Hochzeit

Unter freiem Himmel

Die Yogalehrerin Sandra Bernasconi, 34, und der Geschäftsmann Ahyia Afgen, 26, heiraten im April. Eine Entscheidung in Rekordzeit.

Von Franziska K. Müller

«Wir lernten uns auf Facebook kennen»: Brautpaar Afgen-Bernasconi. Bild: Lea Meienberg

Sandra: Meine Eltern waren geschieden, meinen Vater traf ich erst als Zwanzigjährige wieder. Meine Mutter und ich waren die Exoten im Dorf. Kein Mann im Haus, dafür betrieb Mama ein eigenes Geschäft, hatte rote lange Fingernägel und fuhr in Sportautos durch die Gegend. Im Nachhinein finde ich es auch eigenständig und lustig. Aber als Kind wünschte ich mir eine intakte Familie. Dieser Wunsch begleitete mich durch mein Erwachsenenleben, aber erst mit Ahyia wird diese Sehnsucht jetzt erfüllt.

Ahyia: Mich ins Nachtleben zu stürzen, um jemanden kennenzulernen, dazu hatte ich keine Lust. Sandra und ich lernten uns auf Facebook kennen, in der Rubrik: «Are you interested?» Ich lebe in Israel, zwischen Jerusalem und Tel Aviv, in einem Moschaw. Das ist eine Art Genossenschaftssiedlung. Früher teilten sich die Dorfbewohner die Einkünfte aus der gemeinsam betriebenen Landwirtschaft. Heute sind es fast normale Dörfer. Mein Wohnort gefällt mir, er liegt ideal: Tel Aviv ist mir zu mondän, Jerusalem zu religiös. Ich sehe mich als liberalen Erdenbürger, der hart arbeitet. Mein Business betrifft die Vermietung von grossen Zelten aller Art, die in Israel für Festivitäten – darunter auch riesige Hochzeiten – genutzt werden. Im Trend liegen mongolische Jurten mit Air-Condition. Zudem produziere ich zusammen mit einem palästinensischen Geschäftspartner Plastikmatten aus Recyclingmaterial für den Outdoor-Bereich.

Sandra: Am Anfang hatten wir keine Absicht, eine Beziehung einzugehen. Aber Ahyia war so süss und lieb. In den folgenden Monaten telefonierten wir stundenlang mit Skype und verliebten uns stürmisch ineinander. Ich wusste aus Erfahrung, dass verliebte Männer viel erzählen, wenn der Tag lang ist. Ich wollte ihn möglichst schnell sehen und sagte: «Wenn du es wirklich ernst meinst, besuchst du mich in der Schweiz.» Das tat er vor wenigen Monaten. Wir sehnten uns sehr nacheinander und machten im Voraus ab: Wenn wir uns zum ersten Mal begegnen, reden wir gar nichts, sondern küssen uns einfach. Das taten wir am Flughafen Kloten. Er roch so gut, bewegte sich schön. In der folgenden Woche entpuppte sich Ahyia als wunderbarer Mensch: verlässlich, klug, lieb. Er war die Erfüllung unzähliger Stossgebete, die ich zum Himmel geschickt hatte, seit die Beziehung mit dem Vater meiner kleinen Tochter vor vier Jahren auseinandergegangen war.

Ahyia: Während ich absolut unreligiös lebe, vermischt Sandra unbekümmert die Elemente verschiedenster Religionen. Wenn es so weitergeht, werden wir den Sabbat bald mit indischen Diwali-Lichtern begehen. Ich finde es erfrischend, wie meine zukünftige Frau mit solchen Dingen umgeht. Sie mixt sie, sozusagen nach dem Lustprinzip. Israel selbst ist ja auch ein Staat, in dem sich die Angehörigen aus Dutzenden von Nationen treffen, ihre Bräuche, ihre Kulturen, ihre sozialen Kodexe sind zum Teil komplett unterschiedlich. Trotzdem sind wir ein Volk.

Sandra: Ich bin seit meiner Kindheit ein Fan von Israel. Vieles ist weniger engstirnig als bei uns: Als ich kürzlich bei mir in Hombrechtikon aus dem Haus trat, lag mein Fahrrad zum dritten Mal auf dem Rasen. Als ich den Hausmeister fragte, ob er den Grund dafür kenne, trat er mit hochgehobener Schneeschaufel auf mich zu und antwortete: «Damit Sie es endlich in den dafür bestimmten Fahrradraum stellen.» In Israel gefallen mir das Durcheinander, die Scharfsinnigkeit der Menschen, ihre Direktheit und natürlich die Hitze, das Meer, die Landschaft. Die Entscheidung zu heiraten trafen wir schnell. Wieso warten, wenn man weiss, dass es das Richtige ist? Ich möchte so gern eine richtige Familie haben. Dass mir Ahyia den Herzenswunsch erfüllt, zeigt mir seine Liebe und sein grosses Herz. Der Umzug mit Sack und Pack findet – hoffentlich – bald statt. Zuerst heiraten wir im April in der Schweiz, einen Tag später dann in Israel mit über zweihundert Gästen auf der Farm von Ahiya: nicht unter dem Baldachin, sondern unter freiem Himmel.

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