur Ausnahmen

Nr. 7 – «Wenn Frauen nicht wollen»; Philipp Gut über berufliche Gleichstellung

Es gibt eine einfache und wertungsfreie Erklärung für die ungleiche Geschlechterverteilung in Top-Positionen: Schon Buben gehen davon aus, dass sie später eine ganze Familie durchfüttern werden. Mädchen nicht. Das entscheidet über Hobbys, Ausbildung, Taktik, Strategie und Biss. Ausnahmen gibt es, aber eben nur Ausnahmen. Laurenz Hüsler, Egg bei Zürich
Wenn Philipp Gut schreibt, den Frauen würden die Karrierewege weit offen stehen, im gleichen Artikel aber feststellt, dass Frauen Vollzeitjobs meiden, und von der M-Kurve berichtet, dann wundere ich mich schon, dass hier der Zusammenhang nicht erkannt wird. Wie kann man von der Realität ableiten, dass dies freiwillig geschieht? Wenn man bis zu sechs Monate auf einen Krippenplatz warten muss, obwohl man gerne arbeiten würde, kann das nicht freiwillig sein. Wenn der Krippenplatz dann auch noch genauso viel kostet, wie man wiederum verdient, dann muss man sich nicht wundern, wenn viele Frauen zwangsläufig zu Hause bleiben. Dinah Truninger, Zürich

 

Germanophobie

Nr. 7 – «Kapitulationswilligkeit und Unterwerfungssucht»; Roger Köppel im Online-Videokommentar

Ich lese in der WAZ vom 18. Februar, dass Marc Helbling in seiner Untersuchung von einer Germanophobie spricht, dass sogar gebildete Schweizer die Germanen-Angst pflegen. Die Deutschen nehmen in der Rangliste der unbeliebtesten Ausländer momentan den vierten Platz ein. Sie, die Schweizer, sind nicht die omnipotentesten auf Erden. Unsere Kanzlerin als gesuchte Verbrecherin darzustellen – na ja, wenn die Jungen Liberalen das brauchen, sollen sie es machen. Für mich gibt es einen Grund, Ihr Land vorläufig nicht zu besuchen.
Johannes Kutzera, Bottrop (D)

Rentner finanzieren überrissene Löhne

Nr. 7 – «Komplett überrumpelt»; Carmen Gasser und René Lüchinger über den Rentenklau

Die Konsequenzen aus der Allianz von Christoph Blocher mit Thomas Minder könnten für viele Bankkunden zur Sicherung ihres Kapitals und damit ihrer Altersvorsorge beitragen. Ich nehme an, dass Gerold Bührer das weiss und wie die ganze FDP keine Argumente dagegen hat. Auch für die Senkung des Umwandlungssatzes werden von bürgerlicher Seite wie auch von Bundesrat und Parlament keine glaubhaften Gründe angeführt. Diese beiden Themen gehören zusammen, da die «Abzocker» für den geplanten Rentenklau verantwortlich sind. Die Pensionskassen (und damit alle Beitragszahler) gehören bekanntlich zu den besten Bankkunden. Die Zinsen auf dem gesamten Pensionskassenkapital sind deshalb so niedrig, weil die Erträge aus dem Finanzmarkt in die Taschen der Bankmanager fliessen statt auf die Konten der Kunden. Das heisst, die zukünftigen Rentner müssen die überrissenen Löhne der Finanzbranche finanzieren. Glücklicherweise gibt es in der Schweiz dagegen zwei Rezepte: ein Ja zur Abzocker-Initiative und ein Nein zur Senkung des Umwandlungssatzes.Walter Bärtsch, Zufikon

Unzufriedenheit beim Bürger

Nr. 7 – «Zahlenspiele mit Toten»; Alex Baur über Statistiken um Armeewaffen

Die Studie hat zum Zweck, die Auftraggeber vor bewaffneten Unzufriedenen zu schützen. Wenn der Volkswille immer wieder untergraben wird, gärt die Unzufriedenheit beim Bürger. Die Zeit wird kommen, in der das Volk aufbegehren wird, analog zur prise de la Bastille, und die Classe politique zur Rechenschaft ziehen wird. Um dieser Möglichkeit vorzubeugen, ist der Unzufriedene zu entwaffnen. Der Teufel hat eintausend Mäntelchen. Man gaukelt dem Volk Schutz vor und meint den eigenen. Albert Wolf, Gerolfingen

Seit in England die sozialistische Regierung Blair vor über zehn Jahren alle Faustfeuerwaffen beschlagnahmte, ist die Schusswaffen-Kriminalität um mehr als 40 Prozent gestiegen! Die Schweiz hat eine Suizidrate von 19 auf 100 000 Einwohner bei einer Verfügbarkeit von Feuerwaffen in 35 Prozent aller Haushalte. Österreich hat dieselbe Rate bei einer Verfügbarkeit von 9 Prozent. In Japan beträgt die Suizidrate 27 auf 100 000 Einwohner bei einer Verfügbarkeit von null! Es bleibt nur zu hoffen, dass die Schweizer Bürger den Milizarmee-Abschaffern der GSoA nächstes Jahr nicht auf den Leim kriechen. Peter Gerber, Zuchwil

Gerade aufgrund ihrer Seltenheit sind Mitnahmesuizide kaum geeignet, dieses Problem zu diskutieren, sehr wohl aber «normale» Suizide. In einer Studie betreffend alle Suizide in den Kantonen Basel-Stadt und Baselland zwischen 1992 und 1996 fanden wir, dass Armeeschusswaffen in 53 Fällen oder bei 12 Prozent aller Suizide verwendet wurden. Hochgerechnet auf die damalige Bevölkerung, kann von etwa 170 Armeeschusswaffen-Suiziden pro Jahr ausgegangen werden. Aufgrund der aktuellen Debatte haben wir die Untersuchung für den Kanton Luzern in den Jahren 2002 bis 2006 wiederholt. Hier wurden sogar bei 13 Prozent aller Suizide (33 Fälle) Armeeschusswaffen verwendet, was insgesamt die zweithäufigste Suizidart bedeutet. Hochgerechnet würde dies immer noch etwa 150 Fällen pro Jahr entsprechen. Die Abgabe der Armeewaffe an den Wehrmann hat also ihren Preis; ob es uns das wert ist, darüber können wir Gott sei Dank in Bälde abstimmen. Dr. med. Andreas Frei, Zürich


Erhöhung des Rentenalters jetzt angehen

Nr. 7 – «Angriff auf die berufliche Vorsorge»; Silvio Borner über den Umwandlungssatz

Wir erleben eines der vielen Räder eines viel grösseren Problems des Gesamtsystems. Medizinischer Fortschritt, demografische Entwicklung und weitere Faktoren beginnen massiv unsere Lebensgewohnheiten zu verändern. Nur die baldige Erhöhung des Rentenalters als Globallösung kann in einem so komplizierten System wie dem der Vorsorge-, Gesundheits- und Sozialleistungen wirksam Abhilfe schaffen. Mein Vorschlag: Die gestaffelte Erhöhung des Rentenalters für Männer auf 70 und Frauen auf 73 Jahre. Ich erwarte, dass ein Nein den Druck auf unsere Politiker erhöhen wird – ansonsten muss das Volk die Initiative übernehmen. Matthias L. Frei, Oberrieden

 

Junge Menschen zweifeln, ob für ihre Altersvorsorge noch viel übrig bleiben wird. Fast alle europäischen Länder leiden an zu niedrigen Geburtenzahlen. Davon betroffen sind die staatlichen Altersversicherungen, nicht aber unsere 2. Säule. Aufgrund des individuellen Kapitalaufbaus ist sie – ihre Stärke! – von der Demografie unabhängig. Nun stellen wir aber fest, dass mit dem zu hohen Mindestumwandlungssatz ein wesensfremdes Element in die berufliche Vorsorge einzieht, nämlich das Umlageverfahren der AHV. Wenn jährlich 600 Millionen Franken aus den persönlichen Ersparnissen der Beitragszahler in die Renten der Pensionierten fliessen, muss dies die Jungen beunruhigen. Der Generationenvertrag wurde ihnen von den Älteren aufoktroyiert! Wenn Ressourcen knapp werden, gibt es drei Möglichkeiten. Erstens mehr davon beschaffen, was beim BVG höhere Lohnabzüge bedeuten würde und nicht in eine Krisenzeit passt. Zweitens den egoistischen vorzeitigen Verzehr, was abzulehnen ist. Bleibt die dritte Option: den Gürtel ein wenig enger schnallen und den BVG-Kuchen mit einem etwas tieferen Satz auf mehr Jahre verteilen. Ich plädiere für den angepassten Umwandlungssatz, damit junge Menschen das Vertrauen in unsere an sich krisensichere Altersvorsorge nicht verlieren.
Dominik E. Zehnder, Unternehmer, Bäch

Unvergessliche Solidarität

Nr. 7 – «Englands grösste Stunde»; Urs Bitterli über Winston Churchill

Ich habe den ganzen Krieg über in London gelebt; unvergesslich die Bombardierungen, unvergesslich aber auch die Solidarität unter allen Menschen und die englische Gelassenheit. Unvergesslich aber auch die magnetische Kraft und Zuversicht ausstrahlende Persönlichkeit Winston Churchills! Dr. Lorle Louis, Meilen

 

Korrigendum

Unter der Überschrift «Meine neuen Russen» schreibt MvH in der Weltwoche Nr. 6/10: «Ein Satz noch zu der Galerie de Pury & Luxembourg in Zürich: Früher besuchenswerte Vernissagen, zurzeit höre ich nicht viel.» Die Galerie wurde in der zweiten Hälfte des vergangenen Jahres geschlossen. Die Redaktion

Wir freuen uns über Ihre Zuschriften. Je kürzer Ihr Brief, desto grösser die Chance, dass er veröffentlicht wird. Darüber hinaus muss er sich klar auf einen in der Weltwoche erschienenen Artikel beziehen. Die Redaktion behält sich vor, Kürzungen vorzunehmen. Leserbriefe ohne Angabe von Name und Wohnort werden nicht publiziert.

Kommentare

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  • Rainer Selk
  • 25.02.10 | 21:52 Uhr

Rentenklau
Walter Bärtsch, Zufikon
In etwa so sehe ich das auch.
Ob's aber bei weiterem Abfluss von Geld - mal unbesehen davon, um was für Schwarzes oder Weisses es sich handelt - wird es dann auch allen anderen enger. In jedem Falle ist das ein übeles 'Russisches Roulett'
s' Grüessli.

 
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