Was bedeutet Ihr Vorname?
Kazu ist ein Symbol, das Frieden bedeutet. Und es steht auch für Japan als Land des Friedens.
Was für ein Verhältnis haben Japaner zur Mode?
Weil Japaner verbal nicht sehr kommunikativ sind, drücken sie sich in der Mode aus, die sehr individuell ist. Natürlich gibt es die Schar der Labels, aber in Tokio erstaunt es mich immer wieder, zu sehen, wie frei gerade die Jungen sich anziehen.
Fühlen Sie sich eher als Japanerin oder als Schweizerin?
Ich meine, immer schweizerischer zu werden. Vor allem durch die Arbeit. Die Arbeit prägt.
Wie wird Ihre Arbeit in Japan wahrgenommen?
Wenn ich in Japan bin, bin ich die Exotin. Die Japaner wollen etwas Westliches in mir sehen, und wenn ich in der Schweiz bin, wollen die Schweizer etwas Asiatisches in mir sehen. Japaner erwarten von mir diese Couture-Sachen der westlichen Schneiderei.
Wie wichtig ist für Japaner Avantgarde?
Sehr wichtig. Die Avantgarde ist unentbehrlich.
Stimmt es, dass Japan der wichtigste Mode-Testmarkt ist?
Das weiss ich nicht, aber die Japaner sind extrem schnell. Wenn ein neuer Brand kommt, berichten die Magazine mit einer unglaublichen Akribie darüber, studieren ihn regelrecht. Jeder Brand wird sehr ernst genommen und auch getestet.
Ihr Label Kazu hat eine Ready-to-Wear- und eine Couture-Linie. Wie gross sind die Preisunterschiede?
Mittlerweile wird der Unterschied immer kleiner, da ich auch Ready-to-Wear alles in der Schweiz herstelle, in der Umgebung. Die Kundschaft möchte, dass man Anpassungen schnell vornehmen kann. Wir machen alles auf Bestellung, was das Prêt-à-porter verteuert. Ein Couture-Kleid auf Mass beginnt bei etwa 1500 Franken und kann bis 10 000 Franken gehen.
Was tragen Ihre Couture-Kundinnen nebst Kazu?
Sie reden zwar nicht über Labels, aber bei den Couture-Kundinnen ist mir Akris aufgefallen. Hingegen sehe ich weder Gucci noch Prada.
Welches sind Ihre Favoriten?
Sehr beeindruckt hat mich Vivienne Westwood, für die ich gearbeitet habe. Leider nicht kennenlernen durfte ich Yves Saint Laurent, den ich bewundere.
Westwoods Einfluss bleibt aber unsichtbar.
Vielleicht habe ich ein wenig ihre Arbeitsweise übernommen. Sie hat sich immer eingehend in die Kostümgeschichte vertieft. Das mache ich auch, mit dem japanischen Hintergrund. Vivienne ist total westlich in der Art ihrer Arbeit, in der Schneiderkunst. Alles liegt am Körper an und ist formbetont. Sie ist natürlich viel schriller als ich.
Dafür sieht man bei Kazu viel Fabric Frontline. Beziehen Sie die Stoffe exklusiv?
Ich frage jeweils, ob sie von andern Labels geordert wurden. Meist werden die Stoffe ja für ein Couture-Teil oder eine Show in Paris verwendet. Ich beziehe häufig Foulards, die 1,4 × 1,4 Meter messen und deren Stoffe nicht am Meter verkauft werden. Daraus mache ich Kleider und Blusen.
Was ist typisch Kazu?
Sicher die von mir entworfenen und bedruckten Stoffe. Der Stoff ist bei mir exotisch, die Silhouette westlich. Und statt Kimonos habe ich Wickelkleider, die eine Spezialität von mir sind.
Wird es eines Tages Kazu für Männer geben?
Ich finde, man sollte dort bleiben, wo man sich sicher fühlt. Den Frauenkörper und seine Dimensionen kenne ich. Wie es ist, im Körper eines Mannes zu stecken, kann ich nicht nachvollziehen.













Kommentare