MvH

Ich, der Pferdeflüsterer

Unser Kolumnist wird nicht warm für eine Gala auf Eis. Und er erinnert sich an ein Treffen mit Alexander McQueen.

Von Mark van Huisseling

«MvH ist Tierfreund»: Unser Kolumnist beim Skijöring auf dem St. Moritzer See. Bild: Werner Bucher

Vergangene Woche war ich in St. Moritz. Am Freitagnachmittag fand das Rahmenprogramm von «Art on Ice» statt. Dabei hatte man Gelegenheit, sich von Pferden über den gefrorenen St. Moritzer-See ziehen zu lassen (auf Skiern). «Skijöring» heisst das, und ich wollte es seit 1992 ausprobieren, als ich einen Bericht über ein Skijöring-Rennen schrieb, an dem «Prominente» (Reto Gaudenzi und Hans «Hausi» Leutenegger, glaube ich) teilnahmen; ich war Sonntagsblick-Volontär damals. Während ich wartete, dass man mir die Zugstange in die Hand gab, war das Tier, das mich ziehen sollte, irgendwie nicht zufrieden, so sah es aus – es trat nach dem gentil organisateur, der danebenstand (zuerst, dann fiel er zu Boden), danach warf es die Reiterin ab, und schliesslich rannte es weg (ich glaube nicht, dass es mit mir zu tun hatte, MvH ist Tierfreund).

Das nächste Pferd, das über die Rennbahn zu mir geführt wurde, war ruhiger, und meine Skijöring-Erfahrung verlief ohne besondere Vorkommnisse. Ein Ratschlag für die, die es nachmachen wollen: Skier in Stellung eines Pflugs bringen, damit das Tuch, das sich zwischen einem und dem Tier befindet, gespannt bleibt und nicht über den Schnee schleift. Die sogenannten «Guest Stars» (Steve Lee und Leo Leoni von Gotthard, einer Rockgruppe, sowie Jan «Seven» Dettwyler, ein Soulsänger) machten bei dem Skijöring nicht mit, liessen sich aber mit Pferden fotografieren. Das fand ich eine ziemlich un-Rock-’n’-Roll-mässige Performance, nebenbei (doch immer noch Rock-’n’-Roll-mässiger als ihre Auftritte am Abend, muss ich schreiben). Ein Satz zu den Eiskunstläufern: Die besten sind zurzeit in Vancouver, von den anderen kamen zehn an die Open-Air-Gala.
Dort stellte mir ein Bekannter ein Paar vor, das ich bereits auf Anlässen gesehen habe (der Mann ist Chef eines Detailhandelsunternehmens, sie ist seine Frau). Er grüsste, sie sagte: «Ich bin inkognito hier.» Ihre Namen, übrigens, standen auf der Gästeliste. Was erwidert man darauf als Kolumnist und Mensch, der findet, er habe Anstand? «Es freut mich ebenfalls, Sie kennenzulernen», sagte ich. (Und hoffte, dass das nicht passiert, wenn mir einmal jemand vorgestellt wird, über den ich wirklich schreiben möchte.) Ich sah einige Leute des St.-Moritz-Sets, aber nicht viele (Jürg und Raquel Marquard mit Fiona Swarovski und Karl-Heinz Grasser oder Adriano und Lauri Agosti). Zu dem Dinner hatte ich keine Einladung, zum Glück. Ich finde, wer Freunde hat, die einen dazu einladen, braucht keine Feinde. Denn dann wäre man nächstes Jahr an der Reihe mit Einladen (und die 10 000 Franken für einen Tisch für zwölf Leute – Show, Cocktail, After-Dinner-Party inklusive – sind nicht so gut ausgegebenes Geld in meinen Augen). Ich hatte stattdessen eine Einladung in ein neues Restaurant mit Namen «The K» (früher «Rôtisserie des Chevaliers») im «Kulm Hotel». Das Essen (Entenleberterrine, Herz vom Rinderfilet) war fein; die Bedienung old school, wie man es sich wünscht. Und dass der Gastgeber/Direktor Dominique Godat grüssen und plaudern kam, wusste ich zu schätzen, schliesslich ist Hochsaison. (Das «The K» empfehle ich Lesern, die Gourmet-Restaurants mögen.)
Etwas anderes. Vergangene Woche nahm sich Alexander McQueen das Leben. Ich traf ihn einmal, als ich für diese Zeitschrift noch jede Woche einen berühmten (oder bekannten) Menschen befragte. («Beim König» war die Überschrift, er redete über Turnschuhe unter anderem). Was ich erzählen wollte: Es handelt sich um den fünften meiner 220 Interviewgeber, die in der Zwischenzeit gestorben sind (zuvor Helmut Newton, Rudolph Moshammer, Willy DeVille und Dominick Dunne). Die weniger traurige Nachricht: DeVille und Dunne, Vanity Fair-Kolumnist, starben eines natürlichen Todes. Ferner sind alle Frauen, die in der Spalte vorkamen, noch am Leben.
Zum Schluss ein Abschnitt über mich, zur Abwechslung: «Mark van Huisseling geht auf Sendung. Ab Sommer gibt es MvH auch im Fernsehen auf Pro Sieben.» Sie haben es nicht hier zuerst gelesen (sondern bei kleinreport.ch, einem Mediendienst der Kommunikationsbranche, und in 20 Minuten). Ich wusste es als Erster, ehrlich. Aber es wäre irgendwie nicht bescheiden gewesen, die News selber zu bringen, Sie verstehen. Ich erzähle gerne mehr darüber, sobald es mehr zu erzählen gibt.

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