Thiel

Moritz Leuenberger am Skilift

 Die verkehrspolitischen Vorschläge unseres Verkehrsministers werden in Bergregionen bereits umgesetzt. Von Überregulierung kann keine Rede sein.

Von Andreas Thiel

Skiliftanbügler am Morgen: Guten Morgen, Skiliftabonnement und Skiökobilanznachweis bitte . . .
Moritz: Wie?
Skiliftanbügler: Ihre Skipapiere. Bitte machen Sie vorwärts, die hinter Ihnen wollen auch auf den Lift.
Moritz: Hier ist mein Skiliftabonnement.
Skiliftanbügler: Und Ihr Skiökobilanznachweis?
Moritz: Mein was?
Skiliftanbügler: Wenn Ihre Ski eine schlechte Ökobilanz aufweisen, zahlen Sie zusätzlich für den Lift. Der Händler ist staatlich verpflichtet, beim Verkauf der Ski auf eigene Rechnung einen Skiökobilanznachweis auszustellen.
Moritz: Aber ich habe die Skis von einem Mitarbeiter ausgelehnt...
Skiliftanbügler: Alte Ski können Sie vom Bundesamt für Energie, Verkehr und Umwelt oder bei einer vom Bundesamt zertifizierten Fachstelle zertifizieren lassen. Das kann aber Wochen dauern.
Moritz: Ich arbeite dort, aber ich habe nur eine Woche Skiferien.
Skiliftanbügler: Gegen eine Expressgebühr von Fr. 250. zertifizieren die lokalen Behörden Ihre Ski direkt im Skigebiet.
Moritz: Hier?
Skiliftanbügler: Bitte stellen Sie sich in die Warteschlange dort drüben auf dem Parkplatz vor der Gemeindeverwaltung.


Skiliftanbügler am Mittag: Sie schon wieder? Haben Sie ihre Ski nun endlich zertifizieren lassen?
Moritz: Die Warteschlange war sehr lang, und es war nur ein Schalter geöffnet. Hier ist der Ökobilanznachweis.
Skiliftanbügler: Gut, dann brauche ich von Ihnen nur noch eine Kreditkartennummer . . .
Moritz: Ich habe keine Kreditkarte bei mir.
Skiliftanbügler: Geben Sie mir Ihren Pistenzollbeleg, da steht die Nummer drauf.
Moritz: Pistenzollbeleg?
Skiliftanbügler: Sie haben keinen Pistenzollbeleg?
Moritz: Nein . . .
Skiliftanbügler: Na, zum Glück haben wir das noch hier unten gemerkt! Oben im Skigebiet wären Sie dafür saftig gebüsst worden. Die Vignette für das örtliche Pistennetz erhalten Sie gegen eine Gebühr von Fr. 50. auf der Gemeindeverwaltung. Die gefahrenen Kilometer werden dann direkt Ihrer Kreditkarte belastet.
Moritz: Ich muss schon wieder auf die Gemeindeverwaltung?
Skiliftanbügler: Ja, die Warteschlange auf dem Parkplatz, bitte.


Moritz am Nachmittag: Hier sind Skiliftabonnement, Skiökobilanznachweis und Pistenzollbeleg. Darf ich jetzt hoch?
Skiliftanbügler: Gerne! Ich mache Sie darauf aufmerksam, dass der Bund bei dieser miserablen Ökobilanz Ihrer alten Ski eine Umweltgebühr von Fr. 50. pro Pistenkilometer erhebt.
Moritz: Was?! Davon kann ich mir ja nach einer einzigen Abfahrt neue Ski kaufen!
Skiliftanbügler: Ja, das ist ein vom Bund geschaffener Anreiz für den Urlauber, umweltfreundliche Ski zu fahren.
Moritz: Na gut, ich gehe jetzt neue Ski kaufen. Aber nachher will ich Ski fahren!

Skiliftanbügler am Abend:
Letzte Bergfahrt . . . Das sind aber schöne neue Ski!
Moritz: Ja, die waren auch teuer. Hier: Abonnement, Nachweis, Beleg. Anbügeln bitte!
Skiliftanbügler: Dürfte ich vorher noch Ihr Fahrfähigkeitszeugnis sehen?
Moritz: Was für ein Zeugnis?
Skiliftanbügler: Sagen Sie nur, Sie hätten den dreiteiligen Theoriekurs nicht gemacht!?
Moritz: Äh, nein . . .
Skiliftanbügler: Tut mir leid, dann muss ich Ihnen die Papiere und die Ski entziehen. Ski von Skifahrern ohne Fahrfähigkeitszeugnis werden als Tatwaffe betrachtet, eingezogen und verschrottet.
Moritz: Halt! Die Ski sind ganz neu!
Skiliftanbügler: Wenn Sie Glück haben, kriegen Sie eine Abwrackprämie.
Moritz: Aber ich kann Ski fahren!
Skiliftanbügler: Es geht schon lange
nicht mehr ums Können, es geht nur noch
ums Dürfen.

Kommentare

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  • Bernhard Zueger
  • 23.02.10 | 21:12 Uhr

Max Schmid

Aber bitte! Mit keinem Wort habe ich angedeutet, der Mainstream und Ideologen wie FA Meyer, De Weck und Gleichgesinnte müssten verboten werden.

Es ging mir um die Freiheit, die diversifizierte Meinungsäusserung und Respektierung der Schweizer. Und, wie in der Satire von Thiel, um die absurden Regulierungen und Einschränkungen mit immer mehr Gebühren, Taxen und Abgaben.

Ich hoffe, dass spätestens 2011 wieder Vertreter in das Parlament und indirekt in den Bundesrat gewählt werden, welche die Parteienstärken widerspiegeln und das Volk ehrlich vertreten und ernst nehmen.

  • Max Schmid
  • 23.02.10 | 09:30 Uhr

Merkwürdig, die Rede- und Meinungsfreiheit soll nach Meinung von B. Zueger beibehalten werden, nur de Weck und FA Meyer und Gleichgesinnten soll dies untersagt werden. Was für ein Widerspruch. Wie logisch und freiheitlich.

Was für ein neues Staatverständnis!!!

Die bürgerliche Mehrheit soll wieder anteilsmässig vertreten sein. Wie ist sie dann jetzt vertreten?
Wir haben doch demokratische Wahlen. Wenn in der eigenen Wahrnehmung auch die 2/3 Bürgerlichen zu den Sozialisten gezählt werden, dann müsste man mal den eigenen politischen Standpunkt ausloten.

  • Bernhard Zueger
  • 23.02.10 | 07:58 Uhr

Typisch: wer unsere heutigen Politiker wegen Verwahrlosung, Wankelmütigkeit, Schwäche, Unzuverlässigkeit und fehlender Verteidigungskraft des eigenen Landes anprangert wird von gewissen Kreisen verhöhnt und beschimpft.

Dann kommen jeweils so schöne Komplimente wie: „Arme schwachsinnige Seelen, die in psychiatrische Behandlung gehören“. Und: „Dümmlich, geistig schwach und auf der bürgerlichen Linie der Ungebildeten und Verblödeten“.

Kann ja sein, dass gewisse Leute mehr Bildung bezahlt bekommen haben als der normale Durchschnittsbürger. Ist aber nicht sehr intelligent, Leute mit anderer Meinung davon überzeugen zu wollen, sie seien zu dumm und zu blöd, um die neuen Zeiten des regulierten Einheitsstaates mit strikten Gesetzen begeistert anzunehmen.

  • Bernhard Zueger
  • 23.02.10 | 05:29 Uhr

Max Schmid

Ich will die Rede- u. Äusserungsfreiheit beibehalten. Es ist mir unwohl mit dem Mainstream u. will nicht nur noch denken „dürfen“, was ich ablehne.

Es ist mir unwohl mit Ideologen wie FA Meyer, De Weck und den gleichgeschalteten Media, dem StaatsTV u. der heutigen Mehrheit in BR u. Parlament.

Ich will nicht Zustände wie in Arabien u. der Türkei.

Ich will, dass Abstimmungen respektiert werden, keine Staatsquote von 50%+, keinen sozialistischen Staat. Ich möchte, dass die bürgerliche Mehrheit in der Politik wieder anteilmässig vertreten ist u. keinen Kollaps à la DDR.

  • Max Schmid
  • 22.02.10 | 22:54 Uhr

Welch arme Seelen, die in der Schweiz ideologisch bedrängt werden und unter dem Meinungsterror der Obrigkeit leiden.

Wer sich in der freien Schweiz derart bedroht fühlt, sollte mal in Staaten, wie der Türkei oder Saudiarabien etc. einen Augenschein nehmen oder seine Phobie ganz einfach in der Schweiz psychiatrisch behandeln lassen.

Immerhin wählen wir unsere Obrigkeiten demokratisch, auch wenn es einer Minderheit – zu der ich oft auch gehöre – nicht genehm ist.

  • Bernhard Zueger
  • 22.02.10 | 10:18 Uhr

Toll, dass es einen Andreas Thiel gibt!

In Zeiten der Gefahren, Bedrohung und Unterdrückung, Verlust von Freiheiten, dem Meinungsterror von Obrigkeiten, der ideologischen Bedrängung usw. gab es früher auch schon Satiriker, die Mut brauchten, um Missstände anzuprangern.

Wer hätte vor Jahrzehnten gedacht, dass es heute Mut braucht und Politsatire, um die Absurdität und nahezu schiere Realität aufzuzeigen?

Zum Glück gibt es diese Ausnahmeerscheinung Andreas Thiel, der (k) ein Blatt vor den Mund nimmt und mutig gegen den Mainstream schwimmt. Ein grosses Bravo und Dankeschön

  • Max Schmid
  • 21.02.10 | 17:49 Uhr

Thiel als Kabarettist o.k. – Seine "Geschreibsel" sind eher dümmlich, auch qualitativ. Schuster bleib bei deinem Leisten, auch wenn du dich bei der Weltwoche mit deinem politischen Blickwinkel gut aufgehoben fühlst.

  • Rainer Selk
  • 19.02.10 | 21:40 Uhr

Unglaubliche Halbheit: Meister Theil hat vergessen, dass an diesem Skylift dr Zuritt für UVEC ler strafmandatiert ist, wenn nicht ein CO2 Zertifikat mit Ablassbetsätigung mitgekauft wird. Trotzdem: meisterhaft, Meister Thiel.

  • Lukas Zysset
  • 19.02.10 | 15:29 Uhr

dürfen sie weiter herr thiel - zigezage

  • Dominik Schmid
  • 18.02.10 | 13:20 Uhr

Einmal mehr ganz grosses Kino von Andreas Thiel! Wunderbar! Köstlich! Ich will mehr, bin süchtig...

  • Huldrych Schmid
  • 18.02.10 | 11:11 Uhr

WUNDERBAR, wieder mal mitten aus dem Leben gegriffen, grad so gut wie der Moritz an der Theaterkasse, THIEL FOREVER.

  • Sergio Frei
  • 18.02.10 | 08:28 Uhr

wär's nicht so real , wär's zum weinen. einzig , dass theatrale ähhh, fehlt.

 
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