Apropos:

Untergangsfantasien

Von Peter Keller

«Wer dem Volk anstrengungslosen Wohlstand verspricht, lädt zu spätrömischer Dekadenz ein», sagte der FDP-Chef Guido Westerwelle und löste in Deutschland eine hitzige Debatte über den Sinn und die Grenzen des Sozialstaats aus. Untergangsvisionen sind populär und alt und finden sich nicht nur in der Politik. Der Bildungsbürger spricht dabei von «Menetekel». Gemäss Altem Testament lauten so die Anfangsworte jener Geisterschrift, die dem König Belsazar seinen Sturz voraussagte. Heute steht «Menetekel» ganz allgemein für Warnzeichen drohender Gefahr. Gleich heisst auch ein neuer Band aus der Reihe «Die Andere Bibliothek». Der Autor Gerhard Henschel versammelt darin apokalyptische Predigten aus 3000 Jahren, die vor allem eines zeigen: Der Untergang des Abendlandes wird auch in diesem Jahrhundert regelmässig stattfinden. (kep)

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